Im Wesentlichen tut man gut daran, die Dinge so simpel wie möglich zu halten, gerade, wenn es um ein Sequel geht wie im Falle von "Wonder Woman 1984". Der erste Film hatte die Fangemeinde von Comicverfilmungen nachhaltig beeindruckt, das DC-Universum gab ein ordentliches Lebenszeichen gegen die Übermacht von Marvel und mit Gal Gadot war ein neuer Prototyp der Superheldin geboren, die - endlich - mit Witz, Charme und großer Ernsthaftigkeit gegen die Untiefen platter Männlichkeit vorging und ihre Gegner effektgeladen vermöbelte. Das war 2017.

Im Vorjahr musste das bereits 2018 gedrehte Sequel "Wonder Woman 1984" pandemiebedingt wieder und wieder verschoben werden, das Studio Warner glaubte bis zuletzt an eine Kinopremiere. Die hat sich mit dem heutigen Tag jedenfalls erledigt, denn ab sofort ist "Wonder Woman 1984" im Pay-TV auf Sky zu sehen. Ein späterer Kinostart soll folgen. Aber die Verwertungskette von Blockbustern ist damit endgültig über den Haufen geworfen worden. Es dürfte nicht der letzte Filmstart sein, der so vonstattengeht.

Wünsch dir was und sag' es dem Kristall

Alles hier dreht sich zunächst um den Hitchcock’schen MacGuffin: Ein Kristallstein, der - sobald man ihm seine Wünsche beichtet - ebendiese auch postwendend erfüllt. Was nett ist, wenn man als Manager einen Porsche fahren will, was hingegen verheerend wird, wenn ein reaganesker US-Präsident lieber 1.000 atomare Sprengköpfe mehr zur Verfügung hätte gegen die Russen. Die Welt gerät ins Wanken, die Eskalation wird zum Normalzustand, und mittendrin versucht Wonder Woman Diana Prince mit aller Macht, das Schlimmste zu verhindern. Dass sich Diana Princes neue Kollegin Barbara Minerva (Kristen Wiig) wünscht, vom tollpatschigen Schüchterlein zu einer Ebenbürtigkeit von Wonder Woman zu werden, beschert dem Film die DC-Bösewichtin Cheetah, die schon in den 1940er Jahren in den Wonder-Woman-Comics auftrat. Dazu gesellt sich ein Schurke namens Maxwell Lord (Pedro Pascal), der sich kurzerhand wünscht, der Kristallstein höchstselbst zu sein, und ihn inkorporiert. Fortan genügt ein ihm geäußerter Wunsch, und er wird wahr. Plötzlich können sich alle alles wünschen, und die Welt versinkt endgültig im Chaos.

"Wonder Woman 1984" ist nah dran an der Apokalypse, und obwohl weit vor der Pandemie gedreht, finden sich darin durchaus Querverweise auf den Zustand einer roher und gefährlicher werdenden Welt, in der der Mensch sein eigenes Schicksal keineswegs selbst in der Hand hat. Da gibt es auch religiöse Motive, aber die will Maxwell Lord ersetzen: "Du sagst einfach: ‚Ich wünsche‘ statt: ‚Ich bete‘." Und schon herrscht die totale Anarchie.

Lüge und Wahrheit sind die großen Themen

Nichts Gutes wird aus Lügen geboren, das ist schon ganz zu Beginn des Films klar, wenn die spätere Wonder Woman als Kind bei einem Wettkampf im Amazonenreich mogelt. Später wird sie sich damit abfinden müssen, dass Moral und Ehrlichkeit die wichtigsten Tugenden sind, auch und gerade für Superheldinnen. Ihre große Liebe aus Teil eins, den Piloten (Chris Pine), trifft sie auch wieder, dank des Wunschkristalls. Beider Odyssee führt dann sogar ins Weiße Haus, wo die Flure im perfekt koordinierten Kampf in Schutt und Asche gelegt werden.

Aber was ist das Besondere an "Wonder Woman 1984"? Dass die Eskalation überwunden werden kann. Patty Jenkins hat einen würdigen Nachfolger zu ihrem Überraschungshit von 2017 gedreht, der allerdings auf dem TV-Bildschirm weniger spektakulär aussieht als auf einer breiten Leinwand, die man hier schmerzlich vermisst.

Gal Gadot ist das Korrektiv, das die Gier des Bösewichts Lord in die Schranken weisen muss; all das ist wie eine Parabel auf den Zustand der Welt, aber man kann diesen Film wahlweise auch einfach nur als flotte Action-Nummer mit Mystery-Zutaten konsumieren.

Erfrischend ist das Setting in den 1980er Jahren, die Jenkins mit viel Detailtreue rekonstruiert. Zu dieser Zeit pfiffen die Männer den Frauen auf der Straße noch ungeniert hinterher; fatal, wie sich hier bald herausstellt.

Im angenehm unübertriebenen Finale zelebriert man die Wahrheit, die "wichtiger ist als alles", die Musik von Hans Zimmer emotionalisiert das in der angebrachten Dosis, und Wonder Woman darf eine Welt, in der man geliebt und beschützt wird, proklamieren. Es ist ein gutes Sequel, ein schönes, ein versöhnliches, letztlich.