Anjelica Huston traumatisierte als Oberhexe Anfang der 90er in der Roald-Dahl-Filmadaption von "Hexen hexen" wohl eine ganze Generation an Kindern. Wenn nun Anne Hathaway unter der Regie von Robert Zemeckis sich in die kinderhassende Antagonistin verwandelt, dann wird dieser Fall eher nicht eintreten.

Zemeckis und die Drehbuchautoren Kenya Barris und Guillermo del Toro, von dessen düster-fantastischen Welten hier wenig zu spüren ist, verlegen die Handlung von der englischen Küstenstadt Bournemouth ins Alabama der 60er Jahre. Ein Waisenjunge (Jahzir Kadeem Bruno), der bei seiner Großmutter (Octavia Spencer) lebt, macht seine erste Bekanntschaft mit einer Hexe. Die Großmutter warnt ihn - alle Hexen hassen Kinder.

Um dieser zu entkommen, steigen die beiden in einem schicken Hotel ab, denn wie Großmutter sagt: "Hexen lauern armen Menschen auf, weil die niemand vermisst." Dies ist eine von mehreren Andeutungen der Geschichte auf ihre Verankerung im schwarzen, diskriminierten Süden der USA. Der Film traut sich jedoch nie, diese Ideen wirklich vollständig zu entfalten.

Der Junge und die Großmutter stolpern im Hotel unglücklicherweise in den alljährlichen Hexenkongress. Nachdem die Oberhexe - eine groß aufspielende Hathaway entpuppt sich als eines der besseren Elemente des Films - den Jungen in eine Maus verwandelt hat, versucht dieser die Hexen mit ihren eigenen Mitteln zu schlagen. Zemeckis hetzt dabei von einer Szene zur nächsten, lässt den Figuren und der Handlung kaum Raum, Spannung aufzubauen.

Zudem bügelt das Skript wiederholt die düsteren Elemente der Vorlage aus. Diese Weigerung, inhaltlich anzuecken und die Abwesenheit von Dahls perfidem schwarzen Humor machen den Film letztendlich zu einer fantasielosen Nummer, die weder Kinder noch ihre horrorbegeisterten Eltern ansprechen wird. In einer Sache hätte Roald Dahl jedoch seine Freude gehabt - das Ende der Geschichte ist näher dran an seiner Version als der Film von 1990.