Egal, ob EZB-Banker, Wirtschaftsanalyst oder Broker: Auf die Frage, woher eigentlich das ganze Geld auf der Welt kommt, wissen die Fachleute kaum eine Antwort. Der Grund: Das kapitalistische Wirtschaftssystem ist dermaßen komplex, das man den Durchblick nur schwer behalten kann. Die Folge: Katastrophen wie die Finanzkrise 2007. Wissen die Finanzler dieser Welt eigentlich wirklich nicht, was sie tun?

Carmen Losmann hat für ihre Doku "Oeconomia", die als einer der ersten Filme nun wieder die Leinwände der Kinos bespielt, den Versuch unternommen, einfache Fragen beantwortet zu bekommen. Allein: Das scheint nicht möglich. Schnell arbeitet sie mit Grafiken und scheinbar naiven Fragen heraus, was die Finanzwelt am Rotieren hält: Es ist die Kreditvergabe, also die Aufnahme neuer Schulden: "Kein Wirtschaftswachstum ohne neue Schulden", heißt es in dieser faszinierenden, optisch streng und dennoch zugänglich gestalteten Doku.

Banken schöpfen Geld, indem sie Kredite vergeben, die sie gar nicht als Gegenwert in bar besitzen. Buchgeld also, das enorme Wirtschaftskraft besitzt, aber eben nur auf dem Papier. Wie lange der Schwindel weiterlaufen kann, ist eine der zentralen Fragen dieses Films - und Losmann hat zwar keine Antwort, stellt aber wenigstens beharrlich die richtigen Fragen.