Die Fakten sind recht eindeutig: Nur rund 30 Prozent des in Österreich zur Verfügung stehenden Förderbudgets für die Filmherstellung geht an Frauen, und zwar in Schlüsselpositionen wie Regie, Produktion, Kamera oder Drehbuch. "Das hat nichts damit zu tun, dass Frauen bei Förderentscheidungen bewusst diskriminiert werden, sondern vor allem damit, dass es zu wenige Frauen bis vor die Kommission schaffen, die über Projektvergaben entscheidet", so die Filmproduzentin und einstige Diagonale-Leiterin Barbara Pichler. "Die heimische Filmlandschaft ist nach wie vor mehrheitlich in männlicher Hand".

Pichler ist eine der Mitinitiatorinnen der Petition "No Change Without Change", bei der viele prominente heimische Filmschaffende an Bord sind. Gemeinsam fordert man die lange schon angestrebte, aber bislang nur schwer umzusetzende Gleichstellung zwischen Frauen und Männern innerhalb der Filmbranche. Gerade seit Aufkommen der #MeToo-Bewegung ist diese stark im Wandel begriffen; anders gesagt: Man hat heute die Chance, mit solchen Forderungen zumindest gehört zu werden bei den zuständigen Stellen. Das war vorher nicht der Fall.

1500 Unterschriften sind schon gesammelt

Die Bewegung ist immerhin schon 1500 Stimmen stark: So viele Menschen haben die Petition bereits unterzeichnet. Gerade erst wurde sie der zuständigen Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer übergeben, die Verständnis für die Anliegen der Filmbranche zeigt: "Wir haben im Filmbereich klaren Aufholbedarf in Bezug auf die Geschlechtergerechtigkeit. Ich werde meinen Teil zur Verbesserung der Situation beitragen", versichterte Mayer angesichts der Überreichung der Petition.

Initiiert wurde die  Aktion von Mitgliedern des Verbandes Filmregie. Auch viele Publikumslieblinge wie Josef Hader, Claudia Kottal, Caroline Peters oder Simon Schwarz haben die Petition unterschrieben. Außerdem findet man Rückhalt bei Hunderten Mitgliedern der Branche, die vor allem hinter den Kulissen tätig sind. Hier ist man in vielen Filmberufen noch weit von Geschlechterparität entfernt, etwa bei den Kameraleuten, den Regisseuren, Tonmeistern oder Produzenten.

Auch viele Institutionen der heimischen Filmbranche haben unterzeichnet, darunter die Verbände der Kameraleute, der Editoren, der Filmtonschaffenden, der Szenen- und Kostümbildner, die Dokumentarfilmer von dok.at oder der Fachverband der Film- und Musikwirtschaft in der WKO.

"Diese große Solidarität innerhalb der Branche in der Frage der Geschlechtergerechtigkeit haben wir nach Jahren der polarisierten Diskussion um die Quote nicht erwartet", sagt Regisseurin Elisabeth Scharang, ebenfalls von Beginn an dabei bei der Aktion. "Es hat sich herumgesprochen, dass ein gerechteres, diverseres Vergabesystem letztlich der gesamten Branche zugutekommen wird."

"Es braucht eine klare Haltung der Politik"

Daran glaubt auch Regisseur Michael Palm: "Es geht um die Veränderung von Machtstrukturen. Wer bestimmt, welche Geschichten und Bilder in Filmen entworfen werden; welche Talente auf den Filmschulen und Kunstuniversitäten ausgebildet werden; nach welchen Kriterien an wen Fördergelder verteilt werden. Diese politischen Fragen prägen die Bilder, die eine Gesellschaft von sich macht". Und Barbara Pichler ergänzt: "Es braucht eine klare Haltung der Politik und der Förderinstitutionen, dass mehr Filme gewünscht sind, in denen Frauen Regie führen, Drehbücher schreiben oder als Produzentin agieren. Die Quote ist dafür ein wirksames Instrument, unterstützt von weiteren Maßnahmen, die Frauen auf ihrem Berufsweg unterstützen. Das wird eingefahrene Systeme aufbrechen und eine neue Dynamik herstellen. Denn es gibt die professionellen und talentierten Frauen in allen Bereichen unserer Branche - wir müssen sie nur sichtbar machen".

Die Petition zum Unterzeichnen: https://mein.aufstehn.at/petitions/no-change-without-change