Für viele war Christopher Plummer untrennbar mit dem Film-Musical "The Sound of Music – Meine Lieder, meine Träume" aus dem Jahr 1965 verbunden – schließlich markierte dieser Film den Durchbruch des 1929 in Toronto geborenen Plummer in Hollywood. In "The Sound of Music" spielte er als Kapitän von Trapp groß auf, und dieser weltbekannteste Österreich-Film, den man in Österreich eher nicht kennt, ebnetet Plummer den Weg an die Spitze.

Doch bis zu eben jener Spitze sollte es noch eine ganze Weile dauern, zumindest, wenn man die üblichen Gradmesser Hollywoods anwendet. Den Oscar hat Plummer nämlich erst im Alter von 82 Jahren erhalten – er war somit der bislang älteste Schauspieler, der je einen Oscar überreicht bekam. Das war 2012 für den Film "Beginners", darin spielte er einen Mann, der sich erst im hohen Alter nach dem Tod seiner Frau zu seiner Homosexualität bekennt. Als Plummer den Oscar erhielt, sagte er zu diesem: "Buddy, du bist nur zwei Jahre älter als ich, wo hast du all die Jahre bloß gesteckt?"

In seiner fünf Jahrzehnte andauernden Karriere liegen zahllose Auftritte in Hollywood-Klassikern wie "Waterloo", in Blockbustern wie "Star Trek VI: Das unentdeckte Land" oder Komödien wie "Der rosarote Panther kehrt zurück". Plummer bewies stets große darstellerische Vielseitigkeit, war auch in Filmen wie "12 Monkeys", "Insider" oder "Ein russischer Sommer" zu sehen, wo er Tolstoi spielte.

Dass er bis ins hohe Alter in seiner Berufung aktiv blieb, lag an Plummers Einstellung: "Ich glaube, der Ruhestand bedeutet in jedem Beruf den Tod. Ich für mich habe beschlossen, es so lange wie möglich krachen zu lassen". Deshalb gab es 2019 mit der Krimikomödie "Knives Out – Mord ist Familiensache" (2019) mit Daniel Craig als Privatdetektiv und Plummer als ungeliebter Familienpatriarch, der auf mysteriöse Weise stirbt, ein spätes Abschiedsgeschenk an die Fans.

Plummer ersetzte Spacey

Bemerkenswert ist auch seine Rolle als geiziger Öl-Magnat Jean Paul Getty in Ridley Scotts Entführungsthriller "Alles Geld der Welt" (2018). Das besondere an dieser Rolle: Der Film war eigentlich mit Kevin Spacey in der Hauptrolle bereits abgedreht und geschnitten gewesen, als Spacey vom Skandal rund um Vorwürfe der sexuellen Belästigung eingeholt wurde. Für das Studio war der Film damit untragbar geworden, und Scott suchte nach einem Ausweg. Er engagierte Plummer kurzfristig und drehte alle Szenen mit ihm an den ursprünglichen Sets nach. So wurde Spacey aus dem Film komplett entfernt und durch Plummer ersetzt. Eine bis dato beispiellose Nachbesserung. Die Rolle brachte ihm noch einmal eine Oscarnominierung als bester Nebendarsteller ein.

Manchmal äußerte sich Plummer auch kritisch gegenüber der Politik, vor allem in Bezug auf die Kunst und die Kultur, die ihm besonders wichtig waren. "Die meisten Politiker heute haben eine CEO-Mentalität", so Plummer. "Die Kunst ist ein Antithema für sie, vor allem, wenn es um ihre Finanzierung geht. Da rangiert die Kunst ganz unten auf der Liste. Dabei ist das so ziemlich die kurzsichtigste Haltung, die man überhaupt haben kann".

Am vergangenen Freitag ist Plummer in seinem Haus im US-Staat Connecticut, mit Elaine Taylor – "seine Ehefrau und beste Freundin seit 53 Jahren" – an seiner Seite gestorben.