Düster ist’s im Los Angeles der frühen 1930er Jahre. Allerorts dunkle Sepia-Töne, dazu entrisches Licht, Kontraste, blankes Entsetzen. Letzteres, als ein Ehepaar feststellt, dass sein entführtes Baby trotz Zahlung eines Lösegeldes ermordet worden ist.

Zu Beginn von "Perry Mason" (neu zu sehen bei Sky), der achtteiligen HBO-Serien-Neuauflage über den berühmten Privatdetektiv, herrscht klamme Stimmung. Zumal der Ehemann, ein Spieler, schnell verdächtigt wird, selbst hinter der Entführung des eigenen Kindes zu stecken. Und auch, weil seine Frau Dreck am Stecken hat, weil sie offenbar eine Affäre mit einem der Entführer hat. Ein Setting, in dem sich der private Ermittler Perry Mason, gezeichnet von seinem Alkoholproblem, sichtlich wohlfühlt. Zugleich spiegelt sich im Fortgang der Ereignisse auch gleich die ganze Verlogenheit des Polizeiapparates in Los Angeles zu jener Zeit wider, und auch das von der soeben überwundenen Wirtschaftskrise gebeutelte Land findet reichlich Widerhall in der von Rolin Jones und Ron Fitzgerald verfassten und von Tim Van Patten realisierten Serie. Es gelingt zudem ein frischer Blick auf die Figur des Privatdetektivs Mason: Dieser war von Autor Erle Stanley Gardner berühmt gemacht worden und reüssierte in der gleichnamigen TV-Serie zwischen 1955 und 1967 (gespielt von Raymond Burr) zu Kultstatus.

Doch dieser Perry Mason ist anders: Matthew Rhys interpretiert ihn abgebrüht in seiner Frühzeit als Trinker und seelisch verwundeten Weltkriegsveteranen, der fernab der Makellosigkeit der ersten Serie ist. Hier tun sich Abgründe auf, und das ist gut so: Dieser Perry Mason hat Brüche, Ecken und Kanten, die man demnächst auch in einer zweiten Staffel erforschen darf.