Das Warten hat einfach kein Ende. Mal gibt es zarte Hoffnungen, dann wieder neue Lockdowns und deren Verlängerungen. Die Kinobranche steht - wie die gesamte Veranstaltungsbranche - wegen Corona still. Und dürfte auch noch länger stillstehen, zumindest, wenn man den Spekulationen um eine Fortführung des aktuellen Lockdown glaubt. Dass das Wiederaufsperren mit Mitte Jänner halten würde, hat aber ohnehin niemand aus der Branche geglaubt, wie ein Rundruf der "Wiener Zeitung" ergab. "Das Wiederaufsperren an sich wäre für uns inzwischen die meistgewünschte Perspektive", sagt Wolfgang Steininger, der etwa das Linzer Moviemento-Kino betreibt. "Derzeit verschleppt sich alles Woche für Woche, wir haben unsere 84 Mitarbeiter in Kurzarbeit und sind froh, dass alle noch dabei sind", berichtet Klaus Obermayr von der oberösterreichischen Multiplex-Gruppe "Starmovie". Und Wiens Arthaus-Verleiher und Votivkino-Betreiber Michael Stejskal will sich überhaupt noch nicht festlegen, wie die "Malaise" weitergehen könnte. "Ich glaube, wir können froh sein, wenn im Herbst 2022 langsam alles wieder in halbwegs normale Fahrwasser gerät."

Rettung für Groß und Klein

Was für die einen vielleicht pessimistisch klingen mag, stellt sich bei genauerer Betrachtung des Pandemie-Verlaufs eher als realistisch heraus. Doch sollten tatsächlich noch etliche Lockdowns und nur kurze Öffnungsphasen für die Lichtspielhäuser auf uns zukommen, so müsste die Branche staatlich gestützt werden, sofern die Politik darauf Wert legt, nach der Pandemie noch eine funktionierende Kinolandschaft im Land zu haben. Weshalb die IG Programmkino, der die meisten heimischen Arthaus- und Einsaal-Betriebe angehören, nun ihre Forderungen formuliert und sie bei der Politik deponiert hat. Man will, "dass ein Rettungsschirm gespannt wird, aber nicht nur über uns Programmkinos, sondern auch unbedingt über die großen Multiplex-Häuser", sagt Stejskal. "Das ist ganz wichtig. Für eine funktionierende Kinolandschaft braucht es beide, die Kleinen und die Großen." Vor allem Österreichs bisheriger Marktführer ist von der Krise hart getroffen: Die Cineplexx-Gruppe mit 27 Häusern in Österreich hat in den letzten Jahren stark in Südosteuropa investiert, dort viele Kinos eröffnet, und steht praktisch seit Monaten still, bei null Euro Umsatz. Die 800.000 Euro Maximalbetrag für den Umsatzersatz, die Ende 2020 beantragt werden konnten, sind bei einem solchen Riesen ein Tropfen auf den heißen Stein.

Deshalb fordert die IG Programmkino nun "Gewissheit über die Bedingungen, die uns erwarten. Ob und wie lange ein nächtliches Ausgangsverbot weiter bestehen wird, ist für uns von entscheidender wirtschaftlicher Bedeutung. Und da ein Kinobesuch im Gegensatz zu Theater und Konzert zumeist kurzfristig und spontan erfolgt, treffen uns ‚Eintrittstests‘ besonders hart. Umso wichtiger ist es, dies frühzeitig zu wissen und die genauen Rahmenbedingungen dafür zu kennen. Welche Testzertifikate sind zulässig? Dürfen wir selbst Tests anbieten? Wie erfolgt die Kontrolle? Wer haftet dafür?", heißt es in einem Schreiben der Interessengemeinschaft.

Hart getroffen

"Egal ob Multiplex, Landkino oder Programmkino: Die Krise hat uns hart getroffen", erzählt Wolfgang Steininger. "Nachdem wir uns geschwächt über die Sommermonate gerettet haben, hat uns der zweite Lockdown mitten in der Planung für die Wintersaison getroffen", ergänzt Stejskal. "Wir haben die geschäftsstärksten Monate des Jahres verloren und damit auch die finanziellen Reserven für die verlustträchtigen Sommermonate. Der Weg zurück zum Normalbetrieb wird lang und teuer. Aus eigener Kraft ist das kaum mehr zu schaffen."

Die Forderungen im Detail: Genau definierte Rahmenbedingungen für die Wiederöffnung der Kinos, der Beginn der letztmöglichen Vorstellung um 20 Uhr (was der derzeitigen nächtlichen Ausgangsbeschränkung widerspräche), keine "Eintrittstests" in den Kinos, sondern lieber eine FFP2-Maskenpflicht im Saal, und finanzielle Unterstützung. "Der Rettungsschirm muss auch die Multiplexe umfassen, denen aufgrund ihres großen Geschäftsvolumens mit dem Umsatzersatz im zweiten Lockdown nur unzureichend geholfen war und denen auch bis in das Frühjahr hinein weitgehend die Blockbuster fehlen", heißt es da.

Masterplan erforderlich

Die wahren Schwierigkeiten, so Stejskal, würden beim Wiederaufsperren auf die Kinos warten. Dann nämlich, wenn sich entscheidet, welche Filmware überhaupt am Markt ist. "Österreich ist streng an Deutschland gebunden und in weiterer Folge an die USA", so Stejskal. "Wenn dort die Kinos nicht laufen, gibt es hierzulande keine Filme". Klaus Obermayr von "Starmovie" erhofft sich für diese Situation eine Art "Masterplan". "Die Kinos sind alle gleich von der Krise betroffen und auf staatliche Hilfen angewiesen, Der Normalbetrieb wird davon abhängen, ob es eine ausreichende Durchimpfung gibt."

Das sieht auch Wolfgang Steininger so: "Selbst, wenn wir morgen wieder aufsperren sollten: Die Leute haben dennoch Angst und werden zunächst sehr vorsichtig reagieren. Nur die Impfung kann das Vertrauen wirklich zurückbringen". Dass er Stammkunden an die Streaming-Portale verlieren könnte, glaubt Steininger nicht. "Unsere Stammkunden sind uns sehr treu". Dennoch werde es "wahrscheinlich einige Jahre" dauern, bis sich der laufende Betrieb wieder einpendeln wird. "Wir haben Hoffnung",so Steininger. "Das Wichtigste ist jetzt ein Plan und eine Strategie der kleinen Schritte."