Sieht so die Liebe der Zukunft aus? Ein Androide, der einem nicht nur als Liebhaber dient, sondern der auch den Haushalt schupft und in allen Alltagslagen schnell und präzise Abhilfe verschafft? Maria Schrader entwirft ein solches Szenario in ihrem neuen Film "Ich bin dein Mensch" (ab Freitag im Kino) - freilich mit einem gehörigen Augenzwinkern. Denn Schraders Film ist eine komödiantische Auseinandersetzung mit dem Thema Künstliche Intelligenz.

Im Mittelpunkt steht Alma (Maren Eggert), eine Wissenschaftlerin am berühmten Pergamon-Museum in Berlin, die für eine Ethikkommission einen neuen humanoiden Roboter testen soll. Tom (Dan Stevens) hat alles, kann alles und weiß alles. Und er sieht aus wie ein echter Mensch. Eigentlich wollte Alma im Zuge des Tests Tom einfach nur in die Ecke stellen, doch das klappt nicht - denn Tom ist so programmiert, dass er für Alma den perfekten Partner gibt, der ihr alle Wünsche von den Augen abliest und sie über Algorithmen dazu bringen soll, sich in ihn zu verlieben. Basierend auf der gleichnamigen Erzählung von Emma Braslavsky hat Maria Schrader eine launige Beziehungskomödie gedreht, die mit durchaus ernstem Blick auf die Zukunft der Liebe sieht. In einem Online-Gespräch beantwortete Schrader bei der Berlinale im März Fragen zum Film.

Maria Schrader hat im Vorjahr einen Emmy gewonnen - für ihre Netflix-Miniserie "Unorthodox". - © Filmladen
Maria Schrader hat im Vorjahr einen Emmy gewonnen - für ihre Netflix-Miniserie "Unorthodox". - © Filmladen

"Wiener Zeitung": Frau Schrader, Ihrem Androiden muss man einfach auf den Leim gehen, denn er paart Technik mit Charme. Wie geht das zusammen?

Maria Schrader: Dan Stevens spielt mit Sicherheit den besten Roboter, den ich mir hätte ausdenken können. Wir setzen diese Geschichte im Unterschied zu der Vorlage nicht in einer fernen Zukunft um, sondern im Heute. Wir sprechen nicht viel über Künstliche Intelligenz, sondern machen diese konkret, indem hier ein Schauspieler in der Verabredung mit dem Publikum einen Roboter spielt. Dabei war es durchaus hilfreich, dass Dan Stevens mit seinem englischen Akzent eine gewisse Fremdheit in die Rolle mit eingebracht hat. Wir suchten jemanden, der so gut Deutsch spricht, dass er bei den komplizierten Sätzen keinen Knoten in die Zunge bekommt, und jemanden, der besonders gut aussieht. Außerdem sollte er Selbstironie mitbringen und mit Vergnügen in dieser Rolle aufgehen. Er sollte - trotzdem er eine Maschine ist - genug Charme mitbringen, um sich in ihn verlieben zu können. Dafür war Dan der absolut richtige Schauspieler.

Ihre Hauptfigur Alma scheint zunächst nicht die richtige Testperson für diesen Roboter zu sein.

Zunächst entsteht diese scheinbare Abneigung gegen den Roboter. Aber Almas Meinung wird sich wandeln. Alma forscht im Pergamon-Museum in Berlin an der Frage, ob es in uralten Keilschriften schon so etwas wie Poesie gegeben hat. Ich fand diese Brücke sehr schön, dass Alma an etwas forscht, was an den Ausgangspunkt der menschlichen Kommunikation zurückführt, und zugleich daheim mit der neuesten Kommunikationstechnologie in Form dieses Androiden konfrontiert ist. Der Film erzählt auch etwas sehr Grundsätzliches über uns Menschen: Es gibt viele Momente im Film, die uns als Menschen einen Spiegel vorhalten, die das Menschsein an sich thematisieren.

Was im Film mitschwingt, ist diese Theorie vom künstlichen Menschen, die es schon sehr lange gibt.

Der Traum vom künstlichen Menschen ist wahrscheinlich so alt wie die Menschheit selbst. In der Antike war es noch ein mythisch-künstlerischer Schaffensakt, der die Hilfe der Götter brauchte. Prometheus erschuf Menschen aus Lehm und Wasser, der Künstler Pygmalion baute eine weibliche Statue, verliebte sich in sie und bat die Göttin Aphrodite, ihr Leben einzuhauchen. Aber mit wachsendem Vertrauen in die eigene Kompetenz nahm der Mensch die Erschaffung seines Ebenbilds den Göttern aus der Hand. Von den ersten mechanischen Automaten bis zur gegenwärtigen Entwicklung künstlicher Intelligenzen scheint jegliche Transzendenz oder göttliches Zutun verschwunden. Sollte es aber tatsächlich dazu kommen, dass Roboter Lebens- und Liebespartner für den Menschen sein können, bekommen die Fragen nach dem "Geheimnis des Lebens", nach der Seele, nach Empfindung und Bewusstsein wieder zentrale Bedeutung. Oft bewegen sich die Geschichten um den künstlichen Menschen im Spannungsfeld zwischen Faszination und Schrecken. Der Mensch spielt Gott und erschafft sich Untertanen. Zugleich bekommt er Angst, seine künstliche Schöpfung könnte unkontrollierbar und ihm überlegen sein. Viele Erzählungen, vom mittelalterlichen Golem bis "Ex Machina", enden mit Zerstörung und Tod.

Ein Roboter als Liebhaber ist da natürlich eher als Zuspitzung gemeint, oder?

Der Mensch ist ein soziales Wesen und ist auf der Suche nach einem Partner. Kann jemand, der nicht so unperfekt ist wie wir, jemand, der nicht stirbt und niemals krank wird, jemand, der nicht getrieben wird von Instinkten, von Eifersucht, von Ängsten, also kann so jemand ein trostspendendes Element für uns sein? Kann so jemand eine Partnerschaft gründen? Diese Frage stellten wir uns sehr intensiv.

Was ist der Schlüssel zu einer gelungenen Komödie?

Dass der Film als Komödie funktioniert, ist vor allem den Darstellern geschuldet. Dan als Roboter einerseits, aber auch Maren Eggert, die sich mit so viel Mut und Kraft auf die Szenen eingelassen hat. Sie war für mich schon beim Casting so vielgesichtig und kann sehr schnell ihre Aggregatzustände ändern, von schnell auf langsam oder von ernst auf witzig. Ich konnte auf diese Weise mit Maren und Dan sehr viele Regler während des Drehs bewegen, um verschiedenste Nuancen in den Szenen herauszuarbeiten. So entstand eine Menge Material, das wir dann sehr sorgfältig im Schnitt zusammengefügt haben. Dieser Prozess war für den Film immens wichtig, denn ich ließ Dan beispielsweise Szenen in unterschiedlicher Intensität spielen, mal mit mehr, mal mit weniger "Maschine" oder Menschlichkeit. So fanden wir langsam die Tonalität für diesen Film.

Der Film entstand während der ersten Phase der Pandemie. Wie sind Sie damit umgegangen?

Es gab natürlich die üblichen Kontakt- und Abstandsregeln, die regelmäßigen Testungen und so weiter. Einmal mussten wir für zwei Tage abbrechen, weil es falsch positive Testungen im Team gegeben hatte. Besonders herausfordernd waren die Szenen, die mehrere Menschen beim Tanzen zeigten. Da mussten wir tatsächliche Paare finden, die sich hier umarmten und küssten, damit alles regelkonform ablief. Das kostete ordentlich Geld, und so wurden diese Szenen ganz ans Ende der Dreharbeiten geschoben. Als es dann tatsächlich stattfand, im September 2020, war das für uns total beeindruckend, weil wir das so lange nicht gehabt hatten: eine Band, ein Tanz, viele Leute, ein Fest. Das war ein unglaubliches Gefühl.

Für Ihre Netflix-Miniserie "Unorthodox", die Sie im Vorjahr gedreht haben, erhielten Sie einen Emmy in der Kategorie "Beste Regie Miniserie". Was bedeuten solche Preise?

Ein Preis ist so etwas wie die Krönung dessen, was man auf dem Weg dorthin schon alles mit dem Film erlebt hat. Etwa, wenn es großen Zuspruch gibt vom Publikum, bei Festivals oder in Diskussionen. Man freut sich, wenn man nominiert ist, und wenn es klappt, ist die Freude noch größer, aber das Ganze ist ein Spiel, in dem man eben mitspielt. Schön ist, wenn durch die Preise die Filme noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.