Für den Italiener Luca Guadagnino ("Call Me By Your Name") ist das Filmfestival von Venedig ein guter Boden, quasi ein Heimspiel. Schon sein erster Spielfilm "The Protagonists" wurde 1999 hier vorgestellt, auch seine Filme "I Am Love" (2009), "A Bigger Splash" (2015) oder "Suspiria" (2018) hatten hier Premiere. Naheliegend, dass Guadagnino auch heuer seine neue Arbeit hierher mitgebracht hat: Mit "Salvatore Ferragamo: The Shoemaker of Dreams" legt der Regisseur einen Dokumentarfilm über den legendären Schuhdesigner vor, der sich von dem kleinen italienischen Dorf Bonito bis in die Schuhschränke der Hollywood-Stars vorgearbeitet hat. Marilyn Monroe etwa wäre ohne das Schuhwerk von Ferragamo gar nicht denkbar gewesen. Aber auch Marlene Dietrich, Cary Grant, Gloria Swanson oder Mary Pickford schwörten auf seine Schuhe. Für die Monroe fertigte er die elf Zentimeter hohen Pumps, die sie in "Manche mögen’s heiß" trug, Judy Garland hatte zur Premiere von "Der Zauberer von Oz" seine Schuhe mit den regenbogenfarbenen Absätzen an, für Audrey Hepurn entwarf er in den 50er Jahren seine berühmten Ballerinas. Das Besondere an seinen Schuhen: Ferragamo wollte nicht nur bestes Design und Innovation in der Herstellung vereinen, sondern vor allem bequem zu tragendes Schuhwerk herstellen. Ein Anspruch, der ihm immer wieder gelungen ist und ihm viele Fans bescherte, wie auch Guadagninos Doku vorführt. Dort zeichnet der Filmemacher den Aufstieg Ferragamos detailgetreu nach - der Film ist darob ein Fest für alle Schuhfanatiker und Modebegeisterte.

Als Vorfilm zeigte der Regisseur seinen 12-minütigen Kurzfilm "Fiori! Fiori" Fiori!", den er während des Lockdown gedreht hat und der dem Lebensgefühl in der Pandemie nachspürt. Zugleich finalisiert Guadagnino seine Serie "We Are Who We Are", die ab Herbst bei Sky zu sehen sein wird. Ein Rastloser? "Ich bin nicht unruhig, ich arbeite strategisch", sagt Guadagnino. "Ich fühle mich sowjetisch: Ich habe mehr als einen Fünfjahresplan im Sinn".

Regisseur Luca Guadagnino (links) mit Venedigs Festival-Chef Alberto Barbera: "Er hat hier Großartiges vollbracht". - © Katharina Sartena
Regisseur Luca Guadagnino (links) mit Venedigs Festival-Chef Alberto Barbera: "Er hat hier Großartiges vollbracht". - © Katharina Sartena

Und dieser Fünfjahresplan beinhaltet auch, dass Guadagnino gleich nach Venedig als Jury-Präsident dem heurigen Festival von San Sebastian vorstehen wird. "Das ist ein Job mit Signalwirkung", meint der 49-Jährige. "Alle erzählen uns immer, dass die Zukunft des Films im Streaming liegt, aber sehen sie sich einmal an, was Venedigs Festivalchef Alberto Barbera hier trotz der Pandemie auf die Beine gestellt hat. Ich meine, Venedig ist doch das beste Zeichen dafür, dass diese Pandemie das Kino nicht umbringen wird".