Es ist ein Knalleffekt: Der Disney-Konzern will seinen als Premium-Produkt angelegten Blockbuster "Mulan", der mehr als 200 Millionen Dollar in der Herstellung gekostet haben soll, nun nach mehreren Kinostartverschiebungen ausschließlich beim hauseigenen Streaming-Dienst Disney+ zeigen. Ab 4. September könne man in den USA den Film dort streamen, jedoch nicht im Rahmen des günstigen Abopreises, sondern um eine zusätzliche Leihgebühr von 29,99 Dollar. Das ist das überraschende Ergebnis einer Investorenkonferenz, die über den Vertrieb des potenziellen Blockbusters beraten hatte. Zuvor war der Film, der am 26. März 2020 in die Kinos hätte kommen sollen, wegen der Corona-Krise bereits mehrfach verschoben worden. Zuletzt hatte Disney den Film auf "Ohne Termin" gesetzt.

Der Meinungsumschwung bei Disney betrifft zunächst die Märkte in Nordamerika, Australien, Neuseeland und einigen nicht näher genannten europäischen Ländern. Überall dort, wo Disney+ noch nicht verfügbar ist, soll der Film jedoch einen regulären Kinostart bekommen. In Deutschland und Österreich ist Disney+ bereits verfügbar. Insgesamt hat der Konzern inzwischen weltweit mehr als 60 Millionen zahlende Disney+-Kunden. Würden nur 10 Prozent dieser Kunden den zusätzlichen Leih-Betrag für "Mulan" berappen, hätte das Studio mit 180 Millionen Dollar seine Kosten beinahe schon wieder eingespielt.

Bei Disney beteuert man indes, dass die aktuelle Maßnahme lediglich ein dem Virus geschuldeter Versuch ist, um "Mulan" doch noch entsprechend breit anbieten zu können. Disney-CEO Bob Chapek betonte: "Wir wollen den Konsumenten dieses Angebot machen und daraus lernen". Man verfolge jedoch keine generelle neue Vertriebsstrategie über Disney+, betont das Management. Kinobetreiber würde dies vermutlich verängstigen: Durch die Pandemie werden laufend Tabus der klassischen Filmverwertungskette gebrochen, Disneys Vorstoß ins Digitale gliche - wenn er Schule macht - einem Todesstoß für so manches Multiplex-Kino. Denn dort braucht man Blockbuster wie "Mulan".

Zuvor hatte Disney aktuelle Quartalszahlen veröffentlicht, die dem Konzern ein sattes Minus bescheinigten: Der Nettoverlust betrug im dritten Quartal, das am 27. Juni endete, 4,72 Milliarden Dollar, verglichen mit einem Nettogewinn von 1,43 Milliarden Dollar im Vorjahr. Der Umsatz fiel um 42 Prozent auf 11,78 Milliarden Dollar. Problematisch waren hier vor allem die geschlossenen Kinos, Vergnügungsparks und die verzögerten Dreharbeiten neuer Filme.