Eine Nachricht wühlte "Bond"-Fans am Donnerstag auf: Medien meldeten, dass der nächste James Bond doch tatsächlich eine Frau sein werde. Stutzig hätte machen können, dass das schon im längst abgedrehten, heuer mehrfach verschobenen Film der Fall sein soll. Da ist auf Plakaten und im Trailer ziemlich eindeutig Daniel Craig in dieser Rolle zu sehen. Sinnerfassendes Lesen hätte dann auch noch die Erkenntnis gebracht: Schauspielerin Lashana Lynch übernimmt in ihrem Part nicht die Figur, sondern nur den Titel, die Geheimdienstnummer 007, während sich James Bond im Exil befindet. Als Nachfolgerin für Craig, dessen letzter Bond-Film dies sein soll, ist sie nicht vorgesehen. Eine Frau als Bond haben die Produzenten bereits ausgeschlossen: "Wir sollten neue Rollen für Frauen schaffen, anstatt einfach einen Mann in eine Frau umzuwandeln", sagte Barbara Broccoli vor einiger Zeit.

Crowdfunding-Hoffnung

Die "Bond"-Macher haben derzeit ohnehin andere Sorgen. Die Corona-Pandemie hat sie - wie viele andere potenzielle Blockbuster-Produzenten - ausgebremst. "Kommen Sie, Bond! Wo zum Teufel stecken Sie?", fragt M, der Chef des britischen Geheimdienstes, im Trailer zu "No Time To Die" und spricht vielen 007-Begeisterten aus der Seele. Die Warterei ist für einige Fans nicht mehr zu ertragen. Nach der vierten Verschiebung des Kinostarts von "No Time To Die" ("Keine Zeit zu sterben") lancierte die Gruppe "Team Bond" im Internet eine Crowdfundingkampagne. Ihr ambitioniertes Ziel: 607 Millionen Pfund - rund 670 Millionen Euro - an Spenden zu generieren, um die Rechte an dem Actionthriller zu erwerben und ihn vor Weihnachten ins Fernsehen zu bringen. "Bond rettet Weihnachten", so das Motto.

Lashana Lynch. - © afp/Akmen
Lashana Lynch. - © afp/Akmen

Die Summe basiert auf jüngsten Medienberichten. Demnach habe das Studio MGM den Streamingmarkt sondiert und angeblich 600 Millionen Dollar - nicht Pfund, wie von Team Bond avisiert - für den Film verlangt. Doch dieser Betrag scheint unrealistisch, denn der bis dato letzte James-Bond-Film "Spectre" aus 2015 spielte weltweit 880 Millionen Dollar (751 Millionen Euro) ein - und lag damit sogar noch unter den Erwartungen.

"Der Film steht nicht zum Verkauf", stellte jetzt auch ein MGM-Sprecher im US-Branchenmagazin "Variety" klar. Schließlich habe man den Filmstart verschoben, "um das Filmerlebnis für ein weltweites Kinopublikum zu ermöglichen". Die Produzenten Barbara Broccoli und Michael G. Wilson, die seit den 90ern die Geschicke des smarten Geheimagenten leiten, sollen sich ebenfalls klar gegen die Streamingvariante ausgesprochen haben.

Immerhin ein kleiner Hoffnungsschimmer für die Kinobetreiber weltweit. Mit 007 hatten viele die Hoffnung verbunden, dass sich die gebeutelte Branche wieder ein wenig erholt. Die anfängliche Empörung darüber, dass "No Time To Die" dann doch nicht wie zwischenzeitlich geplant am 12. November starten sollte, ist nun dem Entsetzen darüber gewichen, dass ihre Filmtheater komplett geschlossen bleiben müssen. Die Bond-Produzenten sehen sich in ihrer Entscheidung, den Start erneut zu verlegen, bestätigt.

Broccoli und Wilson werden es sich nicht leicht gemacht haben. Die PR-Kampagne für den 25. James-Bond-Film war gerade zum zweiten Mal angelaufen - mit neuem Trailer, Plakaten, Podcasts und dem Musikvideo von Popstar Billie Eilish, die den Titelsong singt. Dazu die üblichen Sponsoringdeals. Doch die Corona-Lage führte schließlich zum Umdenken. Und vielleicht trug auch das enttäuschende Einspielergebnis von Christopher Nolans Blockbuster "Tenet" im Sommer dazu bei.

Nicht die richtige Zeit

"Diese Sache ist einfach größer als wir alle", erklärte Hauptdarsteller Daniel Craig (52) in der "Tonight Show" von US-Moderator Jimmy Fallon. "Wir wollen, dass die Leute den Film auf die richtige Art und auf sichere Weise sehen können. Auf der ganzen Welt sind gerade Kinos geschlossen. Aber wir wollen den Film weltweit zur selben Zeit veröffentlichen. Und jetzt ist nicht die richtige Zeit."

Dass es bei dem neuen Starttermin am 2. April 2021 bleibt, ist angesichts der Unvorhersehbarkeit der Corona-Lage nicht sicher. Als der Film erstmals unter dem Arbeitstitel "Bond 25" angekündigt wurde, sollte er im Oktober 2019 starten. Dann gab es einen Regisseurswechsel, der US-Amerikaner Cary Fukunaga ersetzte den Briten Danny Boyle, und der Start wurde auf Februar 2020 verlegt, dann auf April. Als "No Time To Die" endlich fertig war, brach die Corona-Pandemie aus.

Die Hoffnung einiger Fans, den Film noch vor Weihnachten bei Streamingdiensten wie Netflix, Apple+ und Co. zu sehen, wird sich aller Voraussicht nach nicht erfüllen. Team Bond hatte nach einer Woche jedenfalls auch erst rund 800 Pfund an Spenden gesammelt.(cb/apa)