Es ist das Suburb-Amerika, wo ein Bräutigam seine Braut über die Schwelle ins 50er-Jahre-Eigenheim trägt. Das Haus ist adrett, die Farbe Schwarzweiß, nur das Paar ist irgendwie seltsam. Er ist nämlich einer, der gar kein Essen braucht, und sie steht dafür permanent am Herd. Die erste Folge von "WandaVision" entführt gleich in eine recht schräge Welt, gebaut als Kulisse vor einem virtuellen Sitcom-Publikum, das lauthals mitlacht. Später, wenn hier auch Farbe einzieht, wird alles wohnlicher; aber weniger schräg wird es nicht.

Das Marvel Cinematic Universe (MCU) ist durch die weltweite Pandemie ins Stocken geraten, Filme wie "Black Widow" oder "Eternal" liegen seit Monaten auf Eis, da kommt Marvel-Eigentümer Disney so ein Serienformat ganz recht. "WandaVision" ist nun die erste von mehreren angekündigten Serien, die sich MCU-Mastermind Kevin Feige erdacht hat.

Fliegende Untertassen

Die Protagonisten sind Figuren aus dem MCU, für die es in den "Avengers"-Filmen zu wenig Raum zur Charakterentfaltung gegeben hat, oder solche, die bislang keine Chance auf einen eigenen Film hatten. Als Sitcom-Ehepaar fungieren: Einerseits die "Scarlet Witch" Wanda Maximoff (Elizabeth Olsen), wobei erst im Verlauf der Serie herauskommen wird, dass sie eine Superhelden-Vergangenheit hat; derweil jongliert sie mit ihren Kräften die Küchengeräte, die selbständig kochen.

Andererseits gibt es da den Göttergatten, in Gestalt von der menschgewordenen Intelligenz Vision (Paul Bettany), der in seiner Firma als "Rechenmaschine" glänzt und gleich zu Beginn mit einem Hausbesuch seines Chefs konfrontiert ist. Weder Wanda noch Vision sind auf dieses Ereignis wirklich vorbereitet, was herauskommt, ist pures Chaos in einem launigen Sitcom-Setting und mit einem beinahe dramatischen Ende. Was gäbe es Schlimmeres, als wenn der Gast am sprichwörtlich gezauberten Essen erstickte?

Zu viel darf man allerdings nicht spoilern, um den Spaß an dieser Serie nicht zu verderben. Der geneigte Marvel-Fan wendet natürlich sofort ein, dass Vision eigentlich im vorletzten "Avengers"-Film gestorben ist, aber das ist dem MCU ziemlich egal: Gerade darin besteht ja die Mystik dieses Universums, und die Serie spinnt daran munter weiter. Während Wanda also das Geschirr mit ihrer Hexenkraft von der Spüle durchs Zimmer direkt in die Vitrine fliegen lässt und dabei an Visions Kopf eine Tasse kaputtgeht ("Meine Frau und ihre fliegenden Untertassen!"), sieht diese bieder-feine Sitcom-Welt so unglaublich idyllisch aus, dass es gar nicht wahr sein kann.

Spätestens mit der Entdeckung eines bunten Spielzeughelikopters im Garten ist klar, dass es mit der Idylle nicht weit her ist. Die Helden selbst fühlen sich seltsam fehl am Platz in dieser Umgebung, und wenn in Folge zwei die Farbe einzieht, und in Folge drei alles plötzlich nach dem Stil der 70er Jahre tanzt, stellt sich Wanda irgendwann die Frage: "Vision, passiert das alles hier wirklich?"

Helden in der Krise

Für die Marvel-Fans bietet "WandaVision" ein frisch befülltes Potpourri an Zwischentönen und Querverweisen durch das gesamte Comic-Universum, für weniger Kundige erschließt sich der Sinn dieser Serie eher schwer. Aber immerhin passt "WandaVision" mit seiner ganzen Unglaublichkeit perfekt in unsere Tage: Zwischen Corona-Angst und Lockdown-Frust können wir gut mit Wanda und Vision mitfiebern, denn die Superhelden stecken augenscheinlich selbst in einer Krise. Nicht nur in der Serie, sondern vor allem auch in der echten Welt der geschlossenen Kinos, die als Ort für die maximale Entfaltung von Superhelden vorerst passé sind. Was bleibt, ist der Fernsehbildschirm, und da hat Marvel mit "WandaVision" zwar rein zufällig, aber doch direkt ins Schwarze getroffen.