Als die junge Jüdin Helena Citron nach Auschwitz deportiert wurde, war sie eine der ersten tausend Frauen, die in das Lager kamen. Ihrem Liebreiz und ihrer betörenden Singstimme konnte man schwer widerstehen, darüber sind sich alle Zeitzeuginnen, die die israelische Regisseurin Maya Sarfaty in ihrem Dokumentarfilm "Liebe war es nie" zu Wort kommen lässt, einig. Und so kam es, dass Helena bald die Aufmerksamkeit des SS-Unterscharführers Franz Wunsch erregte. Ein Mann, der Lagerinsassen brutal verprügeln ließ, wurde in Helenas Hand weich wie Butter. Die beiden führten zweieinhalb Jahre lang eine sexuelle Beziehung im Lager, und als Helena an Typhus erkrankte, bewahrte Wunsch sie vor der Ermordung. Auch ihre Schwester Roza konnte Wunsch retten (nicht aber deren beide Kinder). 1972, als man Wunusch in Wien den Prozess machte, reiste Helena Citron an, weil sie zu seinen Gunsten aussagen sollte. Sie tätigt abwägende Aussagen, Wunsch wird freigesprochen. Eines Blickes würdigt sie ihn nicht.

"Liebe war es nie" taucht tief ein in diesen Lebenskosmos, der ein Schicksal, geprägt durch die KZ-Haft, nacherzählt. Sarfaty tut dies mit Sorgfalt und Mühe, was der Dramaturgie nicht immer nützt. Die wahren Erkenntnisse liegen hier allerdings in den oftmals ungesagten Zwischentönen.