Wenn Lockdown ist und die Wiener Kinos geschlossen bleiben müssen, dann bietet das Filmarchiv Austria seit März 2020 immer wieder schön kuratierte Online-Programme auf seiner Website www.filmarchiv.at. Ab Freitag sind dort gleich zwei Schauen zu sehen - und zwar für alle Besucher völlig kostenlos: Zum einen widmet man sich einer Ikone des "Wiener Films" - Willi Forst. Forst hat wie kein anderer jenen Charme und Schmelz verkörpert, für den eben dieser "Wiener Film" zum Inbegriff wurde. "Es sind Filme, die die Zeit um die Jahrhundertwende heraufbeschwören, leichte, komische Unterhaltungsstücke, immer mit einer gewissen Verve und besonderer Spritzigkeit inszeniert", so die Kuratoren im Filmarchiv Austria, die von 15. Jänner bis 4. März ausgewählte Forst-Filme zeigen. Etwa "Café Elektric", ein Stummfilm aus 1927, mit Forst an der Seite von Marlene Dietrich. Oder seine Filme "Leise flehen meine Lieder" (1933), "Maskerade" (1934) oder "Burgtheater" (1934), in denen Forst auch als Regisseur dem beginnenden NS-Komödientaumel qualitativ Einhalt gebieten kann. Die Filme wechseln auf filmarchiv.at jeweils wöchentlich.

Emigrantenkino

Als Gegenstück zur Forst-Retro hat man sich die Filmschiene "Der andere Wiener Film" ausgedacht. Hier stehen deutschsprachige Emigrantenfilme aus den Jahren 1934 bis 1936 auf dem Online-Spielplan.

Emigrantenkino: "Silhouetten" (Ö 1936). - © Filmarchiv Austria
Emigrantenkino: "Silhouetten" (Ö 1936). - © Filmarchiv Austria

"Die Machtübernahme der Nationalsozialisten hat nicht nur ein politisches Erdbeben zur Folge. Verfolgt, bedroht, beraubt, bleibt für viele jüdische Filmschaffende nur die Emigration, die traditionell mit den Zielorten Frankreich, England und USA verbunden wird", so das Filmarchiv Austria. Tatsächlich bedeuten aber für etliche aus Deutschland Vertriebene die unmittelbaren Nachbarländer einen ersten, zumindest vorübergehend sicheren Hafen. Wien hat dabei eine besondere Anziehungskraft, der deutschsprachige Emigrantenfilm erobert hier für ein paar wenige Jahre die Kinos im sonst noch freien Europa.

Zu den hier gezeigten Filmen zählen "Silhouetten", (Walter Reisch, 1936), "Letzte Liebe" (Fritz Schulz, 1935), "Tagebuch der Geliebten" (Hermann Kosterlitz, 1935) oder die zum Thema reflektierende Dokumentation "Unerwünschtes Kino" (Petrus van der Let, 2005). Als Begleitpublikation veröffentlicht der Verlag Filmarchiv Austria dazu den 380 Seiten starken Band "Unerwünschtes Kino - Deutschsprachige Emigrantenfilme 1934-1937" von Armin Loacker.