Wien. "Wir haben uns auf das Wesentliche des Festivals konzentriert: die Filme." Kurz und knapp stand diese Devise am Beginn der diesjährigen Programmpräsentation der Viennale, die von 22. Oktober bis 1. November stattfinden soll - um drei Tage kürzer als sonst, um fast die Hälfte der Filme schlanker, dafür um fünf Kinosäle reicher, um genügend Vorstellungen anbieten zu können, damit die Wiener Filmfans trotz Corona die Möglichkeit haben, die von Viennale-Direktorin Eva Sangiorgi ausgewählten Filme zu sehen. Das Angebot geht deutlich über die bisherigen Viennale-Spielorte Gartenbau, Urania, Metro, Künstlerhaus und Filmmuseum (wo die Retrospektive läuft) hinaus: "Dieses Jahr schlossen sich Admiralkino, Blickle Kino, Filmcasino, Le Studio Film und Bühne c/o Studio Molière und Votiv Kino unserer Initiative an, um zusätzliche Wiederholungsvorstellungen zu ermöglichen und das Viennale-Erlebnis auf weitere Teile der Stadt auszudehnen", sagt Eva Sangiorgi.

Der Rest ist ausgeklügelte Planung: "Wir haben darauf bestanden, die Viennale als Präsenzveranstaltung zu organisieren, da unser Festival vor allem eines für das Publikum und die Stadt ist", sagt Sangiorgi. "Ein Virus hat die Art und Weise umgekrempelt, wie wir miteinander umgehen und kommunizieren, insbesondere wie wir unsere Räume beleben und wie wir in diesen Räumen leben. Doch das Konzept der sozialen Distanz ist irreführend; zwar mag aus gesundheitlichen Gründen ein interpersonaler Abstand empfehlenswert sein, ganz sicher nicht aber eine Zunahme der Diskrepanzen in unserer Gemeinschaft. Also haben wir ein Protokoll entwickelt, das den Zugang zu den Vorführungen unter Einhaltung der Sicherheitsmaßnahmen erlaubt."

Neues von Mads Mikkelsen und Andrei Konchalovsky

Inhaltlich wird sich die Viennale wie immer an den Festival-Orten der großen Schauen orientieren, doch Cannes ist heuer bekanntlich entfallen, dennoch wird es hier einige Arbeiten geben, die dort hätten gezeigt werden sollen. Etwa "Druk - Another Round", das Trinkerdrama von Thomas Vinterberg mit Mads Mikkelsen, oder "Été 85", ein Jugend-Sex-Drama von Francois Ozon. Außerdem stehen die neuen Arbeiten von Filmemachern wie Frederick Wiseman, Kelly Reichardt, Gianfranco Rosi, Miranda July, Jasmila Zbanic, Philippe Garrel, Tsai Ming-liang, Eliza Hittman, Thomas Vinterberg, Lav Diaz und Andrei Konchalovsky auf dem Spielplan - die meisten davon holte Sangiorgi von den Filmfestivals Berlinale und Venedig nach Wien. Mit dabei sind auch die Gewinnerfilme dieser Festivals: "Sheytan vojud nadarad" von Mohammad Rasoulof (Goldener Bär, Berlin) und "Nomadland" von Chloé Zhao (Goldener Löwe von Venedig). Als Eröffnungsfilm steht mit "Miss Marx" am 22. Oktober ein Bio-Pic über die Tochter von Karl Marx auf dem Programm. Abseits des Hauptprogramms sind Sonderreihen über Christoph Schlingensief, Zelimir Zilnik oder Isabel Pagliai geplant, die Retrospektive im Österreichischen Filmmuseum in der Albertina widmet sich dem Found-Footage-Kino. Auf jegliche Rahmenveranstaltungen muss man bei der diesjährigen Viennale völlig verzichten: Weder der Eröffnungsempfang im Rathaus noch das Lusthausfest im Prater oder die täglichen Clubbings in der Viennale-Zentrale können stattfinden.