Die britische Schauspielerin Dame Enid Diana Elizabeth Rigg ist am 10. September im Alter von 82 Jahren gestorben. Sie war berühmt für ihre Rolle als Emma Peel in der Serie "Mit Schirm, Charme und Melone" und spielte auch in der Serie "Game of Thrones". Im März 2020 war bei Diana Rigg eine Krebserkrankung diagnostiziert worden.

Unnachahmliche Eleganz. Ein Gesicht von außerordentlicher Schönheit, das Lächeln geheimnisvoll, vielleicht maliziös, vielleicht ein wenig arrogant,  sprechende Augen, katzengleiche Anmut in den Bewegungen: Diana Rigg war Emma Peel, die Geheimagentin an der Seite von John Steed (Patrick Mcnee) in "The Avengers". Der deutsche Titel ist besser als der englische: "Mit Schirm, Charme und Melone". Die 1960er-Jahre-Serie, angesiedelt zwischen Agentengeschichten, Krimi und Horror, war einer der größten Erfolge des britischen Fernsehens. Als Diana Rigg während der fünften Staffel ausstieg, blieb nur noch Schirm und Melone. Die Serie hatte ihre Überlebensberechtigung verloren.

Diana Rigg, geboren am 20. Juli 1938 in Doncaster als Tochter eines Eisenbahningenieurs, verbrachte ihre frühe Kindheit in Britisch-Indien. Nach ihrer Rückkehr studierte sie Schauspiel an der Royal Academy of Dramatic Art. Ihr Theaterdebüt gab sie 1957 beim York Festival als Natasha Abashwilli in Bertolt Brechts "Der kaukasische Kreidekreis".

Erfolg im Fernsehen

Während sie im Fernsehen und auf der Bühne erfolgreich war, bekam sie kaum Kinofilmrollen, die ihrem außerordentlichen Talent und ihrer Ausstrahlung entsprachen. Ihre Rolle als Ehefrau von James Bond absolvierte sie ausgerechnet im Streifen "Im Geheimdienst Ihrer Majestät" (1969), der lange Zeit als schwächster Bond galt. In "Hospital" (1971) wurde eine Szene, in der sie einen vermeintlich impotenten Arzt durch verbale Erniedrigungen heilen sollte, zum Skandal. Die Nackt- und Sexszene wurde umgeschnitten, um die Zensur zu beruhigen. 1982 spielte sie in der Agatha-Christie-Verfilmung "Das Böse unter der Sonne" neben Peter Ustinov.

Der Erfolg freilich blieb ihr treu in TV-Rollen: Neben "Mit Schirm, Charme und Melone" war da noch "Doctor Who" und ab 2013 "Game of Thrones". Ab der dritten Staffel spielte sie Lady Olenna Tyrell - und legte in der siebenten Staffel eine Todesszene hin, die beklommen macht und einmal mehr bewies, dass Diana Riggs Faszinationskraft nicht nur auf ihrem guten Aussehen als junge Schauspielerin basierte.

Ihre größten Erfolge hatte Diana Rigg aber im Theater. Von 1959 bis 1964 war sie Mitglied der Royal Shakespeare Company, ab 1967 arbeitete sie frei als Associate Artist of the RSC mit der Royal Shakespeare Company zusammen. Ab 1971 war sie Mitglied des National Theatre of Great Britain.

Nackt auf der Bühne

Berühmt wurde sie als eine der ersten Schauspielerinnen, die nackt auf der Bühne standen - entgegen aller Unkenrufe aber nicht aus Gründen der Sensationslust, sondern weil es im Stück "Abelard and Heloise" (1970) eine dramatische Notwendigkeit war. Bereits in "Mit Schirm, Charme und Melone" war sie in hautengen schwarzen Lederoutfits aufgetreten und hatte männliche Ganoven zumeist nur mit dem Einsatz von Händen und Beinen unschädlich gemacht. Das Spiel mit dem Sexappeal war ein Bestandteil der Serie - was damals als gewagt wahrgenommen wurde, ist heute, speziell in den noch in Schwarz-Weiß gedrehten Folgen, von außerordentlichem ästhetischen Reiz.

1979 wurde Diana Rigg in einer Titelstory des "Time Magazine" als "Großbritanniens beste Schauspielerin" gefeiert. 1982 veröffentlichte sie das Buch "No Turn Unstoned", eine Sammlung der schlechtesten und am schlechtesten geschriebenen Theaterkritiken. Die Abrechnung mit den Rezensenten, die ihr übel mitgespielt hatten, ist in ihrem bösen Witz wie ein Nachhall der leichenreichen  Film-Horrorkomödie "Theater des Grauens" (1973), in der Diana Rigg die Tochter eines Shakespeare-Schauspielers (Vincent Price) gespielt hatte, der sich von den Kritikern ungerecht behandelt fühlt.

Diana Rigg lebte in Chelsea und in einem französischen Dorf im Département Landes. Sie war mit dem israelischen Maler Menachem Gueffen (1973–1976) verheiratet, später ehelichte sie den schottischen Großgrundbesitzer Archibald Stirling (1982–1990). Aus dieser Verbindung stammt ihre Tochter Rachael Stirling, die ebenfalls als Schauspielerin tätig ist.