Wenn Pedro Almodovar seinen Kommentar zur Pandemie und zum Lockdown abgibt, dann macht er das in der für ihn typisch künstlerisch überhöhten Form, und selten hat dazu eine Schauspielerin besser gepasst als Tilda Swinton, der Protagonistin aus dem 30-minütigen "The Human Voice", eine Adaption des gleichnamigen Bühnenstücks von Jean Cocteau. Darin ist Swinton in der Wohnung, die sie einst mit ihrem Liebhaber teilte, isoliert und kann allerhand Gefühls- und Gemütszustände durchleiden, die perfekt zur Corona-Zeit passen - Almodovars intelligenter Zeitkommentar ist übrigens die erste Zusammenarbeit mit Swinton, und das erstaunt schon fast ob der passgenauen Überlagerung der Talente dieser beiden Künstler. 

In Venedig kommentierte Almodovar dann auch den Lockdown. "Meine Filme allesamt zu den Streamingportalen zu geben, das wäre schlecht, denn dort würde ich den direkten Kontakt zum Publikum verlieren", meinte Almodovar. "Ich kann nur in einem Kino, in dem unbekannte Menschen gemeinsam einen Film erleben, spüren, ob er funktioniert oder nicht und wie sich die Zuschauer dazu verhalten", so Almodovar. "Das Kino ist das wahre Gegengift gegen die Pandemie". Was für ein Satz. Und weiter: "Die Menschen sollten nicht in ihrem Zuhause sitzen müssen, als wäre es ein Gefängnis". 

Dieses Gefängnis hat Almodovar inzwischen wieder verlassen, denn der 71-jährige ist sehr umtriebig und hat mehrere neue Projekte am Start, von denen er sagt: "Das Kino ist ein Abenteuer, und ich bin bereit, es wieder zu wagen". Unter anderem will Almodovar als nächstes einen Western drehen. "Aber seien Sie versichert: Es wird sicher kein normaler Western". Das glauben wir ihm aufs Wort.