In Milliarden von Haushalten werden darin tagtäglich die Mahlzeiten gebraten. Gefühlskalte Menschen, die stolz auf diese Eigenschaft sind, benutzen sie gerne als Synonym dafür, gegen jeden Anwurf immun zu sein: Seit den 1960er Jahren erleichtern Teflonpfannen unser Leben, weil an ihnen einfach nichts haften bleibt und man dank dieses wasser- und ölabweisenden Kunststoffes daher beinahe fettfrei braten kann, oder auch: Makeup imprägnieren, Teppiche versiegeln, Gefäßprothesen herstellen, mit Gore-tex Jacken im Winter trocken bleiben oder Rasierklingen und Gitarrensaiten beschichten.

Teflon ist einfach überall, leider auch in uns: In den Blutproben von 99 Prozent aller Menschen sei der Stoff nachweisbar, das sagt Todd Haynes‘ neuer Film "Vergiftete Wahrheit". Darin zieht ein Anwalt gegen den US-Chemiekonzern DuPont, dem Hersteller von Teflon, zu Felde, mit dem Ziel: Geschädigte von Chemieabfällen aus den DuPont-Werken zu entschädigen. Und davon gibt es viele.

Das alles ist natürlich keine Fiktion, sondern beinharte Realität: 1998 verklagte ein Farmer aus West Virginia den Chemiekonzern, weil seine 190 Kühe nach und nach qualvoll verendeten, an Krebs, an aufgequollenen Organen, mit eingefallenen Augen und schwarzen Zähnen. Die Bilder davon waren grausam, und als DuPont über den Anwalt Robert Bilott (Mark Ruffalo) Wind von der Klage bekommt, da will man den Fall schnell herunterspielen, was auch gelingt, obwohl neben des Bauern Grund eine Giftmülldeponie von DuPont liegt, und die saure Suppe munter ins Grundwasser und in den lokalen Fluss läuft.

Es dauert 20 Jahre, bis dem Klagen dieses Farmers ein Funken an Gerechtigkeit widerfährt, denn der Chemiekonzern ist nicht zur Kooperation bereit. Immerhin ist DuPont ein US-Vorzeigeunternehmen, der größte Arbeitgeber in vielen Regionen und auch: offiziell sauber, denn die Grenzwerte werden allerorts eingehalten. Allein: Für C-8, ein Kernbestandteil in der Teflonbeschichtung, gelten damals gar keine Obergrenzen, was die Vernichtung des Giftmülls natürlich einfach macht.

Missbildungen, Krebs und aufgequollene Organe

Aber dann kommen die Missbildungen bei den Neugeborenen: Sie haben nur ein Nasenloch und ein hängendes Auge. Viele Menschen in der Region bekommen Krebsgeschwüre, Leberschäden, Nierenprobleme, schwarze Flecken auf der Haut. Die Chemikalie ist auch im Trinkwasser, und endlich wird eine Sammelklage angestrengt.

Doch auch da haben DuPont und seine Anwälte die Chuzpe, sich vor der Verantwortung zu drücken. Noch schlimmer: Man wusste bei DuPont nachweislich seit den 60er Jahren, durch interne Untersuchungen mit Ratten und Menschen (!), dass die Teflon-Chemie dem Menschen schweren Schaden zufügen kann. All das erzählt der Film mit großem Engagement, Todd Haynes und sein Kameramann, der legendäre Ed Lachman, gießen diesen Umwelt- und Gesundheits-Gerichtsthriller in düstere, schwere, farbentleerte Bilder, die der Gefahr dieser Chemie visuell entsprechen. Anne Hathaway in der Rolle von Bilotts Ehefrau bleibt hier eher blass, gute Akzente setzt Tim Robbins als Kanzleichef des Anwalts.

Alle in den Schatten stellt freilich Mark Ruffalo als engagierter, bis zur Selbstaufgabe arbeitender Anwalt, der erst am Ende seiner 20-jährigen Recherchen einen Hoffnungsschimmer sieht: DuPont beginnt, einzelne Kläger zu entschädigen, insgesamt fließen rund 670 Millionen US-Dollar an mehr als 3800 Geschädigte.

Der Gewinn einer Jahresproduktion im Geschäftsfeld Teflon beträgt eine Milliarde. Jedes Jahr.

Als Schuldeingeständnis, einen Chemieskandal verursacht zu haben, sieht DuPont die Zahlungen freilich nicht, die Anschuldigungen prallen an der Firma ab wie Wasser in ihren Pfannen. In einem zweiseitigen Statement entgegnete man den Anschuldigungen des Films: "Wir sind nicht die Firma, die hier porträtiert wird", heißt es. Man wolle die künstlerische Freiheit ja nicht einschränken, aber der Film enthalte viel Fiktion und absichtliche Fehleinschätzungen der Faktenlage.

Es ist vielleicht jetzt der Zeitpunkt, sein Repertoire an Teflon-Pfannen zu entsorgen und sich wieder simplen Stahl auf den Herd zu stellen.