Wenn amerikanische Schauspielerinnen große Stars sind, dann droht ihre Karriere ab etwa 40 mächtig ins Straucheln zu geraten. Hollywood ist ab diesem Alter gnadenlos im Umgang mit Frauen und ihren Rollen. Für die jugendliche Liebhaberin sind sie zu alt, für die Mutterrolle oftmals zu jugendlich, eine Crux, die manchmal zu nicht weniger stereotypen Ausflüchten in andere Genres führt, wie im vorliegenden Fall: Da ist Angelina Jolie, 46, in ein B-Movie geraten, das mehr oder weniger das Substrat ist von ihrer einstigen Karriere als Actionheldin. Lara Croft, 20 Jahre später, so könnte der Untertitel lauten.

Aber Halt! Man will nicht ungerecht sein. Denn immerhin spielt Jolie hier jene Rolle innerhalb des Ensembles, die noch am wenigsten holzschnittartig ist. Sie ist die Feuerwehrfrau Hannah, die an einem Trauma leidet, weil dereinst ein Brand aufgrund ihrer Fehlentscheidung Kinder das Leben kostete. Ihre Seelenpein versucht sie mit toughen Sprüchen zu übertünchen: Die knallharte, abgebrühte Einzelgängerin darf deshalb unter der Regie von Taylor Sheridan ("Sicario", "Hell Or High Water") und basierend auf dem Roman von Michael Koryta Sätze sagen wie: "Ich vögle keinen Mann, dem ich im Wald beim Scheißen zugeschaut habe."

Auch der Film, den Warner nun bei Sky herausbringt anstatt im Kino, ist ähnlich rustikal wie dieser Sager. Bösewichter sind in den Bergen von Montana einem kleinen Buben namens Connor (Finn Little) auf den Fersen, dessen Vater bereits ermordet wurde. Dieser hat sein Geheimnis, das Politiker in Bedrängnis bringen könnte, allerdings noch seinem Sohn mit auf den Weg gegeben.

Weil Hannah auch in der Gegend ist, um gegen innere Dämonen zu kämpfen, läuft ihr Connor auf der Flucht vor den brutalen Verfolgern über den Weg. Es beginnt ein Katz-und-Maus-Spiel in den Wäldern, das sich zuspitzt, als ein Waldbrand von epischer Breite ausbricht und alle Beteiligten bedroht.Die Gegenspieler agieren wie wildgewordene Wölfe: Jack (Aiden Gillen) und Patrick (Nicholas Hoult) gehen über Leichen, würden ohne mit der Wimper zu zucken auch Schwangere und Kinder töten für ihre Auftraggeber. Es ist abstoßend brutal, was Sheridan hier zeigt, und man weiß nie wirklich, ob der Regisseur einen realen Actionfilm inszenieren wollte oder doch einen überhöhten, auf die Spitze getriebenen. Wonach die Killer eigentlich suchen, bleibt ungeklärt, ein MacGuffin in bester Hitchcock-Tradition, halt nur nicht sehr raffiniert gemacht.

Haudrauf-Finale

Als Survival-Thriller ist "They Want Me Dead" durchaus spannend inszeniert, die Charaktere bleiben flach und einsilbig, aber das gehört fast zwangsläufig zum Genre. Ein bisschen Amerika-Kritik ist auch dabei ("Wir sind in Montana, da ist anzunehmen, dass man bewaffnet ist"). Es gibt ein gewaltsames Haudrauf-Finale, und bevor der Brand seinen Höhepunkt erreicht, sehen wir Frau Jolie auch gekonnt eine Axt schwingen. Kann gut sein, dass man den Film allein deshalb sehen möchte. Oder auch, weil sie zwei Mal vom Blitz getroffen wird und danach immer noch verdammt gut aussieht. Immerhin: Für eine ordentliche Portion Action war und ist sich Angelina Jolie nie zu schade. Und das ermöglicht ihr, auch im altersfeindlichen Hollywood immer noch Filme wie diese zu drehen: Als abgehetzte, blutig geschlagene und niemals aufgebende Actionheldin macht Jolie eine gute Figur, das muss selbst Hollywood erkennen. Sie ist eine Meisterin der Illusion und der Ästhetik der gepeinigten Kämpfernatur.