Das 15-jährige Mädchen, dass sich 2018 einfach so auf die Straße setzte, um auf den Klimawandel aufmerksam zu machen, ist von vielen belächelt worden, ehe es einen globalen Siegeszug über die Medien antrat, der es weltberühmt machte: Greta Thunberg, damals (vermeintlich) noch ganz alleine als Demonstrantin unterwegs, hat eine Bewegung losgetreten, der inzwischen weltweit Millionen Menschen angehören, um gegen den Klimawandel zu kämpfen. Das ist die offizielle Geschichte, und es ist auch eine Erfolgsgeschichte, zu der man gratulieren muss. Denn ganz abgesehen davon, dass Thunberg gelungen ist, für die Umweltprobleme zu sensibilisieren (und in ihrer Vehemenz auch: im Ausdruck darüber zu radikalisieren), ist es zweifellos auch ihr Verdienst, dass das Thema - sogar trotz Corona - nicht mehr aus den täglichen Schlagzeilen wegzudenken ist.

Dementierte Gerüchte

Greta Thunberg stand aber bald auch in der Kritik, weil man sie als die Marionette ihrer Eltern bezeichnet hat, die durch ihren Autismus besonders unter der Problematik leide und zugleich die Weltöffentlichkeit genau dadurch nachhaltig beeinflussen könne. Gerüchte, die Thunberg mehrfach dementiert hat: Sie sei kein Produkt ihrer Eltern (oder: eben nur das biologische), und die Reden, die sie vor den Großkongressen dieser Welt gehalten hat, vor den Vereinten Nationen, vor Parlamenten oder auf Demos, sie entstammten auch allesamt ihrer Feder, wie sie nicht müde wird, zu versichern.

"I Am Greta" von Regisseur Nathan Grossman unternimmt nun den Versuch, das Phänomen Greta gewissermaßen auf den Punkt zu bringen. Grossman ist der schwedischen Schülerin schon bei ihren ersten Protesten gefolgt, zeichnet ihren Weg zur globalen Identifikationsfigur Schritt für Schritt nach und gibt auch Einblick in die Denkweise der Aktivistin und wie sie sich mit ihrer eigenen Befindlichkeit zunehmend arrangieren muss, weil die Last einer weltweiten Berühmtheit und auch all die Anfeindungen schwer auf ihrer Psyche sitzen. Bei der berühmt gewordenen Atlantik-Überquerung zum UN-Hauptquartier auf einem Segelboot bricht es für Grossmans Kamera aus Thunberg heraus: Unter Tränen spricht sie vom Druck, der immer stärker wird und kaum mehr zu schultern ist.

Ein Film also, der sich bemüht, dem Phänomen gerecht zu werden, oder: es zu erläutern. Aber ist er das wirklich? Steckt dahinter vielleicht eine am Reißbrett entworfene Kampagne, die wohl kaum von einer 15-jährigen Schülerin ersonnen worden sein kann?

Protest am Reißbrett

Denn wieso ist Grossman schon mit seiner Profikamera dabei, wenn Greta Thunberg das allererste Mal in den Schulstreik geht und ganz alleine demonstriert? Es gab zu dieser "Doku" also ganz offenbar ein ziemlich genaues Drehbuch, was wiederum an der zufälligen Dynamik, die die weltbekannt gewordene, jugendlich ungestüme Schülerin ausgelöst hat, Zweifel erweckt. Alles sieht eher nach einer Kampagne aus, die reißbrettartig geplant ist, mit Greta Thunberg als Gesicht und einer ausgefeilten Dramaturgie.

Das ändert nichts an der Sache, für die Thunberg kämpft, denn das Thema ist dringlich; hinterfragt werden darf aber das "Wie", wenn das "Movement" am Ende doch nicht nur eine einzige Schülerin losgetreten hat, sondern eine Art Company, die für ihr Vorhaben eine Detail-Planung wie in einem Businessplan angefertigt hat. Aber Revolutionen lassen sich in der Regel nicht planen, das widerspricht ihrem Charakter. Dass der Film darauf keinen Bezug nimmt, ist klar: Er will die unglaublich engagierte Greta Thunberg feiern, und das gelingt ihm auch - er verrät durch seine Machart allerdings auch, dass dieses Mädchen mit all ihrer Vehemenz nicht die alleinige Urheberin ihrer Aktionen ist.