Dieser verschlagene Blick! Eigentlich müsste dem Richter sofort klar sein, welches Spiel Marla Grayson (Rosamund Pike) spielt. Denn die elegante, professionelle Betreuerin älterer Menschen sollte vor allem daran interessiert sein, dass es ihren Klienten rundum gut geht. Dass sie, wenn es zuhause und alleine einmal nicht mehr geht, einen adäquaten Platz in einem Pflege- oder Altenheim bekommen, dass ihr Hab und Gut von Marla in ihrem Sinne verwaltet wird und dass sie sich um nichts zu kümmern brauchen, außer ihren Lebensabend zu genießen. So steht’s zumindest im Prospekt.

Doch Marla hat es faustdick hinter den Ohren. Ihre Schützlinge haben keine Ahnung, wie sich die Betreuerin in Wahrheit an ihnen bereichert. Das Konzept ist immer das gleiche: An sich rüstigen Rentnern werden von Marlas befreundeter Ärztin dramatische Befunde ausgestellt, die einen alleinigen Verbleib im Haus nicht zulassen. Bei so einem Betreuungsnotfall kann das Gericht die zwangsweise Umsiedelung in ein Heim anordnen, denn kein Bürger soll sich hilflos und alleine fühlen. Marla übernimmt dann die "Betreuung", verwaltet das Geld der Pflegebedürftigen und verhökert ihren Besitz an den Bestbieter. Diese Gier turnt Marla und ihre junge Geschäftspartnerin und Liebhaberin Fran (Eiza González) unheimlich an.

Man kann auch einmal danebengreifen

Doch dann wird Marla die Betreuung von Jennifer Peterson (Dianne Wiest) anvertraut, eine reiche Dame ohne lebende Verwandte, also ideal für Marlas legale, aber moralisch höchst fragwürdige Geschäftspraxis. Frau Peterson gibt sich widerspenstig, denn ihr fehlt nichts. Wieso soll sie dann ins Heim? Doch der Richter hat es angeordnet, und Marla vollstreckt das Urteil, Frau Peterson wird bei Bedarf einfach mit Beruhigungsmitteln sediert.

Jedoch hat sich Marla in der Seniorin getäuscht - ein leichtes Spiel hat sie jedenfalls nicht mit ihr. Denn obwohl die Dame jede Menge Bargeld und auch Diamanten im Schließfach hat, ist sie nicht der Jackpot, für den Marla sie hält. Bald schon geraten üble Kerle auf die Spur der Betreuerin, darunter auch der ziemlich fiese Gangster Roman Lunyow (Peter Dinklage).

"Der Mensch ist schlecht", so beginnt der Brite J Blakeson seinen Film über diese zynische, menschenfeindliche Frau; die erste halbe Stunde staunt man nicht schlecht über ihre Kaltherzigkeit, mit dem Auftreten von Lunyow kommt dann allerdings ein wendungsreicher Plot in Gang, der zwar spannend ist, sich aber vom eigentlichen Thema etwas entfernt. So wird der ursprüngliche Thriller auch um schwarzhumorige Aspekte angereichert, die nicht ganz zum moralischen Totalschaden der Protagonistin passen. Immerhin zeigt sich hier konsequent, dass der Mensch noch schlechter ist als angenommen.