Die Diagonale-Preise sind am Sonntag in Graz erstmals via voraufgezeichneten Stream verliehen worden. Als bester Spielfilm wurde Evi Romans "Hochwald" ausgezeichnet, den Preis für den besten Dokumentarfilm erhielt "Aufzeichnungen aus der Unterwelt" von Tizza Covi und Rainer Frimmel. Den Schauspielpreis für den besten Auftritt einer österreichischen Schauspielerin und eines Schauspielers in einem Wettbewerbsfilm bekamen Hilde Dalik für "Sargnagel" und Lukas Miko für "Me, We".

"Hochwald" thematisiert die Suche eines jungen Mannes nach seiner Identität im Umfeld eines Tiroler Heimatfilms. Der Film ist von großer darstellerischer Dichte und wirft einen Blick auf einen Außenseiter inmitten einer kleinstädtischen Struktur. Der junge Mario (Thomas Prenn) entflieht seiner Südtiroler Heimatstadt in das pulsierende Rom. Dort wird der orientierungslose Träumer, der gerne Tänzer werden möchte, Zeuge eines Terroranschlags. Zurück in seiner Heimatstadt tritt er einer muslimischen Glaubensgemeinschaft bei, was ihn endgültig zum krassen Außenseiter werden lässt. Ein gefühlvoll und mit genauem Blick umgesetztes Drama, das diesen Preis zu recht verdient hat. "Der weite Kosmos einer engen Dorfgemeinschaft verschmilzt im Zusammenspiel mit großen Bildern, herausragendem Schauspiel und feiner Beobachtungsgabe zu einem vielschichtigen Gesellschaftsporträt", urteilte die Jury.

Peter Schernhuber (links) und Sebastian Höglinger, die Intendanten der Diagonale in Graz, zeigten sich zufrieden mit der heurigen Festivalausgabe. - © Katharina Sartena
Peter Schernhuber (links) und Sebastian Höglinger, die Intendanten der Diagonale in Graz, zeigten sich zufrieden mit der heurigen Festivalausgabe. - © Katharina Sartena

Tizza Covi und Rainer Frimmel spüren in ihrem preisgekrönten Dokumentarfilm "Aufzeichnungen aus der Unterwelt" einem Gaunerkönig und einem Wienerlied-Sänger der 60er-Jahre nach. "Ein Film, der Leben erfahrbar macht, die so vielleicht gar nicht stattgefunden haben. Eine Zeitreise in eine Welt, die es angeblich nie gab. Leute, die erzählen, was sie vergessen haben, während die Hand im Aschenbecher den Rest ergänzt. Zuhören dürfen und Nähe spüren. Auf Wienerisch funktioniert Nostalgie ohne Romantik", so das Urteil der Dokumentarfilm-Jury.Die beiden Hauptpreise sind mit je 19.000 Euro dotiert. Covi und Frimmel erhielten auch den Kodak-Analog-Filmpreis im Wert von 1.500 Euro.

Hilde Dalik ("Sargnagel", die "Wiener Zeitung" berichtete) und Lukas Miko ("Me, We") wurden mit je 3.000 Euro für "einen bemerkenswerten Auftritt einer österreichischen Schauspielerin sowie eines österreichischen Schauspielers in einem Wettbewerbsfilm der Diagonale" ausgezeichnet.

Der Preis für den besten innovativen Film, Experimental- oder Animationsfilm ging an The Golden Pixel Cooperative für "Half of the Sky", dafür gibt es 8.500 Euro. Der Kurzspielfilmpreis (5.500 Euro) wurde an Maximilian Conway für "Liebe, Pflicht & Hoffnung" verliehen. In der Kategorie "Bester Kurzdokumentarfilm" ging die mit 4.000 Euro dotierte Auszeichnung an Sophie Gmeiner für "Frauenfragmente: Gini und Resi". Bester Nachwuchsfilm (5.500 Euro) wurde "Eva-Maria" von Lukas Ladner.

3.000 Euro für die beste künstlerische Montage Spielfilm erhielten Karina Ressler und Joana Scrinzi für "Fuchs im Bau", im Bereich Dokumentarfilm gewannen Yves Deschamps und Hubert Sauper für "Epicentro" (ebenfalls 3.000 Euro). Die Preise (je 3.000 Euro) für die beste künstlerische Bildgestaltung bekamen Ludwig Wüst für "3.30PM" (Spielfilm) und Jordane Chouzenoux für "Wenn es Liebe wäre" (Dokumentarfilm). Für das beste Sounddesign wurden im Bereich Spielfilm Vinzenz Schwab für "Another Coin for the Merry-Go-Round" und bei den Dokumentarfilmen Benedikt Palier für "Soldat Ahmet" mit je 3.000 Euro bedacht.

Die Auszeichnung für das beste Szenenbild bekamen Renate Martin und Andreas Donhauser für "Sargnagel" und für das beste Kostümbild Cinzia Cioffi für "Hochwald" (je 3.000 Euro). Der Preis für außergewöhnliche Produktionsleistung im Bereich Film (20.000 Euro) wurde geteilt und ging an Film AG für "Was wir wollten" und Panama Film "The Trouble With Being Born".

Die Diagonale wurde heuer mit hohen Sicherheitsvorkehrungen durchgeführt, nachdem man im Vorjahr pandemiebedingt absagen musste. Die Intendanten zeigten sich angesichts des nunmehr pannenfrei über die Bühne gegangenen Festivals zufrieden. "Es ist wunderbar, dass das Kino ein solch starkes Lebenszeichen von sich geben konnte. Wir sind zuversichtlich, dass das Kino wieder voll zurückkommen wird", so Sebastian Höglinger und Peter Schernhuber.