Wien. Gleiche Chancen, gleiche Rechte, gleicher Lohn - Dinge, die zwischen den Geschlechtern eigentlich längst selbstverständlich sein sollten, es aber bekanntlich nicht sind. Es ist schade, dass es solche Vereine wie "FC Gloria" überhaupt gibt. Geben muss. Aber weil es bei der Behandlung von Frauen eben immer noch so viele Ungleichheiten gibt, braucht es die, die lautstark darauf aufmerksam machen.

Was wäre dafür geeigneter als eine Filmpreisgala, bei der man innerhalb des "FC Gloria"-Frauenfilmnetzwerks Frauen mit einem Preis auszeichnet, für ihre Arbeit an heimischen Filmproduktionen, die immer noch männlich dominiert sind. "Unsere Preisträgerinnen sind Vorbilder, die es in dieser Filmwelt geschafft haben, Großartiges zu leisten", sagt Andrea Pollach, Vorstandsmitglied von "FC Gloria". Einmal gab es die "FC Gloria"-Filmpreise schon, vor zwei Jahren. Die heurige, zweite Verleihung stand ganz im Zeichen der Corona-Krise: Die Gala wurde zu einem Online-Event umfunktioniert, das man Freitag Abend via Facebook gestreamt hat, direkt aus dem Stadtkino Wien, mit allen Protagonistinnen. Nur der Applaus kam vom Band.

5.000 Euro Preisgeld

Vier Preise wurden vergeben, jeder mit 5.000 Euro dotiert und von einer Preisskulptur flankiert, entworfen von der Künstlerin und Filmemacherin Katrina Daschner. Der Filmpreis "Gloria" für Frauen über 40 ging an die Kamerafrau Christine A. Maier, die den Aufstieg des österreichischen Films maßgeblich in Bilder gefasst hat, darunter mit ihrer Arbeit an "Nordrand" (1999) von Barbara Albert, "Free Rainer" (2007) von Hans Weingartner oder "Life Guidance" (2017) von Ruth Mader. Zuletzt führte Maier die Kamera bei der internationalen Produktion "Quo vadis, Aida?" (2020) von Jasmila Zbanic, die im Wettbewerb der Filmfestspiele von Venedig und bei der Viennale lief.

"Gloriette" nennt sich der Preis, den "FC Gloria" für Filmemacherinnen im Bereich "Innovativer Film" vergibt. Hier gewann die in Bulgarien aufgewachsene und seit 1976 in Wien lebende Künstlerin Mara Mattuschka, deren Arbeiten bereits lange bei bedeutenden Festivals wie der Berlinale, der Diagonale, der Viennale oder in Rotterdam reüssieren. Das "Gloriosa Spotlight" fiel dieses Jahr auf die Oberbeleuchterin Kim Jerrett; der Preis soll Frauen vor den Vorhang holen, die hinter den Kulissen tätig sind, etwa im Bereich Dramaturgie, Filmvermittlung, Aufnahmeleitung oder - wie in diesem Fall - Lichtgestaltung. Jerrett setzte unter anderem Michael Hanekes "Das weiße Band", die TV-Reihe "Dorfers Donnerstalk" oder zuletzt Daniel Prochaskas "Das schaurige Haus" ins rechte Licht.

Der Louise Fleck-Preis schließlich richtet sich an Frauen unter 40 und soll an die heimische Filmpoinierin Louise Fleck erinnern. Er ging an die Tonmeisterin Nora Czamler, die unter anderem bei der Thomas-Stipsits-Komödie "Love Machine", bei Nikolaus Geyrhalters Doku "Erde" oder bei Michael Kreihsls "Die Wunderübung" für den guten Ton sorgte.

"Im rauer werdenden politischen Klima kommen Gleichberechtigung und Diversität nur allzu leicht unter die Räder", findet "FC Gloria"-Sprecherin Andrea Pollach, die mit den Filmpreisen ein großes Ausrufezeichen setzen will. Und Versöhnlichkeit in den Vordergrund stellt: "Unser Ziel ist es, eine Filmlandschaft zu schaffen, in der sich alle wiederfinden können."