Als Dokumentarfilmer hat der Österreicher Hubert Sauper ("Darwin’s Nightmare", "We Come as Friends") unzählige Preise gewonnen und wurde auch für den Oscar nominiert. Für seine neueste Arbeit, die zuletzt bei der Viennale 2020 mit dem Wiener Filmpreis ausgezeichnet wurde, begab sich Sauper nach Kuba. Dort spürt er dem Urknall vom Ende der spanischen Kolonialherrschaft nach, der 1898 in Form
der Explosion des Kriegsschiffes "USS Maine" im Hafen von Havanna eingeleitete wurde. Sauper wertet dieses Ereignis als den Beginn des amerikanischen Imperiums. Gleichzeitig wird dort auch ein neues Medium geboren: das Kino als bestens funktionierendes Propagandainstrument.

In "Epicentro" befragt Sauper die Menschen in Havanna, sein Augenmerk gilt besonders den Kindern, die geprägt sind von einem Jahrhundert der Mythenbildung. Mit viel Poesie und zugleich mit analytischem Blick widmet sich der Film diesen Kindern, diesen kleinen Propheten, wie Sauper sie nennt, und verweilt mit großem Respekt auf Augenhöhe mit ihnen. Es ist ein kluges, unaufgeregtes Menschenbild, das Sauper hier zeichnet, von aufgeweckten, lebensbejahenden jungen Menschen, denen man eine glückliche Zukunft von Herzen gönnt.