Wenn Ma Rainey (Viola Davis) kein eisgekühltes Cola hat, dann singt sie nicht. Daran beißen sich selbst die Plattenbosse die Zähne aus. Ma Rainey, heute nur mehr Spezialisten bekannt, galt in den 1920er Jahren als die schwarze Königin des Blues, und in dem Netflix-Drama "Ma Rainey‘s Black Bottom" (etwa: Ma Raineys schwarzer Hintern) soll sie mit ihrer Band eine Schallplatte aufnehmen, was sich als nicht konfliktfrei erweist. Ein klassisches Biopic ist dieser Film nicht, eher mehr ein Hybrid aus Musik und vielen emotionalen, teils hitzigen Diskussionen innerhalb der Band und zwischen Rainey und dem weißen Management. Überhaupt ist der Alltagsrassismus in diesem Vor-Depressions-Amerika an allen Orten präsent, und die Schwarzen hier fragen sich auch Grundsätzliches wie: "Was sollen die Farbigen mit sich anfangen? Das müssen wir noch herausfinden." Eine Richtungslosigkeit, bestimmt vom weiß dominierten Amerika? Zumindest eine fixe Überzeugung, sogar religiöser Art: "Gott hasst Nigger und ihre schwarzen Ärsche", sagt der Trompeter Levee Green. Der wird gespielt vom inzwischen verstorbenen "Black Panther"-Darsteller Chadwick Boseman, in einer überaus intensiven Performance, die ihm vermutlich posthume Oscar-Ehren einbringen dürfte.

Die Theatervorlage von August Wilson ist auch ziemlich theatralisch umgesetzt, mit großen Gesten und vielen hysterischen Reden, was filmische Sehgewohnheiten durchaus fordert.