Die Erwartungen an Ethan Hawke waren schon immer riesig. "Es ist kein Tschechow, aber es ist ein Anfang", sei die Reaktion seiner Mutter, die ihn mit 18 bekommen hatte, auf seinen Debütroman "Hin und Weg" gewesen, erinnerte sich Hawke jüngst in einem Interview. "Zwischen den Zeilen heißt das, dass es in Ordnung ist, zu versuchen, ein großer Schriftsteller wie Anton Tschechow zu werden, denn wenn niemand es versucht, dann wird es auch keiner."

Hawke, der am Freitag, den 6. November, 50 Jahre alt wird, versucht es seit Jahrzehnten immer und immer wieder - ob als Schriftsteller, Schauspieler oder Regisseur. "Mit seiner Ernsthaftigkeit, seiner Hingabe und seiner Aufrichtigkeit - genau den Eigenschaften, die ihm am Anfang Spott eingebracht haben - hat er dabei über die Jahre die Kritiker in die Knie gezwungen", urteilte vor kurzem die "New York Times".

Den geraden Weg ist Hawke nie gegangen. Den Durchbruch feierte der 1970 im texanischen Austin geborene Schauspieler schon als Teenager an der Seite von Robin Williams in "Der Club der toten Dichter" 1989. Auch "Wolfsblut" wurde kurz danach ein riesiger Erfolg, und der junge Schauspieler bekam auf einmal dutzende Rollenangebote. Aber Hollywood lockte Hawke nicht, lieber nahm er das frisch verdiente Geld und gründete damit eine Theatergruppe in New York, so wie er später Superhelden-Filme absagte und lieber in kleinen Produktionen mit gefeierten Regisseuren mitspielte.

Zwei Oscar-Nominierungen

"Ethan wurde alles in Hollywood angeboten, aber er sprach mit einem Indie-Typ darüber, nach Wien zu gehen und einen Film für kein Geld mit einem sehr geringen Budget zu machen, von dem er dachte, dass er wahrscheinlich nicht funktionieren und nur unter sehr großen Anstrengungen zu einem Film zu machen sein würde", sagte Regisseur Richard Linklater, der Hawke unter anderem in "Boyhood" und der "Before"-Trilogie besetzte. Millionen Fans weltweit verehren Hawke gerade deswegen, aber - wie Linklater sagt: "In Hinblick auf Hollywood hat Ethan ziemlich viel Ruhm abgelehnt."

"Das ist der größte Konflikt meines Lebens, um ehrlich zu sein", sagt Hawke. "Ich weiß nie genau, wie sehr ich die Schlange füttern muss. Immer wenn ich versucht habe, Geld zu machen, ist es fehlgeschlagen. Ich habe diesen Horrorfilm mit Angelina Jolie gemacht - "Taking Lives – Für Dein Leben würde er töten" - und gedacht, der würde ein großer Hit werden, aber es war furchtbar. Immer wenn ich meinem Herzen gefolgt bin, lief es dagegen gut."

Scheidung von Uma Thurman

Zu seinen größten Erfolgen zählen neben den Linklater-Kooperationen Filme wie "Reality Bites - Voll das Leben", "Gattaca", "Große Erwartungen" und "Training Day". Zuletzt war er unter anderem als Wissenschaftler Nikola Tesla in der gleichnamigen Filmbiografie zu sehen. Zwischen Film und Fernsehen kehrt Hawke auch immer wieder auf die Theaterbühne zurück.

Privat sorgte Hawke vor allem Anfang der 2000er mit seiner Scheidung von Schauspielkollegin Uma Thurman für Schlagzeilen. Die beiden hatten sich am Set von "Gattaca" kennengelernt, 1998 geheiratet, zwei Kinder bekommen und galten als eines der Traumpaare der Filmwelt. Doch dann kamen Gerüchte über eine Affäre Hawkes mit dem Kindermädchen auf. "Ich nenne sie die schwarzen Jahre", sagt Hawke, der sich damals für einige Zeit ins legendäre Chelsea Hotel zurückzog, heute. "Es war wahnsinnig schwierig." Die Ehe mit Thurman wurde 2004 geschieden, vier Jahre später heiratete Hawke das frühere Kindermädchen und bekam mit ihr zwei weitere Töchter. Die Familie lebt heute im New Yorker Stadtteil Brooklyn. Tochter Maya aus erster Ehe ist inzwischen auch erfolgreiche Schauspielerin.

Zweimal wurde Hawke schon für einen Oscar nominiert, mehrere kleinere Ehrungen hat er schon bekommen - aber die ganz großen Preise lassen weiter auf sich warten. Dass er den Oscar für "Training Day" 2002 nicht bekommen habe, sei aber eigentlich gut gewesen, habe ihm Denzel Washington damals gesagt, erinnert sich Hawke. "Er sagte: "Du willst das nicht so gewinnen. Warte, bis sie ihn dir geben, weil sie müssen. Warte, bis du gewinnst, weil deine Arbeit es verlangt." (dpa/apa)