Es ist vielleicht nicht die richtige Zeit, sich Gedanken über Malaria zu machen, wenn die ganze Welt unter der Corona-Pandemie stöhnt, aber vielleicht ist es gerade deshalb so wichtig, es jetzt zu tun. Die Wiener Dokumentarfilmerin Katharina Weingartner hat für "Das Fieber" (derzeit im Kino) jedenfalls den Kampf gegen Malaria in Ostafrika eingefangen, und zwar deshalb, weil man anhand dieser Krankheit auch sieht, wie die internationalen Verstrickungen der Pharma-Industrie massiv in die Ausprägung solcher Krankheiten eingreift.

"Malaria ist jene Krankheit, deren Erreger mehr Menschen getötet hat, als alle Kriege und Krankheiten zusammen", sagt Weingartner. "Nun brachte Covid-19 die Welt zum Stillstand, aber der Malaria-Parasit wütet unbeachtet weiter: Als Folge des Lockdowns wird er südlich der Sahara eine Million Menschen töten - doppelt so viele wie sonst Jahr für Jahr".

Chinesische Heilpflanze

Weingartners Film arbeitet nun akribisch heraus, dass man dem Erreger zwar beikommen könnte, und zwar mit der Hilfe einer aus China stammenden Heilpflanze, dass allerdings auch andere Interessen als bloß die Heilung mitmischen: So würden Pharmakonzerne um ihre Profite fürchten. "Großspender wie die Gates Stiftung propagieren kommerzielle High-Tech-Lösungen. Sie wollen koloniale Muster fortschreiben und sich am geplünderten Kontinent weiter bereichern", so Weingartner. Und auch die WHO sei längst meilenweit davon entfernt, an einer echten Lösung mitzuarbeiten.

Das Kraut, das gegen Malaria helfen soll, heißt Artemisia annua. "Als Malariaprophylaxe habe ich Artemisia annua schon 2005 beim Drehen in Ghana verwendet. Man sagt, es sei der Grund dafür, dass Vietnam den Krieg gewonnen hätte. Wenn das stimmt, ist das ein Filmstoff, dachte ich mir. Und hatte keine Ahnung, wohin mich diese Spur führen würde", so Weingartner.

Konkret folgt die Regisseurin im Film vier Protagonisten aus Ostafrika: Eine alleinerziehende Mutter von drei Kindern führt eine kleine Klinik in ihrer Heimatstadt. Sie arbeitet unnachgiebig an der Verbreitung des Wissens über Artemisia annua. Ein Professor für Biologie an der Universität in Nairobi versucht, lokale Mittel gegen Malaria zu finden, er ist allerdings zuweilen resignativ: "Wir sind nichts als Feldarbeiter und Lastenträger. Es ist eine Form des Neokolonialismus", sagt er im Film. Ein Pharmakologe aus Uganda leitet eine klinische Studie zur Wirksamkeit von Artemisia-Tee und fand heraus, dass der Tee die Malaria-Fälle um 85 Prozent reduziert. "Er könnte also Millionen Leben retten, allerdings nur, wenn Pharmakonzerne aufhören würden, die WHO unter Druck zu setzen und Artemisia-Tee zu verbieten", sagt er. Ein Lehrer aus Kenia wiederum bringt auf den Punkt, wieso sich auch in der Bevölkerung nichts bewegt: "Wir haben nicht genug zu essen. Viele Kinder leiden an Malaria, aber ihre Eltern ziehen es vor, das Geld für Essen auszugeben, anstatt sie ins Krankenhaus zu bringen", sagt er.

Katastrophe im Anmarsch

Natürlich gibt es auch die Sichtweise der Pharmaindustrie, wie Weingartner erläutert: "Artemisia ist ein weltweit verwendetes Heilkraut, das in China immer schon vielseitig eingesetzt wurde. Es gibt in ganz Afrika ein eng verwandtes Malariamittel, Artemisia afra. Es wächst im Grunde an jedem noch so kargen Ort. Wie die Kräuterexpertin Rehema Namyalo im Film sehr eloquent erläutert, ist Artemisinin nur einer von 240 Wirkstoffen in Artemisia annua. Die Parasiten, die den Kontakt mit der Substanz überleben, werden resistent, weil sie nur diesem einen Wirkstoff ausgesetzt sind. In den Artemisinin-Kombinationspräparaten wie Coartem sind es zwei. Das ist für den Malariaparasiten ein Kinderspiel", so Weingartner. Der Hersteller Novartis wisse von der Problematik und spiele diese bewusst herunter, so die Regisseurin. "Die WHO behauptet, es gäbe in Afrika noch keine Resistenzen, und wenn, dann würde der Artemisia-Tee diese hervorrufen. Das ist wissenschaftlich nicht nachweisbar und nach unseren Recherchen und Interviews ein kompletter Blödsinn". Weingartner warnt in diesem Zusammenhang bereits vor einer "medizinischen Katastrophe".

Besonders ins Visier gerät im Film Milliardär Bill Gates: "Lange wollten wir mit Bill Gates ein Interview machen. Er und sein Philanthrokapitalismus sind die heimlichen Herrscher der Malariawelt. Als größter privater Spender der WHO bestimmt er inzwischen die globale Gesundheitspolitik - das sind antidemokratische Zustände", findet Weingartner. Stattdessen fokussiert "Das Fieber" auf die Menschen, die mit Malaria leben müssen: "Sie verdienen die Aufmerksamkeit bei ihrem täglichen Kampf gegen die Krankheit."