Die Probeaufnahmen zu "Quo Vadis?", die Peter Ustinov 1950 absolvierte, waren tadellos. Er zeigte als verrückter, machtbesessener Kaiser Nero die ganze Bandbreite menschlicher Abgründe und zugleich die beinahe kindlich-naive Draufsicht des Diktators auf sich selbst. Doch MGM zögerte beinahe ein Jahr lang, Ustinov die Rolle zu geben. Für die Studiobosse wirkte der damals 30-Jährige viel zu jung, zu pausbäckig. Ustinov musste die Sache also selbst in die Hand nehmen: "Wenn ihr noch länger wartet, bin ich zu alt. Nero starb nämlich mit 31 Jahren", soll er MGM telegrafiert haben. Daraufhin bekam er die Rolle.

Diese kleine Episode zeigt schon, wie Sir Peter Ustinov zeitlebens mit den kleinen und großen Schwierigkeiten umging. Er hatte Zielstrebigkeit und war darin mit viel Selbstbewusstsein ausgestattet. Das konnte er leicht aufbauen, denn Ustinov war das, was man ein "Multitalent" nennen konnte. Seine Schauspielerkarriere machte ihn weltbekannt, zweimal hat er den Oscar gewonnen (für "Spartacus" und "Topkapi", jeweils als bester Nebendarsteller), aber abseits dieser schillernden Welt war Ustinov auch als Autor von satirischen Dramen bekannt, zum Beispiel "Romanoff und Julia" (1956). Seinen Namen setzte er auch unter Essays, Kolumnen, Romane, Novellen und Drehbücher. An der Oper inszenierte er Mozarts "Zauberflöte" und "Don Giovanni". Er konnte Kostüme entwerfen und Karikaturen zeichnen und trat auch als Conferencier im Fernsehen auf. Dabei war es ihm ganz egal, wo auf der Welt man ihm zusah, denn Ustinov sprach fließend Französisch, Deutsch, Englisch, Italienisch, Russisch und Spanisch. Ganz passabel beherrschte er auch Türkisch und Griechisch. Als Unicef-Botschafter und Gründer der Peter Ustinov Stiftung setzte er sich für arme Kinder ein.

Am 16. April 1921, vor genau 100 Jahren, erblickte Peter Alexander Freiherr von Ustinow in London das Licht der Welt. Sein Vater Jona Freiherr von Ustinow hatte russische, polnische, äthiopische und deutsche Wurzeln, seine Mutter Nadezhda Leontievna russische, italienische und französische. Ustinov bekam multikulturelle Einflüsse schon als Kind mit – später wird er von sich sagen, dadurch bekennender Kosmopolit geworden zu sein. "Ich wurde in St. Petersburg gezeugt, in London geboren und in Schwäbisch-Gmünd evangelisch getauft", witzelte Ustinov gerne, und auch: "Ich bin ethnisch sehr schmutzig und sehr stolz darauf."

Seine Eloquenz durfte er nach Ende des Zweiten Weltkriegs, wo er als Soldat bei der britischen Armee eingesetzt wurde, mit ersten Filmprojekten unter Beweis stellen. Ustinov war in Filmen wie "Lola Montez" (1955), "Die Stunde der Komödianten" (1967) oder "Das Millionending" (1968) zu sehen, ehe er mit der Verkörperung des Hercule Poirot in "Tod auf dem Nil" (1978) endgültig zum weltweiten Publikumsliebling avancierte. Mehrmals noch trat er in den 1980er Jahren als Poirot in TV-Produktionen auf.
Dass der 2004 verstorbene Ustinov in vielen seiner Rollen tragische und komische Elemente miteinander so mühelos zu verbinden wusste, lässt sich sowohl bei Nero als auch bei Poirot feststellen. Den Grund dafür nannte das Universalgenie Ustinov einmal in einem Interview: "Eine gute Komödie macht aus, dass sie auf lustige Art ernst ist."