Um ein Haar hätte Sean Connery die Weltkarriere, die er gemacht hat, gar nicht gemacht. Dann nämlich, wenn die Produzenten der Bond-Filme, Albert R. Broccoli und Harry Saltzman, sich 1962 bei ihrer Suche nach einem geeigneten Darsteller für David Niven entschieden hätten. Oder für Cary Grant. Oder auch für Roger Moore, der schon zu Beginn der Filmreihe auf der Besetzungsliste ganz weit oben stand.

Connery stand auch auf dieser Liste, aber eher weiter unten. Der damals 31-jährige, athletische und großgewachsene Schauspieler war noch gänzlich unbekannt, die Rolle als James Bond in "Dr. No" machte ihn aber über Nacht zum Star - und das gegen den Willen von Bond-Erfinder Ian Fleming, für den Connery zu flegelhaft und verwildert aussah. Sein Agent sollte doch Klasse haben.

Sean Connery als James Bond in "Sag niemals nie" (1983) - © afp/apa
Sean Connery als James Bond in "Sag niemals nie" (1983) - © afp/apa

Sean Connery bewies schnell, wie man einen Actionhelden mit Klasse spielt. Die teuren Anzüge, die man ihm auf den Leib schneiderte, verwandelten den schottischen Schauspieler in einen Vorzeige-Gentleman, der gar nicht wusste, wohin mit seiner Lässigkeit und seiner Nonchalance. Berühmt sind seine ersten Worte im Spielcasino, als man ihn nach seinem Namen fragt. "Mein Name ist Bond, James Bond", sagt er unter Anzünden einer Zigarette. Eine Karriere als Sexsymbol und smartester Actionheld aller Zeiten war geboren.

"Habe Bond gern gespielt"

"Ich habe James Bond immer gern gespielt, ich habe diese Figur nie gehasst, wie die meisten geglaubt haben", sagte Connery einmal. "Ich meine, es gehört schon auch ein gewisses Können dazu, eine solche Figur zu erschaffen. Aber irgendwann war sie auserzählt, reizte mich nicht mehr. Dann war es Zeit, andere Rollen zu finden".

Für Connery war der Abschied von seiner Paraderolle ein ganz normaler Vorgang - auch, wenn er ihn gleich drei Mal vollzog. Nach fünf Bond-Abenteuern übergab er nach "Man lebt nur zweimal" (1967) die Rolle an den glücklosen Einmal-Bond George Lazenby, dessen "Im Geheimdienst Ihrer Majestät" von 1969 vielen heute als der beste Bond-Film überhaupt gilt. Doch Lazenbys Film floppte damals, und so kam Connery 1971 für "Diamantenfieber" noch einmal zu Agenten-Ehren - ehe der erfolgreiche Roger Moore übernahm. Aber das war noch immer nicht der endgültige Abschied von 007: 1983, Connery war inzwischen 53, kehrte er in dem inoffiziellen Bond-Film "Sag niemals nie" (1983), in dem Klaus Maria Brandauer den Bösewicht mimte, in die Rolle zurück.

Es gibt in Connerys Karriere nur zwei Phasen: Die mit und jene ohne James Bond - was sich gut am Haupthaar des Schotten ablesen lässt. Bereits zu Beginn seiner Karriere musste der Glatzenträger ein aufwendig gestaltetes Toupet anlegen, das robust genug saß, um in den Actionszenen, durch die 007 geht, nicht vom Kopf zu rutschen.

Ein Agent mit Toupet

Das Toupet legte er nach den Bond-Rollen ab und konnte endlich sein Talent als Charakterdarsteller - und schicker Glatzkopf - in den Vordergrund stellen. Nicht umsonst wurde Connery 1999 - mit fast 70 - zum "Sexiest Man Alive" gewählt.

Auch die Rollen wurden im Alter vielgestaltiger. Connery war unter anderen in "Mord im Orient-Express" (1974), "Robin und Marian" (1976), "Time Bandits" (1981) oder "Der Name der Rose" (1986) zu sehen. "Die Unbestechlichen" (1987), für den er als bester Nebendarsteller 1988 seinen einzigen Oscar erhielt, "Jagd auf Roter Oktober" (1990) oder "Das Russland-Haus" (1990) festigten seinen Ruf als sicherer Zuschauermagnet mit Niveau.

 

In "Indiana Jones und der letzte Kreuzzug" (1989) wurde er zum (selbstironischen) Kult-Helden als Vater von "Indy" Harrison Ford, obwohl dieser nur 12 Jahre jünger ist als Connery. "Ich habe immer schon die älteren Herrschaften gespielt, das liegt wohl an der Glatze", sagte Connery. "Die Wiege der Sonne" (1993) und "The Rock" (1996) wurden weitere Kulthits, ehe sich Connery mit "Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen" (2003) von der Leinwand verabschiedete - inzwischen angewidert vom Filmgeschäft, dem er vorwarf, nur mehr Geld für Effekte auszugeben anstatt für gute Geschichten. Unrecht hatte er damit ja nicht.

Stolzer Schotte

Connery, der sich als stolzer Schotte immer für die Unabhängigkeit Schottlands eingesetzt hatte (und sogar ein Schottland-treues Tattoo trug), hat seine Abkehr vom Beruf tatsächlich auch als Pension gesehen, als Ruhestand, den er "so unglaublich schön" fand, wie er gerne gestand. Seine fortschreitende Demenzerkrankung zwang ihn auch, zusehends zurückgezogen zu leben, in den letzten Jahren vermehrt in seiner Wahlheimat Nassau auf den Bahamas, wo er am 31. Oktober mit 90 Jahren im Kreise seiner Familie verstarb.