Ein bisschen Flucht nach vorne war da schon dabei: Als die Hollywood Foreign Press Association (HFPA) dieser Tage ins Kreuzfeuer der Kritik geriet, weil keines ihrer 87 Mitglieder schwarz ist und weil man über die Käuflichkeit der Mitglieder munkelte, wenn es um die Verleihung der begehrten Golden Globes geht, ist der Preisregen am Ende dann doch eher unter dem allseits beliebten Motto Diversität, Gender- und Race-Equality gestanden. Die HFPA will mit den Preisen auch ihren Reformwillen zeigen, der gleich zu Beginn vom Moderatoren-Duo Tina Fey und Amy Poehler eingefordert wurde: "90 Leute und keiner schwarz. Ändert das bitte. Ihr habt es vielleicht nicht mitbekommen, dass die Welt sich verändert hat. Vielleicht liegt es daran, dass euer Büro in einer französischen McDonald‘s-Filiale ist".

Fey und Poehler moderierten die Gala von Los Angeles und New York aus, viele Preis-Präsentatoren kamen persönlich, das Saalpublikum musste fernbleiben und die Preisträger nahmen ihre Trophäen virtuell via Zuschaltung entgegen - so mancher in Freizeitkleidung. Jason Sudeikis, ausgezeichnet als bester Schauspieler in einer Comedy-Serie ("Ted Lasso"), hielt seine Dankesrede im Hoodie auf der Couch. So geht halt Glamour, wenn Pandemie ist.

Chloé Zhao gewann den Regiepreis für "Nomadland". - © afp
Chloé Zhao gewann den Regiepreis für "Nomadland". - © afp

Globe für Chloé Zhao

Aber zurück zu den Preisträgern, die das Image und Gewissen der HFPA beruhigen sollen: "Nomadland" der US-Chinesin Chloé Zhao erzählt die Geschichte einer Witwe (Frances McDormand), die mit wenigen Habseligkeiten in ihrem Van als Nomadin durch die USA zieht. "Nomadland" war der HFPA den Top-Preis als bestes Drama wert, und obendrein erhielt Zhao auch den Regiepreis. Sie ist damit erst die zweite Frau nach Barbra Streisand 1984 ("Yentl"), die einen Globe für die Regiearbeit gewann. Eine Auszeichnung mit Signalwirkung. Ebenso jener posthum verliehene Golden Globe an den kürzlich an Krebs verstorbenen Chadwick Boseman, der in "Ma Rainey‘s Black Bottom" eine wahre Glanzleistung hingelegt hatte. Mit dem Preis für den schwarzen, überaus populären Schauspieler ("Black Panther") hat die HFPA auch ein Zeichen gesetzt – und möglicherweise einer posthumen Oscar-Verleihung an Boseman den Weg geebnet.

Noch zwei weitere schwarze Preisträger sollten an diesem Abend folgen: US-Schauspielerin und Sängerin Andra Day gewann den Globe als beste Drama-Darstellerin in "The United States vs. Billie Holiday", einem Biopic über die Jazz-Sängerin Billie Holiday. Und der Brite Daniel Kaluuya gewann als bester Nebendarsteller für "Judas and the Black Messiah".

Überraschung Borat

Als beste Komödie ging "Borat Subsequent Moviefilm" des britischen Komikers Sacha Baron Cohen vom Feld, was als große Überraschung gewertet wurde; er hatte darin auf gewohnt satirische Weise das Trump-Amerika porträtiert und konnte mit seiner Darstellung auch den Globe für den besten Komödiendarsteller abräumen. In seiner Ansprache dankte Baron Cohen "einem neuen Talent, der diesen Film besonders macht: Die Mitwirkung von Rudy Giuliani". Der Trump-Anwalt hat ein paar denkwürdige, unfreiwillige Auftritte in dem "Borat"-Sequel.

Bei der besten Nebendarstellerin hatte sich die erst zwölfjährige Deutsche Helena Zengel für den Western "Neues aus der Welt" Hoffnungen machen dürfen – sie ging jedoch leer aus, und zwar zugunsten von Jodie Foster, die für "The Mauritanian" ausgezeichnet wurde. Auch sie nahm die Auszeichnung auf ihrer Couch an, "in entspannter Atmosphäre, und doch mit dem Gefühl, dabei zu sein". Es scheint, als würde sich Hollywood langsam an die Einschränkungen der Pandemie gewöhnen – und ihnen ein paar Vorteile abgewinnen.

Rosamunde Pike erhielt den Golden Globe als beste Hauptdarstellerin in der Sparte Komödie/Musical – ihre eiskalte Performance als Sachwalterin betagter, reicher Klienten in "I Care a Lot" beeindruckte die HFPA und dürfte ihr auch eine Oscarnominierung sichern.

Keine Überraschungen gab es bei den Animationsfilmen: Dort ging Disneys "Soul" als Sieger vom Platz. Und beim besten fremdsprachigen Film gewann der auf koreanisch gedrehte US-Beitrag "Minari" von Lee Isaac Chung – er stach unter anderem den als Favoriten gesetzten dänischen Film "Another Round" mit Mads Mikkelsen aus.

Triumph für "The Crown"

Die Golden Globes sind auch ein Fernseh-Preis, und zu den Abräumern des Jahres zählten gleich zwei Netflix-Produktionen (wie überhaupt der Streaming-Sektor die Preisverleihung fest in der Hand hatte): Für "The Crown" regnete es gleich vier Preise: beste Dramaserie, für Josh O’Connor als Prinz Charles in der besten männlichen Drama-TV-Rolle, für Emma Corrin als Prinzessin Diana in der gleichen weiblichen Kategorie und für Gillian Anderson, die Margaret Thatcher verkörperte und dafür den Globe für die beste TV-Nebenrolle bekam. Zweiter großer Seriensieger des Abends: "Das Damengambit" wurde zur besten Mini-Serie gewählt, Hauptdarstellerin Anya Taylor-Joy erhielt den Globe in der Kategorie "Beste Darstellerin in einer Mini-Serie".

Die HFPA konnte von der Kritik an ihr mit der Preisvergabe ein wenig ablenken. Doch ist sie auch Sinnbild für ein Hollywood, das immer noch diskriminiert, wie auch die 83-jährige Jane Fonda meinte, die den Cecil-B.-DeMille-Preis erhielt: "Es geht darum, wer einen Platz am Tisch angeboten bekommt und wen wir nicht in den Raum lassen, wo die Entscheidungen gefällt werden", sagte sie. Man müsse "auf der Höhe der Zeit" mit der sich entwickelnden Diversität sein. "Kunst hat immer den Weg nach vorne aufgezeigt. Also, lasst uns Anführer sein."