Seine darstellerische Bandbreite ist enorm: Von "Kommissar Rex" im Fernsehen über einen Österreichischen Filmpreis für das Polizeidrama "Cops" bis hin zu seinen Auftritten am Burgtheater und im Berliner Ensemble - Schauspieler Laurence Rupp hat so ziemlich alle Spielformen des Berufs durch. "Und jetzt kommt noch Netflix hinzu", lacht der gut gelaunte 33-jährige Wiener. "Netflix, das bedeutet noch einmal eine ganz andere Dimension."

Was Rupp damit meint, ist in seiner ersten Netflix-Serie deutlich zu sehen: In "Barbaren" (ab 23. Oktober abrufbar) wird in sechs Folgen mit viel Aufwand ein Konflikt zwischen germanischen Stämmen und der römischen Armee nachgezeichnet. Eine Materialschlacht, die sich in vielen Stunts, tollen Actioneinlagen und viel Atmosphäre niederschlägt - und sichtlich budgetär in einer Liga spielt, bei der "normale" TV-Sender wohl nicht mitkönnten.

Schauspieler Laurence Rupp ist Teil des Ensembles. - © Netflix
Schauspieler Laurence Rupp ist Teil des Ensembles. - © Netflix

Im Jahre 9 nach Christus schließen sich mehrere germanische Stämme zusammen, um ihrem übermächtigen Feind die Stirn zu bieten: Bislang hatten die Römer leichtes Spiel mit den Germanen, weil dort selbst die Stämme untereinander verfeindet waren. Die Schlacht im Teutoburger Wald wird jedoch die Geschichte Europas verändern.

Römer gegen Germanen

Im Zentrum der Handlung stehen die cheruskische Fürstentochter Thusnelda (Jeanne Goursaud) und der einfache Krieger Folkwin (David Schütter), die im Geheimen ein Paar sind. Die römischen Besatzer unter Statthalter Varus (Gaetano Aronica) setzen auf den Zank unter den "Barbaren" und sind wahrhafte Berserker. Thusnelda und Folkwin beschließen, auf eigene Faust zu handeln und das Imperium in einer verwegenen Nacht-und-Nebel-Aktion zu demütigen. Um die Schande zu rächen, sendet der römische Statthalter seinen Ziehsohn aus. Doch der junge römischer Offizier (Laurence Rupp) hat ein Geheimnis, das ihn eng mit Thusnelda und Folkwin verbindet.

Eine spannende Geschichtsstunde also, die uns - so Laurence Rupp - auch vieles für die Gegenwart lehrt: "Das Thema kreist um eine übermächtige Nation, der eine schwächere Nation gegenübersteht. Das sehen wir doch heute überall auf der Welt, wenn sich die Mächtigen gegenüber kleineren stark machen, weil sie so maßlos überzeugt sind von ihrer Ideologie", sagt Rupp. "Die Arroganz , die die Römer gegenüber den kleineren Völkern an den Tag legten, die sie eroberten und unterjochten, ist unglaublich stark, und dasselbe sieht man heute auch bei den Großmächten dieser Welt. Jedoch geschieht vieles subtiler: Heute droht man nicht mehr mit Krieg, sondern mit Embargos oder Zöllen. Es haben sich die Waffen geändert, aber der Krieg in Wahrheit nicht."

Laurence Rupp ist übrigens nicht der einzige österreichische Beitrag zu "Barbaren". Hinter der Kamera von vier der sechs Folgen führte Barbara Eder Regie. Die 1976 in Eisenstadt geborene Regisseurin drehte bislang Kinofilme wie "Inside America" (2010) oder "Wiener Blut" (2019), ehe sie der Anruf von Netflix ereilte. Sie lobt die Entschlossenheit des Streamingdienstes: "Ich war überrascht, dass man mich anrief. Und zwar aus dem einen Grund, dass man als Frau solche Angebote so gut wie nie erhält. Ein Stoff wie ‚Barbaren‘ ist eigentlich eine klare Männerdomäne: martialisch, urgewaltig, sehr körperlich. Dass man mich nicht nur ansprach und sich mit mir traf, sondern mir dann tatsächlich die Regie übertrug, hätte ich mir nie träumen lassen."

Eder legte den Fokus weniger auf das Schlachtenepos, sondern auf die Lebensrealität von damals. "Mich hat die Welt der Germanen fasziniert; dieses Naturverbundene; das menschliche Chaos verschiedenster Stämme, die sich spinnefeind sind und für sich sein wollen; diese Kultur, die mich überrascht und fasziniert hat; die Mystik dahinter, der Götterglaube, dass ein Baum eine Seele hat. Diesen Germanen stehen die Römer gegenüber, die so rigide und reglementiert sind. Ein starker Kontrast", sagt Eder.

Historisch akkurat

Um alles so akkurat wie möglich in einen Film umzusetzen, scheute man bei Netflix keine Mühen, authentisch zu sein. "Es gibt Aufzeichnungen darüber, wie man damals sprach, wie man sich bewegte und wie man aß. Von den Römern ist das gut dokumentiert, aber die Germanen hatten keine schriftlichen Aufzeichnungen, daher ist nicht ganz so viel überliefert. Aber vieles, was die Wissenschaft erforscht hat, ist auch in die Serie eingeflossen", so Rupp.

Die Atmosphäre, die "Barbaren" aufbaut, entlädt sich am Ende in einer spektakulären Schlacht. "Es ist eine imposante Serie geworden", sagt Barbara Eder. "Sie ist spannend, die Bilder sind sehr schön." Das klingt ganz danach, als wäre es nicht die letzte Zusammenarbeit der Regisseurin mit dem großen Streaming-Dienst gewesen.