Es war das, was man den absoluten Albtraum eines Holly-wood-Produzenten nennen kann: Die Dreharbeiten und die Entstehungsgeschichte des Monumentalfilms "Cleopatra" (1963). Noch einmal wollte man bei 20th Century Fox das schon im Niedergang befindliche Sandalenfilmgenre beleben, mit einer Produktion, die alles bisher Dagewesene in den Schatten stellen sollte. Die 44 Millionen Dollar Budget, inflationsbereinigt heute rund 370 Millionen Dollar, machten "Cleopatra" zum teuersten Film aller Zeiten. Das Geld war schnell aufgebraucht: 79 verschiedene Sets wurden gebaut, 26.000 Kostüme für die Massenszenen geschneidert. Das Forum Romanum wurde in Cinecitta nachgebaut, und zwar drei Mal so groß wie das Original. Allein die Kostüme für Liz Taylor, die hier in der Hauptrolle auftrat, kosteten 200.000 Dollar, darunter befand sich auch ein Kostüm mit 24-Karat-Gold-Besatz.

Mega-Besetzung

Die Lebensgeschichte von Kleopatra für das Kino aufzubereiten, das funktioniert nur mit der richtigen Besetzung: Neben Taylor war ihr späterer Mann Richard Burton (den sie gleich zweimal ehelichte) als Mark Anton zu sehen, Rex Harrison spielte Julius Cäsar. Soweit war man sich bei Fox sicher, einen großen Kassenknüller zu landen, doch es ging einiges schief: Weder Drehbuch noch Ausstattung waren rechtzeitig zu Drehbeginn fertig. Liz Taylor erkrankte mehrmals während der Dreharbeiten, was monatelange Verzögerungen bedeutete. Taylor bestand darauf, dass der Film im ToddAO-Breitwandformat gedreht wurde, das ihr 1958 verstorbener Mann Michael Todd entwickelt hatte und an dem sie als Erbin kräftig mitverdiente. Insgesamt verdiente Taylor aufgrund ihres Vertrages und als Mitproduzentin des Films sieben Millionen Dollar (heute sind das 60 Millionen) – und das, obwohl die Kinoauswertung zunächst hinter den Erwartungen zurück-blieb. Erst 1973 konnte Fox einen Break Even verzeichnen, bis dahin geriet das Studio wegen der Kosten mehrmals an den Rand des Ruins.

Nach den Dreharbeiten wollte Regisseur Joseph L. Mankiewicz aus dem Material gleich zwei Filme von je drei Stunden Länge schneiden: "Cäsar und Cleopatra" und "Mark Anton und Cleopatra". Doch der neue Studioboss Darryl F. Zanuck durchkreuzte den Plan: Er wollte, dass nur ein Film erschien, und bei der Länge von drei Stunden war Schluss. Das hatte einen Hintergrund: Weil sich Taylor und Burton am Set ineinander verliebten und die Presse davon Wind bekam, gerieten die beiden Weltstars nicht mehr aus den Schlagzeilen. In Mankiewicz‘ erstem Film wäre Burton gar nicht vorgekommen, erst im zweiten. Zanuck befürchtete daher, dass die Zuschauer, die nach dem neuen Traumpaar gierten, dem ersten Film fernbleiben würden.
Am Ende waren die Kritiken der Presse verheerend, vor allem für Liz Taylor. Immerhin gab es vier Oscars, aber ausschließlich in den technischen Kategorien. Zwar war "Cleopatra" der einträglichste Kinofilm des Jahres 1963, blieb aber dennoch weit hinter den Erwartungen zurück. Danach war man vorsichtig geworden mit Großproduktionen wie diesen. "Cleopatra" markiert das Ende des Monumentalfilm-Booms.

Neustart

Doch ausgerechnet diese Geschichte könnte nun für ein neuerliches Aufleben des Genres sorgen. Derzeit befindet sich nämlich ein Remake in Vorbereitung, mit "Wonder Woman" Gal Gadot in der Rolle Kleopatras. Das Erfolgsduo Gadot und Regisseurin Patty Jenkins soll ein frisches, feministisches Licht auf die Story werfen, die von Drehbuchautorin Laeta Kalogridis adaptiert wurde. Ein Frauen-Dreamteam, das jedoch schon vor Drehstart mit Problemen zu kämpfen hatte: Die israelische Schauspielerin Gadot wäre zu weiß, um Kleopatra zu spielen, meinten Kritiker. Das Problem ist komplexer und von rassistischer Natur: Darf eine Israelin eine Ägypterin spielen, die eigentlich aus Mazedonien stammt? Und gilt eine Jüdin als Nordafrikanerin? Im Netz wurde dazu heftigst debattiert. "Menschen sind Menschen, ich möchte das Erbe von Kleopatra feiern und diese großartige historische Ikone ehren, die ich so bewundere", kommentierte Gadot knapp. Und hofft, dass dies die einzigen Schwierigkeiten bei der Neuauflage von "Cleopatra" sein werden. Nicht auszudenken, wenn da nur ein Bruchteil von dem schiefläuft, was 1963 schieflief. Dann wäre der Neustart des Genres vermutlich abgesagt.