Klatsch, Tratsch, Liebe, Intrigen, Sex und Heiratsmarkt gewandet in Empire-Kleider mit Turmfrisuren, juwelenbestückten Diademen, Ohrringen, Halsketten und enormen Federschmuck: Das ist "Bridgerton". Nun, nicht ganz. Denn dazu kommen noch ausgezeichnete Schauspieler und ein Drehbuch, das auf acht historischen Liebesromanen der Autorin Julia Quinn basiert, die sich um die titelspendende Familie Bridgerton drehen. Und ein Schauferl des Erfolgs hat auch die Produzentin Shonda Rhimes dazugegeben.

Daphnes Schwester Eloise Bridgerton (Claudia Jessie) mit ihrer Freundin Penelope Featherington (Nicola Coughlan). - © Netflix
Daphnes Schwester Eloise Bridgerton (Claudia Jessie) mit ihrer Freundin Penelope Featherington (Nicola Coughlan). - © Netflix

Zu viel des Lobes? Mitnichten, meinen die TV-Zuseher: Die achtteilige Serie ist von etwa 82 Millionen Haushalten gesehen worden und damit eine der erfolgreichsten Netflix-Serien aller Zeiten. Außerdem habe sie in 83 Ländern die Nummer eins der meistgesehenen Inhalte erreicht, teilte Netflix  am 27. Jänner mit. "Bridgerton" feierte am 25. Dezember 2020 Premiere, und Hinweise auf eine Fortsetzung aufgrund der Erfolgszahlen gab es bereits wenig später, als ein Produktionsbericht von "Production Weekly" bekannt wurde. Inzwischen hat Netflix die Fortsetzung der Serie offiziell auf Instagram bestätigt. Die Dreharbeiten sollen laut Branchen-Insidern im März beginnen.

Lady Whistledowns Gesellschaftsheftchen

Zugegebenermaßen ist "Bridgerton" eine mit Pomp inszenierte Liebesgeschichte im London der Regency-Zeit, also zwischen 1811 bis 1820. Regency-Stoffe sind ohne Jane-Austen-Anleihen nicht denkbar: Das gesellschaftliche Leben der Upperclass, speziell der Adeligen, dreht sich in erster Linie darum, an Empfängen und Bällen teilzunehmen oder sie zu organisieren, um für die heiratsfähigen Töchter lukrative Ehen zu arrangieren. Die Liebe bleibt meist auf der Strecke. Der Druck, einen Mann oder auch eine Frau zu finden, ist enorm. Auch für den gutaussehenden und heftig umworbenen Simon Basset, Duke of Hastings (Regé-Jean Page), und Daphne Bridgerton (Phoebe Dynevor), die von der Queen (Golda Rosheuvel) persönlich als beste Partie der Ballsaison auserkoren wird. Genervt von all den Heiratsangeboten und -willigen treffen die beiden ein Abkommen, das jedoch in dieser Form nicht eingehalten werden wird . . .

Klatsch und Tratsch der Vorkommnisse auf den Bällen kommentiert eine gewisse Lady Whistledown in ihren Gesellschaftsheftchen. Sie deckt schonungslos Intrigen und Liaisons auf. Ein gesellschaftliches Highlight am Tag danach, das für die Erwähnten oft harte Konsequenzen mit sich bringt.

Golda Rosheuvel (M.) als Königin Charlotte in "Bridgerton". - © Netflix
Golda Rosheuvel (M.) als Königin Charlotte in "Bridgerton". - © Netflix

Dieser Plot allein klingt nicht unbedingt neu oder gar mitreißend, wären da nicht neben den bereits Erwähnten auch ein außergewöhnliches Casting: Golda Rosheuvel als Königin Charlotte ist nämlich schwarz. Laut "FAZ" berief man sich dabei auf die These, dass Sophie Charlotte zu Mecklenburg-Strelitz auch in Wirklichkeit die erste schwarze britische Königin war. Denn Generationen vor ihr wäre eine portugiesische Adlige afrikanischer Herkunft in ihrem Stammbaum eingetragen. Sophie Charlotte zu Mecklenburg-Strelitz’ Leibarzt soll sie in seinen Tagebüchern als "negroid" beschrieben haben. Drehbuchautor Chris van Dusen meinte in einem Interview, dass diese Theorie dann auch den fiktionalen Teil ins Spiel gebracht habe: So sind neben der Queen viele weitere Haupt- und Nebendarsteller sowie Statisten von schwarzer Hautfarbe.

Lady Danbury (Adjoa Andoh) auf einem der zahllosen Bälle. - © Netflix
Lady Danbury (Adjoa Andoh) auf einem der zahllosen Bälle. - © Netflix

Für einen weiteren modernen Touch in der Inszenierung und Darstellung der Charaktere sorgt auch die Produzentin Shonda Rhimes, die durch Serien wie "Grey’s Anatomy" und "How to get away with murder" bekannt wurde und vermutlich auch federführend in der kommenden Staffel sein wird.