Wien. Der provokante Querdenker und Kino-Vordenker Amos Vogel (1921 bis 2012) wäre am 18. April 100 Jahre alt geworden. Anlass genug, den gebürtigen Wiener entsprechend zu feiern, und zwar im (derzeit nur online bestehenden) Programm des Österreichischen Filmmuseums. Dort rollt man Vogel den roten Teppich aus, weil er Film als subversive Kunst betrachtete und damit gängigen Rezeptionen von Film entgegenarbeitete. Das Filmmuseum plant Veranstaltungen, "die eine Kartographie von seinem Verständnis von Film als Subversion entwerfen und die ab der Wiedereröffnung unseres Kinos bis zum Jahresende stattfinden werden", heißt es.

Vogel war Gründer und Kurator von "Cinema 16" (1947 bis 1963), einem der bedeutendsten Filmklubs der USA mit Schwerpunkt auf unabhängigem Film, außerdem Gründungsdirektor des New York Film Festival, das er zwischen 1963 und 1968 programmierte, mit Fokus auf zeitgenössische Avantgarde. Als Autor des filmtheoretischen Standardwerks "Film als subversive Kunst" (1974) genießt er bis heute großes Ansehen, als Professor für Film Studies an der Annenberg School for Communication der University of Pennsylvania, als Vortragender, Kritiker und Berater für zahlreiche Filmfestivals machte er sich einen internationalen Namen.

Zensurierte Filme

Vogel, der 1921 in Wien als Amos Vogelbaum zur Welt kam und 1938 vor den Nazis aus Österreich flüchten musste, gelangte über Havanna nach New York, wo er sich für verpönte, widerspenstige und zensurierte Filme einsetzte. "Eine offizielle Einladung an Amos Vogel in seine Heimatstadt Wien erging erst im Jahr 1993, anlässlich des von Synema veranstalteten Symposiums ‚Aufbruch ins Ungewisse‘ im Rahmen der Viennale unter der Leitung von Alexander Horwath und Wolfgang Ainberger", so das Filmmuseum über die späte Annäherung zwischen Vogel und seiner Heimat.

Heuer soll Vogel im Filmmuseum ausführlich gewürdigt werden: Mit dem "Amos Vogel Atlas" will man Vogels Filmklub "Cinema 16" huldigen. Seit 2018 sind im Filmmuseum schon Programme zu sehen, die an Vogels Art zu kuratieren angelehnt sind - allesamt Filme, die Kunst, Avantgarde, Provokation enthalten, getreu dem Motto von "Cinema16": "Filme, die man sonst nirgendwo zu sehen bekommt" -, eine Reihe, die heuer fortgeführt wird. Im "Guckkasten" lässt sich im Filmmuseum (und zum Teil online) die Lebenswelt Vogels nachempfinden, die Schau versammelt Dokumente und Aufzeichnungen zu Vogel und seiner Arbeit. In der "Amos Vogel Library", die das Filmmuseum zugänglich macht, befinden sich mehr als 8.000 Bücher, Zeitschriften und Juvenalia aus Vogels privater Bibliothek. Online veröffentlicht man laufend Fallstudien zu Vogels Arbeit, demnächst soll es unter dem Titel "Amos Vogel Lectures" auch Vorträge, Seminare und Lehrveranstaltungen geben - sofern Corona es zulässt.

Als Höhepunkt wird man im Herbst im Rahmen der Viennale deren Retrospektive mit der Schau "Amos Vogel Kosmos" bereichern, in der man sein Credo fortführen will und auch sein Verständnis für die Filmkunst: "Im Grunde ist jedes Kunstwerk so subversiv, wie es schöpferisch ist und mit der Vergangenheit bricht, statt sie zu wiederholen."