Es liegt eine gewisse Pikanterie in der Tatsache, dass man James Dean zu einer "Motorlegende" stilisiert, so wie das nun in einem neuen Buch aus dem Motorbuch-Verlag geschieht; schließlich ist Dean, der heuer am 8. Februar seinen 90. Geburtstag gefeiert hätte, am 30. September 1955 mit nur 24 Jahren am Steuer seines Porsche 550 Spyder in den Unfalltod gefahren - da wirkt es etwas makaber, ihn als "Motorlegende" hinzustellen.

Und doch: Autor Siegfried Tesche findet einen Twist, sich dem Thema ganz unzynisch und auch fundiert zu widmen, nämlich: Die Mysterien aufzuklären (oder zumindest ein wenig zu entwirren), die sich um James Deans Tod ranken; ist er nun in einem Porsche 550 Spyder gestorben oder in einem Porsche 356 Speedster? Wie passt es zusammen, dass er diesen Speedster laut einigen Quellen im November 1954 gekauft haben soll, laut anderen aber erst Anfang 1955? Stimmt es, dass er sich just zum Zeitpunkt seines Unfalls endlich einmal an die Geschwindigkeitsbegrenzung hielt und der Unfall deshalb passierte, weil ein anderes, schwereres Fahrzeug ein Stoppschild überfahren hatte? Andere Quellen behaupten, an der Unfallstelle habe es gar kein Stoppschild gegeben.

Von seinem Porsche blieb nicht viel übrig. - © dpa / UPI / A0001
Von seinem Porsche blieb nicht viel übrig. - © dpa / UPI / A0001

Im Geschwindigkeitsrausch

Wie immer dieser Unfalltod, diese Initialzündung für einen Mythos tatsächlich abgelaufen ist, es gibt auch verbriefte Wahrheiten zu James Dean, und dazu gehören seine Liebe zu viel PS und zur Firma Porsche einerseits, und sein Spitzname "One Speed Dean" andererseits, der ihm schon zu Lebzeiten den maximalen Geschwindigkeitsrausch attestierte, mit dem er sich in seiner Freizeit gerne auseinandersetzte.

Autor Tesche unternimmt in seinem Buch daher eine akribische Recherche, wie es zu dem Unfall kam; damit eröffnet er sein Buch: "Ich beginne mit einer detaillierten Rekonstruktion der letzten acht Tage seines Lebens zum 30. September 1955, an dem Dean nahe Cholame in Kalifornien auf dem Weg zu einem Autorennen in Salinas in seinem Porsche 550 Spyder tödlich verunglückte", sagt Tesche. Und findet im Zuge der Recherchen doch den einen seltsamen Umstand: "Alle seine Autos sind verschwunden. Das ist tatsächlich ein Mysterium".

Wie gut, dass der Filmjournalist Tesche im Laufe der Jahre viele Gespräche mit Zeitzeugen führen konnte. Etwa mit Dennis Hopper, der Deans Filmpartner in dessen drei wichtigen Filmen war; oder der deutsche Fahrer Herbert Linge, der Dean nicht nur persönlich kannte, sondern auch den Mann ausbildete, der an der Seite Deans in den Tod raste: der Porsche-Mechaniker Rolf Wütherich.

Von Lenksäule aufgespießt

Der Tag von Deans Tod ist gespickt von Vorwegnahmen des schlimmen Ereignisses: James Dean und Rolf Wütherich sind schnell unterwegs nach Salinas, Dean hat gerade seinen Film "Giganten" abgedreht. An einer Tankstelle bekommt er einen Strafzettel, weil Dean zu schnell unterwegs ist. Der Polizist Otie Hunter sagt zu ihm: "Wenn Sie nicht langsamer fahren, dann kommen Sie nie nach Salinas."

Und so war es: Gegen 17.45 Uhr kollidierte Deans Porsche auf der Route 466 an der Kreuzung der Highways 41 und 46 mit dem Ford Tudor Custom von Donald Turnupseed. Der Linksabbieger wurde von Dean vorne links frontal getroffen. "Sein Kopf war unverletzt, aber sein Oberkörper war von der Lenksäule aufgespießt wie vom Horn eines Stiers", gab der Polizist Ernie Tripke später zu Protokoll. Turnupseed hatte übrigens nur ein paar Kratzer davongetragen.

Bei Deans Beerdigung wusste Reverend Xen Harvey bereits, dass hier der Grundstein zum Mythos gelegt wurde. "Die Karriere von James Dean ist nicht zu Ende. Sie hat gerade begonnen. Denken Sie daran, Gott selbst inszeniert diese Produktion", sagte er in seiner Trauerrede.

Siegfried Tesches Buch ist aber nicht nur eine minutiöse Rekonstruktion von James Deans letzten Tagen, es feiert auch den vielversprechendsten Star, den Hollywood damals hatte. Die Filmplakate der Studios verhießen Dean schon damals eine "lasting impression" (einen bleibenden Eindruck), "and he becomes a new star" - er wird zum neuen Star in "Jenseits von Eden". Der Film brachte ihm den Durchbruch. Zwei weitere sollten folgen, es ist die kürzeste Karriere in Hollywood mit den längsten Nachwirkungen: Dean ist bis heute eine Legende.

Das Erfrischende an "Motorlegenden: James Dean" ist auch der Blick über den Unfall hinaus: Hier kommen in einem eigenen Kapitel sehr umfassend Deans Leidenschaften zur Sprache, die Motorräder, die Autos, die Sucht nach Geschwindigkeit. Die Zeitzeugen-Interviews runden das Buch anschaulich ab. Mehr Einblick in das kurze Leben einer Legende ist kaum möglich.