Als der Hobby-Archäologe Basil Brown (Ralph Fiennes) 1939 in Sutton Hoo am Hochufer des Flusses Deben in der englischen Grafschaft Suffolk auf mehreren auffälligen Hügeln zu graben beginnt, ahnt er noch nicht, welch historischen Fund er bald machen würde. Was er aber ahnte: Dass der Zweite Weltkrieg unmittelbar vor seinem Ausbruch stand - und professionelle archäologische Tätigkeiten damit eingestellt werden müssten. Doch Brown ist kein Profi, und seine Auftraggeberin kann als Eigentümerin des Landstrichs, auf dem gegraben wird, natürlich frei verfügen, wer hier was macht und wer nicht. Diese Edith Pretty (Carey Mulligan) ist eine reiche Witwe, aber sie laboriert an einer Herzkrankheit, die ihr den Alltag verleidet. Ihr Wille ist: Herauszufinden, was unter all den Hügeln in ihrem Anwesen verborgen ist, und Basil Brown nimmt den Job an; nie hat er in seinem Leben etwas anderes gemacht als zu graben. Er sei kein Archäologe, sondern ein "Ausgraber", wie schon der Vater und der Großvater.

Komplexe Charaktere

Grundsätzlich treffen in "Die Ausgrabung" zwei sehr komplexe Charaktere aufeinander, die sich gegenseitig beäugen und zum Schluss kommen: Mein Gegenüber ist "schwierig". Doch als sich dann Erfolge zeigen bei den Ausgrabungen, erhellt sich auch die Stimmung etwas: Brown legt durch seine Erfahrung schon bald ein angelsächsisches Bootsgrab aus dem siebten Jahrhundert frei, das offenbar von Grabräubern verschont geblieben ist. Diese Ausgrabung gilt als einer der wichtigsten archäologischen Funde aller Zeiten, weil sie zeigte, wie weit fortgeschritten die angelsächsische Kultur im siebten Jahrhundert bereits war. Und die Grabbeigaben sind reichlich und wertvoll. Während Edith Pretty zunächst nicht sicher ist, ob es moralisch einwandfrei wäre, diese Schätze zu bergen, winkt Brown nur müde ab: Man plündere nicht, sondern "wir bringen das Leben wieder ans Licht".

Bis dahin ist man in "Die Ausgrabung" Zeuge einer feinen Figurenzeichnung geworden. Ralph Fiennes spielt den eher schweigsamen, pfeiferauchenden Hobby-Archäologen mit großem Ernst, er folgt seinem Instinkt und logischen Indizien. Die Briefe seiner Frau, die sie ihm täglich schickt, lässt er ungeöffnet. Edith Pretty, die ihrem Nachnamen alle Ehre macht, ist trotz ihrer Schönheit eine introvertierte, von der Krankheit eingeschüchterte, aber immer intelligente und auch mysteriöse Frau, und zwischen den beiden gibt es eine leise Annäherung, die allerdings schnell wieder enttäuscht wird.

Als man in London von den Funden erfährt, ist das British Museum in Gestalt seines Chefarchäologen natürlich schnell zugegen. Die Dinge an der Ausgrabungsstätte ändern sich, der Fund ist von "nationalem Interesse" und Brown "nicht mehr vonnöten".

Gemeinsame Aura

Gerade als Mrs. Pretty und Mr. Brown ihre jeweilige Einsamkeit langsam zu einer gemeinsamen Aura verbinden, legt Regisseur Simon Stone sein Augenmerk auf ein anderes Paar, das ganz offensichtlich mehr romantisches Potenzial hat; die Hauptdarsteller rücken damit seltsam befremdlich in den Hintergrund. Lily James spielt die ungeliebte Frau eines aus London angereisten Archäologen und flirtet mit dem Neffen von Mrs. Pretty. Es geht hier auch um Verborgenes, was eigentlich auf der Hand liegt, in einem Film, der vom Freilegen handelt, vom Buddeln in der Erde.

Und weil all das von Simon Stone in größtmöglicher britischer Eleganz umgesetzt worden ist (obwohl der Regisseur in der Schweiz geboren wurde), mit einer in Dekor, Kostüm und Charakteristik zutiefst britischen Attitüde versehen, ist man auch nahe dran am Klischee. Das eigentliche Problem dieses Dramas ist aber seine Inkonsequenz bei der Begleitung der Protagonisten. Während man zu Beginn mit der harschen, aber langsam weicher werdenden Annäherung zwischen Fiennes und Mulligan und dem Sensationsfund zufriedengestellt wird, geht es bald mehr um das zweite, viel weniger interessante, aber jüngere Paar. "Die Ausgrabung" lässt spätestens hier die Leidenschaft vermissen, für die seine Helden Brown und Pretty ihr Leben lang brennen.