Colin Farrell reist als Babysitter ins All. Mit an Bord seines ultramodernen, sterilen Raumschiffs "Humanitas": Ein paar Dutzend gleichaltriger Teenager, die man auf der Erde im Reagenzglas gezüchtet hat und die die Hoffnung der Menschheit sind. Auf der Erde ist es im Sci-Fi-Thriller "Voyagers", neu zu sehen bei Amazon Prime Video, nämlich ziemlich unwirtlich geworden, und da kamen die Wissenschaftler auf die Idee, eine kleine Arche Noah zu bauen, die man mit frischem Menschenmaterial ins All schickt - zu einem 86 Reisejahre entfernten Planeten, auf dem erdähnliche Lebensbedingungen herrschen. Die Krux an der Reise: Die aktuelle Teenager-Besatzung wird den Planeten niemals sehen, weil sie vor Ende der Reise verstorben sein wird; stattdessen soll sie sich an Bord kontrolliert fortpflanzen und dann werden ihre Kinder und Kindeskinder diejenigen sein, die auf dem intakten Planeten eine ganz neue Menschheit gründen werden.

So weit die Theorie. Damit die jungen Raumfahrer allesamt spuren und die Mission nicht gefährden, hat man auf der Erde ein paar Sicherheitsmechanismen für die lange Reise eingebaut. Die Passagiere haben niemals das echte Leben kennengelernt, sondern sind abgeschottet aufgewachsen, um nicht Sehnsüchte nach einem Leben in einer realen Umwelt zu entwickeln. Wie gleichgeschaltete Versuchskaninchen verrichten sie ihre Tages-Routine: Aufstehen, am Schiff an diversen Aufgaben arbeiten, essen, schlafen und vor allem: keine Fragen stellen.

Ein Stamperl in Blau

Zum Beispiel nach dem Stamperl mit einer blauen Flüssigkeit, das man ihnen nach jeder Mahlzeit reicht. Es wird getrunken, das gehört zu den Vorschriften. Und Colin Farrell passt darauf auf, dass diese eingehalten werden, zumindest die erste halbe Stunde.

Doch dann passiert es: Die jungen Menschen brechen aus. Als einer von ihnen einmal sein blaues Safterl nicht trinkt, dämmert es ihm schnell: Das Gesöff ist eine Droge, die den Sexualtrieb unterdrückt, und auch so manch hässliche Boshaftigkeit der menschlichen Natur. Dies erst einmal erkannt und herumerzählt, gibt es an Bord bald kein Halten mehr: Chaos entwickelt sich, denn die Crew bricht zusehends aus den vorgegebenen Bahnen aus und feiert, liebt, hasst und übt Gewalt aus.

Die Mission scheint bald gescheitert, in dem von Neil Burger geschriebenen und inszenierten Weltraum-Thriller "Voyagers", der Parabel auf die Verwerflichkeiten der Menschheit sein will. Burger stellt Fragen nach dem Zusammenleben von Menschen, plakatiert, dass Eigenschaften wie Boshaftigkeit und Missgunst dem Menschen naturgemäß innewohnen, und schlüsselt dabei auch auf, welche Mechanismen daran beteiligt sind, wenn innerhalb von Gruppen der Stärkere die Führung übernimmt und wenn Manipulation und Vorurteile gegenüber Sündenböcken überhandnehmen. Ein bisschen Psychologie also in dieser Weltraum-Kammerspiel-Action. Wobei: So visuell herausragend ist "Voyagers" nicht, es könnte auch als Hörspiel funktionieren. Das alles ist gefällig gemacht und hübsch besetzt, bei Tye Sheridans Figur kommt man jedoch nicht umhin, in ihr ständig Sebastian Kurz als aufstrebenden, grundehrlichen Raumfahrer mit Anführerambitionen zu sehen. Außerdem sind die Stimmungsschwankungen der Kids ziemlich unglaubwürdig und fahrig, aber so ist das wohl, wenn man allein durchs All tingelt. Die Natur des Menschen hält sich an keine Regeln, das will die Erkenntnis dieses Films sein, allein: Der Fortgang der Ereignisse will nicht so recht zu dieser Prämisse passen.