Venedig kann als Modell dienen für andere Filmfestivals, die in Corona-Zeiten stattfinden: Das ist eine Erkenntnis, die sich dieser Tage bei den zahlreichen angereisten Festivalgästen aus Cannes, Berlin, Karlovy Vary oder Locarno durchsetzt. So, wie man in Venedig der Krise begegnet, so könnte das auch bei den anderen Filmschauen laufen - und damit müsste die Welt nicht auf Festivals verzichten, obwohl es die Pandemie gibt.

Am Lido gelten strenge Sicherheitsvorkehrungen, Maskenpflicht herrscht am Festivalgelände und auch in den Kinos während der gesamten Filmvorführung. Außerdem müssen die Tickets vorab reserviert werden, die Sitzplätze sind fix zugewiesen. Organisatorisch haben die Italiener hier Großartiges vollbracht, und die Delegationen der anderen internationalen Festivals sind hier, um sich das Konzept abzuschauen und für die eigenen Zwecke zu adaptieren. Darunter ist auch Viennale-Direktorin Eva Sangiorgi, die heuer ein insgesamt um drei Tage gekürztes Festival in Wien ausrichten wird (22. Oktober bis 1. November), bei gleichzeitig ausgeweiteten Spielorten und mehr Vorstellungen, bei weniger Filmen und halbierten Sitzplätzen pro Kino.

"Das Klima in Venedig erlebe ich als sehr angenehm, es sind weniger Gäste hier und alles läuft entspannter ab", so Sangiorgi zur "Wiener Zeitung" in Venedig. "Das liegt natürlich an den Maßnahmen, aber man bekommt ein Gefühl dafür, wie Filmfestivals früher gewesen sein müssen, als es noch weniger medialen Ansturm gab". Trotzdem: "Die Viennale ist viel stärker auf das Publikum ausgerichtet als Venedig, das heißt, wir werden das Sicherheitskonzept sicher entsprechend adaptieren", so die Viennale-Direktorin. Dazu gehört, anders als in Venedig, die Möglichkeit, auch paarweise im Kino zu sitzen: Maximal zwei Sitze nebeneinander sollen bei der Viennale 2020 belegt werden können, für Paare oder Freunde. Das halbe Gartenbau wird auf diese Weise belegt, dazwischen wird es jeweils einen freien Sitz geben. Die andere Hälfte wird wie in Venedig nur aus Einzelplätzen bestehen, die schachbrettartig belegt werden. "In Venedig zeigt sich, dass der Saaleinlass mit fixen Sitzplätzen nicht zeitintensiver ist, sondern im Gegenteil: Langes Anstehen entfällt, wenn jeder seinen fixen Sitzplatz hat", so Sangiorgi. Hinzu kämen Sicherheitsabstände, mehr Saaleinlässe und mehr Vorstellungen zum gleichen Film. "Insgesamt wird es wohl weniger Filme geben, und Tickets für diese werden sowohl online mit Sitzplatzwahl angeboten werden, als auch über Telefon reservierbar sein", sagt Sangiorgi.

Zu den inhaltlichen Highlights will sich Sangiorgi noch nicht im Detail äußern, jedoch werden etliche Filme zu sehen sein, die ursprünglich beim heuer entfallenen Filmfestival von Cannes ihre Premiere hätten feiern sollen. Auch aus dem Venedig-Programm will Sangiorgi zahlreiche Filme für das Wiener Publikum auswählen. "Wichtig ist, dass alles in höchstmöglicher Sicherheit stattfindet", sagt Sangiorgi. "Aber das Filmfestival von Venedig setzt ein schönes Zeichen, dass die Festivalwelt wieder amten kann. Auf diesen Spirit hoffen wir auch bei der Viennale."