"Ich habe die Angewohnheit, Menschen sehr genau zu beobachten, das ist das Britische an mir", sagt Stacey Martin im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" in Venedig. "Der französische Einfluss bei mir ist dann eher diese Pariser Nonchalance, die ich manchmal an den Tag lege". Martin, einzige Tochter eines Franzosen und einer Britin, ist 2013 mit viel nackter Haut in Lars von Triers "Nymphomaniac" berühmt geworden, seither hat sich viel getan. Jetzt spielt sie in Nicole Garcias Dreiecksgeschichte "Amants" (dt. "Liebende") eine Frau zwischen Pierre Niney und Benoît Magimel, eingepackt ist das Ganze in einen spannenden Film Noir, zu sehen im Wettbewerb der 77. Filmfestspiele von Venedig.

"Ich habe mich unter der Regie von Nicole Garcia sehr wohl gefühlt", sagt Martin. "Sie ist eine Frau, die genau weiß, was sie will, aber nicht weiß, wie sie es kriegt - und das führt dazu, dass man als Schauspielerin herrlich viel ausprobieren kann". Stacey Martin liebt es, im Moment zu sein, wenn sie ihre Rollen spielt, und dazu gehört auch ein Loslassen. "In vielen meiner Filme gibt es Nacktszenen, aber die machen mir nichts aus, wenn sie zur Figur passen", sagt sie. "Denn dann sieht man ja nicht mir zu, sondern einer Rolle, die ich spiele".

"Amants" erzählt eine Dreiecksgeschichte zwischen Pierre Niney (l.), Stacey Martin und Benoît Magimel. - © Katharina Sartena
"Amants" erzählt eine Dreiecksgeschichte zwischen Pierre Niney (l.), Stacey Martin und Benoît Magimel. - © Katharina Sartena

Die Corona-Pandemie ist für Stacey Martin "eine Prüfung, die wir meistern müssen. Ich finde es toll, dass man es geschafft hat, das Filmfestival von Venedig trotz allem zu veranstalten. Wir tragen Masken und halten uns an die Vorschriften, aber ich finde, es ist ein großartiges Zeichen, dass wir wieder ein Stück unserer Normalität zurückbekommen". Dennoch: "Dieses Festival ist anders als sonst: Ich habe erst sehr kurzfristig beschlossen, hierher zu fliegen, denn das Festival hätte ja auch in letzter Sekunde abgesagt werden können".

Besonders erfreut zeigt sich Martin angesichts der gestiegenen Zahl von Filmen bei der "Mostra del cinema", die von Frauen gedreht worden sind - immerhin sind das knapp 40 Prozent der Wettbewerbsbeiträge, darunter auch Nicole Garcias Film "Amants". "Das ist wunderbar, und es ist ein Zeichen, dass sich die Dinge langsam, aber sicher verändern", findet Stacey Martin. "Aber eines muss ich dazu auch ganz klar sagen: Für mich als Künstlerin ist es gänzlich irrelevant, ob Männer, Frauen oder Transgender hinter der Kamera stehen. Für mich zählt hier nur die Qualität des Projekts".