Zugegeben, es ist etwas befremdlich, die Festival-Arbeit, die man gewöhnlich auf roten Teppichen, in vollen Kinosälen, in Interview-Runden oder an engen PC-Plätzen verrichtet, dieses Jahr im eigenen Büro zu erledigen. Aber es hat auch sein Gutes: Immerhin kann die Filmkunst auf diese Weise ihre nun doch schon monatelang andauernde Zwangspause ein paar Tage unterbrechen. Wie im Fall der diesjährigen Berlinale, deren physische Version im Februar pandemiebedingt gestrichen wurde. Von 1. bis 5. März jedoch können Branchenvertreter und die Presse immerhin das etwas reduzierte Programm online streamen. Sämtliche Berlinale-Sektionen sind dabei, allen voran der 15 Filme umfassende Wettbewerb.

Die Berlinale zeigt ihre Filme am hauseigenen "Berlinale Media Server", der mit persönlicher Akkreditierung erreichbar ist und bei dem die Filme jeden Tag wechseln. Pro Tag stehen Filme aus allen Sektionen zur Auswahl, jeder davon ist für genau 24 Stunden online und kann danach nicht mehr abgerufen werden. Das soll die Sicherheit in Bezug auf Raubkopien erhöhen. Richtiges Festivalfeeling kommt dabei allerdings nicht auf.

Die Berlinale-Chefs Mariette Rissenbeck und Carlo Chatrian machen heuer das Beste aus der Situation und wollen die Berlinale im Juni für Publikum nachholen. - © Katharina Sartena
Die Berlinale-Chefs Mariette Rissenbeck und Carlo Chatrian machen heuer das Beste aus der Situation und wollen die Berlinale im Juni für Publikum nachholen. - © Katharina Sartena

Und auch die sonst so begehrten Interviews mit Regisseuren und den Schauspielern gestalten sich in diesem Jahr etwas anders: Via Zoom-Konferenz können Akkreditierte sich anmelden und bei Pressekonferenzen dabei sein. Mit der virtuell erhobenen Hand können dann auch Fragen gestellt werden.

Damit Kritiken zu den Filmen nicht völlig ungeordnet erscheinen, gibt es für die meisten eine Sperrfrist, bis zu der nichts veröffentlicht werden soll. Am ersten Festivaltag standen bereits einige der vielversprechenden Filme des Wettbewerbs auf dem Programm: Etwa "Introduction" von Hong Sangsoo oder "Ich bin dein Mensch" von Maria Schrader. Filme, die auch eine große Projektionsfläche benötigen – das Heimkino ist hierfür kein Ersatz. Das weiß auch die Berlinale – und will seinem Publikum die Filme im Juni in den Kinos nachreichen, sofern das Infektionsgeschehen es zulässt.

Traurig ist jedenfalls die Tatsache, dass das Festivalgelände am Potsdamer Platz schon seit dem Vorjahr verwaist ist. Das Einkaufszentrum "Arkaden" hat geschlossen – so viel Gedränge wie auf dem Foto oben wird es dort nicht mehr geben. Es waren bereits Gerüchte um einen Standortverlegung der Berlinale zum Zoo Palast zu hören, doch diese Frage ist coronabedingt erst einmal vom Tisch. Die Berlinale spielt nämlich jetzt zuhause, ganz egal, wo das ist.