John Wayne (1907-1979)
Weil sein erster großer Film, "The Big Trail" 1930 ein Flop wurde, verdingte sich John Wayne ein Jahrzehnt in B-Movies, ehe ihn der große John Ford in "Ringo" (1939) besetzte. Von da an dominierte John Wayne das gesamte Westerngenre – mit Filmen wie "Der schwarze Falke", "Red River" oder "Rio Bravo". Für "Der Marshall" (1969) gewann Wayne einen Oscar als bester Hauptdarsteller. Seine rechte Gesinnung tat er unumwunden in Interviews kund, Schwarze waren für ihn nicht gleichwertig: "Ich glaube so lange an die weiße Überlegenheit, bis die Schwarzen gebildet genug sind, Verantwortung zu übernehmen." Die eigene Überlegenheit stellte er gern so zur Schau: "Ich bin zwar nicht so hübsch wie Gary Cooper, aber verdammt noch mal, ich bin das Zeug, aus dem echte Männer gemacht sind."

Westernstar Clint Eastwood in einer Szene aus "Paint Your Wagon" aus dem Jahr 1969.

- © Paramount Pictures/Courtesy of Getty Images
Westernstar Clint Eastwood in einer Szene aus "Paint Your Wagon" aus dem Jahr 1969.
- © Paramount Pictures/Courtesy of Getty Images

Clint Eastwood (geboren 1930)
Mit 90 ist Clint Eastwood der letzte große, noch lebende Westernstar dieser Liste. Er ist heute mehr als Regisseur aktiv als vor der Kamera. Begonnen hat seine Weltkarriere aber als ruhiger "Mann ohne Namen" in Sergio Leones "Dollar"-Trilogie", die dem Spaghetti-Western der 60er Jahre zum Durchbruch verhalf. Als Ikone des Genres schickte sich Eastwood 1992 an, mit "Erbarmungslos" als Regisseur und als Hauptdarsteller das Westerngenre neu zu erfinden; sein Spätwestern ist wie ein Neubeginn für das Genre gewesen. Eastwood zeichnete einen härteren, weniger mit Klischees durchsetzten Wilden Westen. Aber schauspielerisch galt ihm der Rat seines Schauspiellehrers: "Der sagte immer: Mach nicht irgendwas, sondern stehe einfach hier und tue nichts. Gary Cooper hatte zum Beispiel nie Angst, nichts zu tun."

Gary Cooper (1901-1961)
Gary Cooper ist sozusagen der Ur-Vater der amerikanischen Westernstars, weil er schon mit dem ersten Western-Tonfilm "The Virginian" (1929) berühmt wurde. 30 Jahre lang prägte er das Genre mit seiner lakonischen, zugleich energischen physischen Präsenz. Ein Höhepunkt in seinem Western-Schaffen war "High Noon – Zwölf Uhr Mittags" (1952) von Fred Zinnemann, der vier Oscars gewann und als Subtext eine bittere Abrechnung mit der McCarthy-Ära parat hielt, weshalb Cooper-Kollege John Wayne den Film als "unamerikanisch" zutiefst ablehnte. Zu seinen weiteren legendären Western zählten "Vera Cruz" (1954) und "Der Mann aus dem Westen" (1958). "Ich begann mit dem Filmemachen in der Stummfilmzeit, nahm jeden Job an, den ich kriegen konnte", sagte Cooper, der für seinen Western "The Drug Store Cowboy" (1925) gerade einmal 20 Dollar Gage bekam. Für "Vera Cruz" waren es dann 500.000 Dollar plus zehn Prozent der Einnahmen.

James Stewart (1908-1997)
James Stewart war so etwas wie die perfekte Ergänzung zu Gary Cooper: Ein großer, aufrechter und männlicher Typus, der seine Karriere eigentlich in anderen Genres gemacht hat, etwa in der Romanze "Die Nacht vor der Hochzeit" (1940), für die er seinen einzigen Oscar bekam. Er war einer der Lieblingsschauspieler von Alfred Hitchcock, der unter anderem "Vertigo" und "Das Fenster zum Hof" mit ihm drehte. Aber auch im Western-Genre hinterließ er seine Spuren. Sein erster Western war die Westernmödie "Der große Bluff" (1939) mit Marlene Dietrich, berühmt wurde hingegen seine Kollaboration mit Anthony Mann bei "Winchester 73" (1950). Vier weitere Western später besetzte Mann Gary Cooper in "Der Mann aus dem Westen" (1958), was Stewart so erzürnt haben soll, dass er nie mehr ein Wort mit dem Regisseur wechselte.

Sergio Leone (1929-1989)
Der Italiener gilt als Begründer des Italo-Western. Seine "Dollar"-Trilogie etablierte eine neue Sichtweise auf den amerikanischen Mythos vom Wilden Westen und entfernte sich vom originär historischen Bezug der Western hin zu einem Unterhaltungsgenre, das bald auch von fantastischen und ironischen Zügen geprägt war. Leones Filme in den 1960er Jahren gehören zu den erfolgreichsten Western überhaupt. Erste Filmerfahrungen machte Leone 1951 am Set des Monumentalfilms "Quo Vadis", der in Cinecitta gedreht wurde. Das Drehbuch zur "Dollar"-Trilogie nahm Anleihen bei Akira Kurosawas "Yojimbo" (1961): Leone kopierte dessen Hauptfigur und machte aus dem Samurai einen Westernhelden. Dann engagierte er den bis dahin eher unbekannten TV-Darsteller Clint Eastwood, über den er sagte: "Als Schauspieler hat Clint zwei Gesichtsausdrücke. Den einen mit Hut, den anderen ohne". Der Rest ist Geschichte.

Der Komponist  Ennio Morricone dirigiert in der Unipol Arena in Bologna/Italien im November 2012. - © Roberto Serra, Iguana Press/Redferns via Getty Images
Der Komponist  Ennio Morricone dirigiert in der Unipol Arena in Bologna/Italien im November 2012. - © Roberto Serra, Iguana Press/Redferns via Getty Images

Ennio Morricone (1928-2020)
Er stand zwar nie vor der Kamera, aber seine Musik schuf unendlich viele Western-Charaktere mit: Ennio Morricone, Anfang Juli im Alter von 91 Jahren in Rom verstorben, zählt mit über 500 Scores zu den produktivsten Filmkomponisten aller Zeiten. Legendär ist seine für Sergio Leone geschaffene Musik zu "Spiel mir das Lied vom Tod" (1968), die das Wehklagen einer Mundharmonika auf die Spitze trieb und Charles Bronson damit zu einer Kultfigur des Genres werden ließ. Morricones Werk wird lange Zeit von der Oscar-Academy ignoriert, ehe er nach seinem Lebenswerk-Oscar von 2007 im Jahr 2016 sogar noch einen "echten" Oscar für die beste Filmmusik erhielt – und auch da für einen Western, nämlich für Quentin Tarantinos "The Hateful Eight". Morricone sah sich immer als Diener der Regisseure, für die er arbeitete: "Meine Musik soll sich dem Film unterordnen, darf niemals dominieren. Aber man könnte einen schlechten Film ohnehin nicht mit einem guten Score retten."

John Ford (1894-1973)
Einmal hat man den in Maine geborenen John Ford gefragt, wie er nach Hollywood kam. "Mit dem Zug", gab er nüchtern zu Protokoll, ebenso nüchtern, wie er über seine Filme sprach, darunter viele Meilensteine des Westerngenres – etwa "Höllenfahrt nach Santa Fé" (1939), "Faustrecht der Prärie" (1946), "Rio Grande" (1950), "Der schwarze Falke" (1956) oder "Der Mann, der Liberty Valance erschoss" (1962). Ford zählt bis heute zu den einflussreichsten Regisseuren des US-Kinos. Als Orson Welles seinen ersten Film "Citizen Kane" (1941) vorbereitete, wurde er gefragt, wer seine drei liebsten Regisseure seien. Welles antwortete: "John Ford, John Ford und John Ford." Zählt man seine beiden Oscars für seine Kriegsdokus mit, hält Ford bei rekordverdächtigen sechs Trophäen.

Henry Fonda in Film "Firecreek" aus dem Jahr 1968. Regisseur war Vincent McEveety.

- © Silver Screen Collection/Getty Images
Henry Fonda in Film "Firecreek" aus dem Jahr 1968. Regisseur war Vincent McEveety.
- © Silver Screen Collection/Getty Images

Henry Fonda (1905-1982)
"Ich hoffe, Sie werden nicht enttäuscht sein. Ich bin keine sehr interessante Person. Ich habe nie etwas anderes getan, als andere Menschen zu sein. Ich bin nicht wirklich Henry Fonda!", sagte Henry Fonda über sich selbst. Und doch nützt dieses Tiefstapeln nichts: Henry Fonda gehört zu den größten Filmlegenden aller Zeiten. Für das Western-Genre war er in mehrfacher Hinsicht bedeutend: Er war Wyatt Earp in John Fords "Faustrecht der Prärie" (1946), spielte in "Jesse James" (1939) und "The Return of Frank James" (1940) sympathische Gesetzlose und wurde zum kaltblütigen Mörder in Leones "Spiel mir das Lied vom Tod" (1968). Leone liebte Fonda vor allem in Totalen und in extremen Nahaufnahmen und schuf so für diesen Film eine ganz eigene, kontrastreiche Bildsprache.

Michael Cimino (1939-2016)
Der Regisseur galt nach seinem Film "Die durch die Hölle gehen" (1978) als neues Wunderkind in Hollywood, doch schon sein darauffolgendes Projekt schien das Western-Genre endgültig zu Grabe zu tragen: Der Misserfolg des Spätwesterns "Heaven’s Gate" (1980) war derartig gigantisch, dass sich das Studio United Artists davon finanziell nicht mehr erholte. Der Film wurde zum bis dahin größten Flop der Filmgeschichte. Schon im Vorfeld wurde er wegen immenser Produktionskosten auch von der Presse heruntergeschrieben, eine heutige Bewertung zeigt aber, wie unrecht man dem ursprünglich fünfstündigen Epos tat. Hinter seinem Werk stand Cimino jedoch zeitlebens, wie er der "Wiener Zeitung" 2015 verriet: "Ich habe nie versucht, jemanden zu kopieren. Es gibt viele Regisseure, die das tun. Sie klauen sich berühmte Filmszenen zusammen und möchten daraus patchworkartig einen neuen Film konstruieren. Solche Filme altern am schnellsten."