Die letzten Monate waren für Österreichs Filmbranche doppelt hart: Einerseits verhinderte der erste Lockdown zunächst sämtliche Dreharbeiten, andererseits fehlten durch die geschlossenen Kinos auch die Auswertungsmöglichkeiten für Filme. Die Produktion von Filmen steht daher am Beginn von 2021 vor großen Veränderungen, denn: Solange die Corona-Pandemie andauert, wird es nur mit viel Aufwand möglich sein, neue Filmware herzustellen. Hinzu kommt: Nicht nur Sicherheitsvorkehrungen zur Pandemie-Bekämpfung sind Pflicht, sondern ab heuer auch das "grüne" Produzieren; Das Österreichische Filminstitut (ÖFI) wird "Green Filming" zum Standard bei Förderungen machen, konkret geht es um Themen wie Energie, Transport oder Abfall bei der Filmherstellung. "Für mich ist Kulturpolitik auch Klimaschutzpolitik", sagte Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer zur Ankündigung der Initiative. Auch ÖFI-Direktor Roland Teichmann findet: "Mit den neuen Bestimmungen in unseren Förderrichtlinien setzen wir hier erstmals ein klares Zeichen und unterstützen die Branche auch aktiv beim Know-how-Transfer für nachhaltiges Produzieren."

"Soko Kitzbühel" ist grün

Einer, der bereits beim Thema Corona am Set sowie "Green Filming" Erfahrung sammeln konnte, ist Filmproduzent Florian Gebhardt. Seine Firma Gebhardt Productions fertigt für den ORF erfolgreiche Comedy-Formate wie "Was gibt es Neues?" oder "Wir sind Kaiser", aber auch fiktionale Filme und Serien. Im Corona-Jahr 2020 entstand beispielsweise die neue, finale Staffel der beliebten Serie "Soko Kitzbühel" - und zwar unter den höchstmöglichen Corona-Sicherheitsvorkehrungen einerseits und unter den Standards, die das nunmehr eingeführte "Green Filming" erfordert. Eine Vorreiterrolle für Gebhardt, der aus Überzeugung handelt: "Die ,Soko Kitzbühel‘ spielt an einem der schönsten Orte Österreichs. Natur pur, wo man hinblickt. Der Umweltschutz- und Nachhaltigkeitsgedanke war uns wichtig. Wir wollten die Öffentlichkeitswirksamkeit des Erfolgsformats nutzen und mit der Green-
Producing-Auszeichnung eine Vorbildwirkung mit Multiplikatoreffekt erzeugen", sagt Gebhardt.

Strenge Regeln am Set

Produzent Gebhardt: "Corona verursacht erhebliche Mehrkosten am Set." - © A. Gebhardt
Produzent Gebhardt: "Corona verursacht erhebliche Mehrkosten am Set." - © A. Gebhardt

In Sachen Corona wiederum musste Gebhardt schnell handeln, um die geplanten Drehtage trotz aller Vorkehrungen über die Bühne zu bekommen. "Filmsets sind Hochsicherheitszonen. Bei uns durfte niemand das Set betreten, der vorher keinen negativen Covid-19 Test hatte. Die Maskenpflicht galt - ausgenommen für die Schauspieler vor der Kamera - trotzdem zusätzlich für sämtliche Personen am Set." Das Resultat bestätigt das Sicherheitskonzept: Bei insgesamt 120 Drehtagen für die neue Staffel gab es coronabedingt nur vier Tage, an denen nicht gedreht werden konnte.

"Der Schlüssel ist: Lückenloses, regelmäßiges Testen und das Zutun der Crew, sich an die Regeln zu halten", sagt Gebhardt. Was aber auch stimmt: Corona-Dreharbeiten sind "mit erheblichen Mehrkosten verbunden, die von Auftraggebern und Finanzierungspartnern mitgetragen werden mussten. Der ORF war auch in dieser Krisenzeit ein verlässlicher Partner", sagt Gebhardt.

Was vielen Produktionsfirmen zudem half, war der von der Regierung aufgelegte staatliche Ausfallsfonds. An Filmsets ist so ziemlich alles versichert, aber das Risiko, einen Dreh wegen eines Corona-Falls stoppen zu müssen, wollte keine Versicherung auf sich nehmen. Also sprang der Staat ein und übernahm diese Leistung in Form von Garantien. Ein Modell, ohne dass es im Drehalltag nicht geht, auch, wenn die daraus bezogenen Leistungen - der guten Hygienekonzepte sei Dank - bisher nur selten in Anspruch genommen werden mussten.

Bleibt die Frage, wie Produktionen künftig sichergestellt werden können. Florian Gebhardt meint, eine Aufwertung des Fernsehfonds Austria bei der RTR brächte einen "starken Wirtschaftsimpuls". Und dann ist da noch das Argument, das wieder greift, wenn Corona erst einmal besiegt ist: "Film ist ein starker Beschäftigungs- und Wirtschaftsmotor. Die ‚Soko Kitzbühel‘ alleine hat im letzten Jahr knapp 5.000 zusätzliche Nächtigungen in der Region erwirkt. Ein Ankurbeln der Produktionstätigkeit ist gleichzeitig eine Stärkung der regionalen Hotellerie und Gastronomie - auch außerhalb der Hochsaison." Filmdrehs sind zudem auch Visitenkarten für Österreichs Tourismus.

Öko-Prämie für Musterschüler

In Zusammenspiel mit dem "Green Filming"-Gedanken ergibt sich daraus eine neue Dreh-Realität für Österreichs Filmer: Alexander Dumreicher-Ivanceanu, der neue Obmann der Filmwirtschaft in der Wirtschaftskammer: "Gerade die Filmwirtschaft ist einer der umweltfreundlichen Motoren, um Fortschritte und Innovationen zu erzielen, die sich die Filmförderung auf Bundesebene vorgenommen hat." Dumreicher-Ivanceanu fordert eine Öko-Prämie für in diesem Bereich vorbildliche Produktionsfirmen.

Am Ende wird der Alltag am Filmset aber vom Verlauf der Pandemie abhängen, weiß auch Florian Gebhardt. "Die Covid-19-Maßnahmen hören erst dann auf, wenn das Virus keinen Schaden mehr anrichten kann - also aus derzeitiger Sicht: Wenn alle geimpft sind."