Dort, wo jedes Jahr tausende Teilnehmer das Weltwirtschaftsforum abhalten und sich die Mächtigen und die Reichen (was oft dasselbe ist) die Klinke in die Hand geben, um den globalen Kapitalismus nachzuschärfen und zu optimieren, dort ist die schweizerische Gemeinde Davos. Sie ist unterm Jahr auch eine ganz normale Stadt in den Alpen, wo es kleine Geschäfte, Wintertourismus und die Müllabfuhr gibt. Aber Davos ist wegen seines Kongresszentrums und des Weltwirtschaftsforums, das hier seit 1970 stattfindet, auch stets in einem Ausnahmezustand, wie die Doku "Davos" von Daniel Hoesl und Julia Niemann zeigt. Die beiden Filmemacher haben sich für ein Jahr eine Wohnung in Davos gemietet, um alle Kontraste dieser Welt an nur einem einzigen Ort einzufangen - seien es die Künste, das Geld, der Alltag, die Welt der Macht. Thomas Manns 1924 erschienener "Zauberberg" machte Davos ebenso bekannt wie die Bilder von Ernst Ludwig Kirchner, dem hier ein Museum gewidmet ist.

Hoesl und Niemann streifen durch die Stadt, fangen ihre Bilder stets kommentarlos ein und montieren sie zu einer Melange aus Schwarz und Weiß und ganz vielen Zwischentönen; sie bewerten nicht, und doch: "Davos" fühlt dem Kapitalismus unentwegt auf seinen schmerzenden Zahn.