Mit dem ersten Lockdown vor einem Jahr stand die gesamte heimische Filmwirtschaft von einem Moment auf den anderen still. Einerseits durften aufgrund der Corona-Abstandsregeln keinerlei Filmdreharbeiten mehr stattfinden, was so manche Produktion mittendrin erwischte, andere konnten erst gar nicht starten. Andererseits war es auch am anderen Ende des Filmschaffens dunkel: Den Kinos wurde das Licht ausgeknipst - und derzeit ist immer noch nicht absehbar, wann die Lichtspielbetriebe wieder öffnen können, mit welchen Auflagen und vor allem mit welcher Belegung. "Davon wird sehr stark abhängen, ob sich ein Öffnen überhaupt wirtschaftlich rechnet", erläutert Christian Dörfler vom Wiener Haydn-Kino, zugleich Obmann im WKO-Fachverband der Kino-, Kultur- und Vergnügungsbetriebe.

Trotz der Pandemie konnte ab dem Sommer dank neuer Regelungen wieder gedreht werden, viele hat das aber dennoch aus dem Konzept gebracht. Regisseurin Sabine Derflinger ("Die Dohnal") erwischte der erste Lockdown eiskalt. "Ich war damals gerade zu einer Drehortbesichtigung in Venedig, wo ich einen TV-Zweiteiler hätte drehen sollen", erzählt Derflinger. "Der Zweiteiler wurde natürlich vorerst abgesagt." Zwischen April und Juli dieses Jahres sollen die Dreharbeiten nun nachgeholt werden. Für Derflinger erfreulich, "aber natürlich ist 2020 sozusagen ausgefallen".

"Ich habe viel Zeit mit dem Schreiben verbracht"

Arash T. Riahi ist von Corona als Filmemacher und als Produzent betroffen. - © apa / Herbert Pfarrhofer
Arash T. Riahi ist von Corona als Filmemacher und als Produzent betroffen. - © apa / Herbert Pfarrhofer

Die Regisseurin konnte sich mit Tantiemen aus bisherigen Filmen und TV-Ausstrahlungen über Wasser halten und nutzte die Zeit für neue Projekte: "Ich habe sehr viel Zeit mit Schreiben verbracht, habe neue Projekte und Drehbücher begonnen und weiterentwickelt." Ihre geplante Doku mit und über Alice Schwarzer musste coronabedingt auch warten. "Wir konnten immer nur für wenige Tage am Stück drehen, die Lesereise, die ich mit Frau Schwarzer anlässlich ihres Buches unternehmen wollte, um sie filmisch zu begleiten, ist natürlich ebenfalls ins Wasser gefallen." Derflinger hofft aber, dass ab dem Zeitpunkt einer flächendeckenden Impfung wieder Normalität einkehrt.

Da ist sie der gleichen Meinung wie Arash T. Riahi. Der Filmregisseur und Produzent ("Golden Girls Filmproduktion") beklagt, dass in der Krise "alles relativ schleppend vorangeht. Ich habe eine Koproduktion am Start, die von österreichischer Seite bereits finanziert ist, aber wo die internationalen Partner noch zuwarten müssen. Beim ersten Lockdown hatten wir das Glück, dass gerade zwei, drei Filme abgedreht waren und wir die Zeit nutzen konnten, sie in großer Sorgfalt zu schneiden", sagt Riahi.

Der Filmemacher kann dem Lockdown grundsätzlich auch Positives abgewinnen: "Man hat die Zeit, sein Leben neu zu überdenken, einen neuen Fokus zu setzen. Ich habe das in Hinblick auf meine Arbeit vor allem dann umgesetzt, wenn es um die Vorplanung, die Entwicklung neuer Filme ging. Wir hatten mehr Zeit zu schreiben und Ideen zu sammeln." Gemeinsam mit seinem Team werkte Riahi während des gesamten Jahres an gut 20 bis 30 Filmideen. Das Ideen-Sammeln sei aber kein Dauerzustand, irgendwann müsse man sie auch in die Tat umsetzen können, so Riahi. "Darauf hoffen wir zumindest stark."

"Kein Unterschied zwischen Beruf und Privat mehr"

Trotz der kreativen Ergüsse belastete die Pandemie aber auch die Nerven des Regisseurs: "Man hat nicht weniger Arbeit, im Gegenteil. Doch es ist schwierig, wenn irgendwann der Punkt kommt, an dem man im Homeoffice sitzt und zwischen Privatleben und Arbeit nicht mehr unterscheidet. Das ist kein Dauerzustand."

Unterdessen bleibt den Mitgliedern der Filmbranche nur das Abwarten: Ohne Kinos fehlt ihnen die Bühne, und alle sind darauf angewiesen, dass die staatlichen Unterstützungen so lange weiterlaufen, bis an eine Wiedereröffnung zu denken ist. "Finanziell war das Jahr 2020 für uns alle jedenfalls eine Katastrophe", so Derflinger.