Die Tochter jubelt: "Schreib das rein, Papi! Schreib: Es gibt Gute und Böse, und es ist sehr spannend." Eine Vorführung von Disneys neuestem Streich "Raya und der letzte Drache" will ob der Corona-Sperre der Kinos am Heimcomputer auch dazu genutzt werden, gleich die Reaktionen der Zielgruppe einzufangen - und mit knapp sechs Jahren ist man da voll dabei. Also hat Papi alle Reaktionen brav aufgeschrieben. Und sich auch selbst Gedanken gemacht.

Disneys Taktik, seine prestigeträchtigen Produktionen direkt auf dem hauseigenen Streaming-Portal Disney+ zu veröffentlichen, ist nicht neu: Schon mit "Mulan" hat man im Sommer 2020 dieses Experiment gewagt - und offenbar so gut an den Kinos vorbei verdient, dass man auch mit dem neuen Animations-Abenteuer diese Verwertungsweise versucht. Ab Freitag, dem 5. März, wird "Raya und der letzte Drache" exklusiv auf Disney+ zu sehen sein. Abonnenten müssen dafür die stolze Extrasumme von 21,99 Euro hinlegen.

Versteinerte Drachen

Die Vorab-Sichtung der Pressekopie wird da natürlich umso exklusiver - Popcorn und Almdudler dürfen nicht fehlen. Es geht los, die Disney-Maschinerie läuft gut geschmiert über die Leinwand - oder besser: über den Rechner. Aber das kleine Bildformat ist schnell vergessen, denn die Story fesselt sofort: Es geht um eine Kriegerin, die sich Raya nennt, und ihre Heimat ist, nachdem das Böse über sie kam, total zerstritten und in fünf Teile zerfallen: in Schweif, Klaue, Kamm, Zahn und Herz - allesamt Körperteile eines Drachen. Doch die Drachen sind vom Bösen versteinert worden, und jetzt gilt es, den letzten verbliebenen Drachen zu finden, mit dem man die steinernen Objekte wieder lebendig machen kann. Dazu gehört das Drachenjuwel, ein Kristall, das das Böse abhält (genau wie das Wasser) - blöd nur, dass der Kristall in der Geltungssucht der fünf verfeindeten Stämme in fünf Teile zerbricht. Zuerst müssen die Teile gefunden werden, ehe es vielleicht den Funken einer Hoffnung auf "wieder gut" geben kann.

Disney legt sich mächtig ins Zeug, um aus dieser Story einen Blockbuster zu machen. Immerhin gibt es hier keine Liedchen zum Mitträllern, wie das in der "Eiskönigin" der Fall war. Was der Tochter allerdings egal ist. "Die Action ist so spannend, Papi", schreit sie, als sie die (jugendfreien) Kampfszenen und epischen, digital animierten Kamerafahrten in sich aufsaugt. Und tatsächlich hat Disney hier erneut alle Register gezogen, sein jugendliches Publikum zu begeistern: Vielleicht ist es mit dem Wortwitz für Erwachsene hier nicht so weit her wie in anderen Disney-Familienfilmen, aber die Perfektion der Animation und die "Wir retten unsere Welt"-Attitüde sind einfach unschlagbar.

Die Action ist weiblich

Hinzu kommt, dass hier alle relevanten Charaktere Frauen sind; Disney hat verstanden, dass man 2021 keine Kerle mehr in ein Abenteuer schicken kann, deren Frauen daheim am Herd warten, und man hat auch verstanden, dass die Protagonistinnen hier vor allem eines haben: Schneid. Unsereins versteckt sich vor Angst hinterm Drachenjuwel, aber Raya hat keine Angst. Vor allem nicht, als sie den letzten Drachen findet, der eigentlich eine Drächin ist: Sisu (im Original gesprochen von Awkwafina) ist der Inbegriff von ulkig, urig und lässig - und kann sich auch in Mädchengestalt zeigen. "Wir können uns gegenseitig bekämpfen, oder wir stehen für eine bessere Welt", sagt Raya zu den verfeindeten Stämmen - und Sisu faucht dazu. Doch die Stämme machen nicht mit. "Das musst du schreiben, Papi: Es sind hier viele Böse im Film!"

Keine Angst, alles wird gut! "Woher weißt du das?" Weil das meistens so ist bei Disney-Filmen. Und siehe da, die ganze Anstrengung ist der Mühe wert, und man findet alle Teile des zersplitterten Kristalls. Doch was dann? Wird das Böse besiegt werden? Das Böse, das hier vor allem Undercut-Frisuren trägt, in silbergrauer Färbung. Der Vorteil: Diese Frisur hängt dir beim rasanten Schwertkampf nicht ins Gesicht!

Unterwegs trifft man auf Gaunerbabys und Furzbomben. Letztere furzen und explodieren dann. Die Tochter liegt flach vor Lachen.

Doch dann kommt der absolute Höhepunkt: "Es gibt eine Wasserenergie der Drachen", schreit die Tochter vollends vom Disney-Virus beseelt. Sisu und die steinernen und vor allem magischen Drachen, sie stehen vor einer Renaissance. "Alle Magie wird sich verbinden, für das Drachenjuwel", frohlockt die Tochter. Am Ende kommt raus: Es geht um Vertrauen und um das korrekte Miteinander. Wie in jedem Disney-Film. "Und schreib das rein, Papi: Die Gaunerbabys und die Furzbomben. Die Furzbomben sind das Beste!"