Saarbrücken. Für viele Filmfestivals heißt es auch 2021: Abgesagt. Manche jedoch versuchen, aus der Corona-Misere das Beste zu machen - und gehen rein digital über die Bühne. Eines davon ist das Festival "Max Ophüls Preis" (MOP) in Saarbrücken, das seit Sonntag nur im Web stattfindet anstatt in Deutschlands kleinstem Bundesland an der Grenze zu Frankreich.

Das MOP-Festival gehört seit Jahrzehnten zu den ersten Adressen, wenn es um eine Spurensuche nach dem filmischen Nachwuchs geht. Hier werden deutschsprachige Talente nicht nur entdeckt, sondern auch hofiert; hier dürfen sich Neo-Regisseure einen roten Teppich das erste Mal aus der Nähe ansehen. Nur eben heuer nicht. Da bleibt alles digital.

Svenja Böttger, die Leiterin des Festivals, gab sich nach der Eröffnung durchaus zufrieden: "Es gab tolle, positive Reaktionen und Resonanzen", sagte sie, es habe einen "guten Festivalstart" gegeben. Nach Glamour klingt das freilich nicht, aber immerhin waren knapp 1000 Online-Zuschauer bei der Eröffnungsveranstaltung dabei, die man via Youtube ins Netz streamte. Angesichts des nun verlängerten Lockdowns sollten sich wohl auch andere Festivals in Saarbrücken um Know-how umsehen, etwa die Diagonale, die soeben von März auf Juni verschoben wurde und dann weiterhin als physisches Festival geplant ist; einen Plan B zu haben, scheint in diesen Zeiten allerdings nicht verkehrt.

Das MOP-Festival war immer wieder die Startrampe für so manche österreichische Produktion, die später dann die Diagonale beglückte. In diesem Jahr ist es sogar der Eröffnungsfilm, der bereits hier in Saarbrücken (oder besser: im Netz) gezeigt wird: Arman T. Riahis "Fuchs im Bau". Im Zentrum steht der ehrgeizige Mittelschullehrer Hannes Fuchs, der in der Gefängnisschule im Jugendtrakt einer Wiener Haftanstalt lehrt. Riahi, zuletzt mit "Die Migrantigen" im Komödienfach erfolgreich, wechselt hier die Tonalität, erzählt dramatisch und erzielt damit eine Umschau in problematische Strukturen des Strafvollzugs. "Man muss gute Gründe haben, um im Gefängnis als Lehrer zu landen", sagt Arman T. Riahi. "Entweder man will etwas bewegen oder man sieht die Gefängnisschule als eine besondere Herausforderung. Es ist eine schwierige Aufgabe, diesen Kindern Hoffnung zu geben, sie an diesen vier oder fünf Stunden am Tag abzulenken und Wertschätzung zu vermitteln".

Weltwirtschaft im Dorf

Ebenfalls um den Max Ophüls-Preis tritt der Dokumentarfilm "Davos" von Daniel Hoesl und Ko-Regisseurin Julia Niemann an. Die Graubündner Kleinstadt, in der alljährlich das Weltwirtschaftsforum mit den Mächtigen und Reichen dieser Erde tagt, ist Gegenstand einer einjährigen Beobachtung durch das Filmteam, das sich hier einmietete und Davos auch abseits des Trubels beleuchtete. "Das Forum dauert ja nur drei Tage, aber eigentlich sind wir alle ununterbrochen in Davos", sagt Hoesl. "Mit ‚wir‘ meine ich uns Menschen, die wir Lohnarbeit machen, einen Kredit zurückzahlen, bei internationalen Konzernen kaufen. Wir sind ständig mit den Playern des Forums in Kontakt, ohne sie jemals zu treffen. Dort wird einem bewusst, dass man das ganze Jahr über nur Zaungast ist".

Auch das Anarcho-Kinostück "2 Freunde, 3 Feinde" des Wieners Sebastian Brauneis feiert in Saarbrücken seine internationale Premiere. Wenn man das überhaupt so nennen kann, in den digitalen Zeiten von Corona.