Es gibt eine Tradition im Kino, die hat Francis Ford Coppola dereinst mit seiner "Pate"-Trilogie begründet: Der Look, den diese Filme prägten, ist bis heute klassisch bei fast allen Filmen zu finden, die von der Mafia erzählen. Der Italiener Marco Bellocchio, aus Piacenza, dem Norden des Landes, stammend, will diesem Look in seinem Mafia-Drama "Il traditore" nicht so ganz folgen - stattdessen bemüht er einen viel "italienischeren" Zugang zum Thema, einen, der geschwätzig ist, aber auch: einen, der die Brutalität und Skrupellosigkeit der Mafia in ihrem Bestreben verortet, eine gewisse "Italianità" zu leben.

Bellocchio erzählt meisterlich die wahre Geschichte von Tommaso Buscetta (Pierfrancesco Favino): Der war in den 1980er Jahren einer der ersten Mafia-Informanten auf Sizilien. Und das kam so: Als Mann fürs Grobe managte er die Geschäfte in Italien und Brasilien. Doch in Sizilien tobte ein Machtkampf unter den Mitgliedern der Cosa Nostra - und Buscetta floh nach Brasilien. Daheim metzelte die Cosa Nostra indes seine halbe Familie nieder. Nachdem Buscetta von der brasilianischen Polizei verhaftet und nach Italien ausgeliefert wurde, traf er deshalb eine folgenschwere Entscheidung, die die gesamte Mafia für immer verändert hat: Er wandte sich an einen Anwalt. Diesem Giovanni Falcone (Fausto Russo Alesi) erzählte er dann Details der Machenschaften, anhand derer hunderte Mitglieder der Cosa Nostra in den USA und in Italien verhaftet und verurteilt wurden.

Die Qualität von Bellocchios Gerichtsdrama besteht in der Besetzung von Pierfrancesco Favino in der Hauptrolle und in der Konsequenz, mit der Bellocchio sein Mafia-Drama entgegen ausgetretener Genre-Pfade umgesetzt hat.