Viel hat sich eigentlich nicht geändert, seit man selbst pubertierender Teenager war, Hals über Kopf verliebt in seinen Schwarm. "Lovecut" der beiden Regisseurinnen Iliana Estañol und Johanna Lietha bringt diese Zeit in Erinnerung, das Erwachen der Leidenschaft und Lust, die Verwirrungen und Verhinderungen, die Missverständnisse zwischen jungen, (un)erfahrenen Menschen auf der Suche nach der Liebe. Es ist ein Lebensabschnitt, in dem man noch Zeit zu vergeuden hatte, viel zu kurz im Rückblick, doch am Beginn scheinbar unendlich lange und voller Fallstricke.

"Lovecut" erzählt von drei jungen Pärchen, die allesamt mitten in der Pubertät mit ihren Gefühlsregungen zu kämpfen haben. Was ihre Geschichten von den eigenen unterscheidet, sind keine Tabubrüche einer verlotterten Jugend (ein Urteil, das jede Elterngeneration über den Nachwuchs ausspricht), nein: Im Wesentlichen haben sich Liebe, Sex und Zärtlichkeit seit "Bravo"-Tagen (und noch viel länger) kaum verändert. Nur die mediale Kommunikation geht andere Wege: Tinder Dates, Sexting und Cyber-Sex sind dann doch eher neue Phänomene, die aber letztlich auch nur dazu dienen, sich ganz klassisch und im echten Leben in den Armen zu liegen. Eine digitale Sex-Revolution? Von wegen!

Die Jungen ernst nehmen

Die Regisseurinnen von "Lovecut", zwei junge Frauen in ihren 30ern, haben noch viele Erinnerungen an das eigene Jungsein, aber sie recherchierten für den Film bei unzähligen Jugendlichen und stellten fest: Sobald man diese ernst nimmt, öffnen sie sich und reden. Eine Erkenntnis, die man noch aus der eigenen Jugend kennt. Estañol und Lietha verdichten ihre Erfahrungen und Recherchen zu drei Geschichten, die lose ineinander greifen. Ein 17-jähriger Tunichtgut, auf Bewährung draußen, lernt via Tinder eine 16-jährige Schülerin kennen, die darob aus dem elterlichen Haus ausreißt und in eben dieses im Kurzschlussmodus wieder einbricht. Dazwischen werden die Bettlaken gewälzt. Ebenso wie bei dem Teenie-Pärchen, das aus der Lust, sich selbst beim Sex zu filmen, ein Geschäft machen will. Die Videos ins Netz zu laden und mit Klicks Geld zu verdienen, ist total in. "Alle machen das heute", rechtfertigt sich das Mädchen vor seinen Eltern, die das Treiben entdecken. Wieder ein anderes Paar kennt sich vorerst nur virtuell und probiert Cybersex über Skype. Was das Mädel nicht weiß, ist, dass der Bursch am anderen Ende der Leitung von der Hüfte ab querschnittgelähmt ist. Das erste reale Treffen wird heikel.

Beschrieben klingen diese Geschichten schon recht nach Räuberpistolen Marke "Es juckt mich in der Lederhose", aber "Lovecut" hat nichts von einem marktschreierischen Ton, im Gegenteil. Selten hat man die Gelüste und Gefühle Jugendlicher auf der Leinwand so liebe- und respektvoll eingefangen gesehen. Selten haben es Filmemacher geschafft, aus ihren gecasteten Laiendarstellern eine solche Authentizität herauszuarbeiten; und das noch dazu phonetisch perfekt im österreichischen Idiom gehalten, obwohl die Regisseurinnen eigentlich Schweizerinnen sind (die österreichische Filmförderung machte den Dreh in Wien möglich, oder besser: obligatorisch). Filme wie "Lovecut" funktionieren nur über ihre Besetzung, die durchwegs perfekt gewählt wurde. Natürlich sind ihre Geschichten vorhersehbar, vor allem aus der Perspektive von Menschen, die diese kurze, intensive Lebensphase schon hinter sich haben. Aber es bleibt die Erkenntnis: Egal ob Tinder, Whatsapp oder ein klassischer Liebesbrief: Am Ende wird jede Enttäuschung auch ein geliebte Erinnerung sein.