Geschichte hautnah nacherleben, das ist das Ziel der beiden Regisseure Mathieu Schwartz und Christian Twente: Sie haben für Arte das Dokudrama "Napoleon - Metternich: Der Anfang vom Ende" gedreht, das einen heiklen Wendepunkt in der Geschichte Europas verhandelt. Es geht um nichts weniger als um Krieg oder Frieden, als sich Kaiser Napoleon I. und Klemens Graf von Metternich am 26. Juni 1813 im Palais Brühl-Marcolini in der Vorstadt Ostra bei Dresden gegenüber sitzen. Beide sind hier, um zu verhandeln, welchen Weg Europa nehmen wird, und für beide steht einiges auf dem Spiel. Ganze neun Stunden dauert das Treffen, es wird diskutiert, gestritten, gedroht und intrigiert.

Metternich (Pierre Kiwitt, r.) und Napoleon (David Sighicelli). - © arte
Metternich (Pierre Kiwitt, r.) und Napoleon (David Sighicelli). - © arte

Napoleon, der damals fast ganz Europa unterworfen hatte, steht mit dem Rücken zur Wand. Für ihn geht es um alles: Denn seine Niederlage in Russland 1812 macht ihn verwundbar. Die Ausgangslage: Nur, wenn Napoleon Metternichs Friedensplan annimmt, bleibt ihm Österreich als Verbündeter, andernfalls droht der Wechsel der Habsburger-Großmacht ins Lager von Napoleons Gegner.

Zwei Mächtige unter sich

Filmisch umgesetzt als Konfrontation in historischem Dekor - und dabei durchaus gefällig gespielt, wenngleich die Doku etwas langatmig gerät - ist "Napoleon - Metternich: Der Anfang vom Ende" vor allem die Chronik eines Schlüsselmoments europäischer Geschichte. Metternich, Österreichs Außenminister, engster Vertrauter des Kaisers und ein Meister der Diplomatie, steht als eiskalter Verhandler da, der mit eiserner Faust vorgeht - auch daheim in Wien kennt und fürchtet man Metternich durchaus. Aber einem "Jahrhundert-Genie", wie Napoleon sich selbst sieht, einfach Bedingungen zu diktieren, das geht bei dem französischen Herrscher gar nicht. Besonders nicht, wenn der Inhalt der Forderungen lautet, sich mit seinen Truppen hinter die Alpen zurückzuziehen - ein Affront, den Napoleon nicht auf sich sitzen lassen will. Er will seine Macht in Europa unter allen Umständen halten. "Die beiden Kontrahenten liefern sich einen verbalen Schlagabtausch, bei dem alle Masken fallen. Napoleon, der nur das Gesetz des Stärkeren kennt, ist unwillig, Frieden zu schließen. Und Metternich, der gekommen ist, um Frieden zu schließen, zeigt sein wahres Gesicht. Es ist das Duell zwischen einem Stern, der gerade aufgeht, und einem Stern, der langsam erlischt", sagen die Regisseure über ihr Doku-Drama.

Zwischen den Spielszenen, die allesamt in Frankreich entstanden, kommen Historiker und Experten zu Wort, die die Vorgänge in einen historischen Kontext setzen. Denn diese Unterredung war tatsächlich der Anfang vom Ende für Napoleon, der sich nur wenige Monate später einer Koalition von Österreich, Russland und Preußen geschlagen geben muss. Am 11. April 1814 unterzeichnet er den Vertrag von Fontainebleau und muss zum ersten Mal in die Verbannung, auf die Insel Elba. Geschichte hautnah, das gelingt hier durchaus stimmig.