Man muss ganz ehrlich sagen: Filme, in denen ein Haus den Protagonisten das Fürchten lehrt, sind leider sehr zahlreich im Genre der Horror-Mystery-Thriller, und zumeist geht es nach anfänglichen Andeutungen über das Übel und den Fluch, der auf der jeweiligen Immobilie lastet, auch ganz blutig weiter - Schocker beziehen ihren filmischen Unterhaltungswert nun einmal daraus, das Publikum zu erschrecken.

Das ist bei "Things Heard & Seen" nur bedingt der Fall, denn hier steht zwar auch ein Haus im Mittelpunkt des Interesses, aber es illustriert dann am Ende doch eher eine gescheiterte Ehe der darin lebenden Personen denn die Rache untoter Vorbewohner, die dunkle Geheimnisse offenbaren.

Dass es hier ein bisschen psychologischer zugeht, und dass die Figuren ein ganz reales Leben bewältigen müssen, anstatt in Horrorfantasien abzudriften, kann man dem Film von Robert Pulcini und Shari Springer Berman durchaus zugutehalten.

Gemeinsam haben sie auch das Drehbuch zum Film geschrieben, basierend auf dem Roman "All Things Cease to Appear" von Elizabeth Brundage. Das Ehepaar George (James Norton) und Catherine Clare (Amanda Seyfried) zieht es aufs Land: Von Manhattan, wo man die Zelte abbricht, soll es ins beschauliche Hudson Valley gehen, in Upstate New York gelegen, weil George dort einen Posten als Professor der Malerei an der örtlichen Uni erhält. Catherine ordnet sich seinen Wünschen unter und kompensiert das mit einer Essstörung; im neuen Domizil, ein altes Landhaus, wo ringsum nicht viele Nachbarn wohnen, verschlechtert sich ihre Situation, und auch die vierjährige Tochter sieht schon bald Gespenster. Irgendwas im Haus scheint nicht mit rechten Dingen zuzugehen, als ob in ihm alte, geschundene Seelen von Frauen wohnten, die vor langer Zeit in Menschenkörpern steckten und nun ein Ventil suchten, wieder ans Tageslicht zu dringen.

Parallel zum Spuk entwickelt sich das neue, rurale Leben für den saloppen George zunächst zum scheinbaren Hit: Angesehen als Professor, bald auch dem Liebreiz einer Studentin erliegend, bei der er seinen Samenstau abbaut, tänzelt er einen Tanz mit dem Teufel, während seine Frau sich immer stärker in Verzweiflungen verstrickt, die vom juvenilen Gärtner aus der Nachbarschaft ein wenig gelindert werden. Vor allem, weil er das alte Pianino spielen kann, das im Haus steht. Er spielt es, dass Catherines Seele zerfließt.

Misstöne einer Ehe

Der Gatte ist bald mit einem Problem konfrontiert: Hat er wirklich die Berechtigung, an einer Uni zu lehren, oder hat er sich seinen Abschluss ergaunert? Sein Rektor (gespielt von "Salieri" F. Murray Abraham aus "Amadeus") nimmt George jedenfalls gehörig genau unter die Lupe - mit Folgen.

"Things Heard & Seen" verhandelt die Misstöne einer Ehe, die Qualen eines Mannes, der sich nirgends anerkannt fühlt, und einer Frau, deren Schreie lautlos sind, weil ihr die Kraft fehlt. Das klingt poetisch, und der Film legt genrekonform ein paar falsche Fährten, spielt mit der Gänsehaut der Zuschauer, lässt Doppeldeutigkeiten zu und illustriert vor allem die Schattenseiten des Menschseins. Seyfried und Norton machen ihre Sache gut, die Ungereimtheiten im Plot verzeiht man gütig. Doch letztlich enttäuscht das Ende, und die Frage, wo die Gerechtigkeit für all die Frauen bleibt, die das ominöse Haus jemals bewohnt haben, ist auch eher ungelöst. Ein schaler Beigeschmack zu einem sonst ordentlichen Mystery-Thriller.